Samstag, 18. Juni 2016

5. Meine Erlebnisse nach der Veröffentlichung des Romanes - Kapitel 1 - 7 (Last Update: 27. Mai 2017)

Hier geht es zum Vorgängerwerk dieses Textes:
http://koelledablog.blogspot.co.at/2016/02/alle-romankapitel-als-pdf.html

Christoph Altrogge


Der Männerrechtler


Eine Mischung aus Roman, Blog
und Tagebuch


Schilderungen, die unmittelbar
an verschiedene Ereignisse
aus dem Tatsachenroman
"Musik im Kopf"
anknüpfen.

(Wird in sehr unregelmäßigen Abständen aktualisiert.)


Gegebenenfalls empfiehlt es sich, zum besseren Verständnis zuvor die Inhaltszusammenfassung des Romanes zu lesen.

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1.

Mit der Post hatte ich eine Einladung bekommen. Ich öffnete sie in der Stube. "Gesellschaft der Freunde der Zeitgeschichte", las ich da.
Einen Ballabend veranstalteten die im Palais Soundso in der Wiener Innenstadt.
Wahrscheinlich hatte ich auf irgendeinem Pressetermin mal in einer Liste meine Adresse hinterlassen, sodass ich in deren Verteiler gelandet war, vermutete ich.

Die Nacht war bereits über der Stadt hereingebrochen, als ich in der Straße in der Wiener Innenstadt angekommen war, in der sich das bewusste Palais befand. Es war mir bisher nur aus der Kunstgeschichte ein Begriff gewesen.
Das pompöse barocke Treppenhaus war an unzähligen Stellen von Lampen und Laternen erleuchtet. Die leistungsstarken Glühlampen darin steigerten den Glanz der Architektur ins fast Unermessliche.
Vor mir lag die für Bauten jener Epoche typische, lange hohe Treppe mit den extrem flachen Stufen. Roter Teppich mit einer speziellen Musterleiste links und rechts war darauf gespannt.
Rechts ein Geländer aus barocker Steinschnitzerei, links eines in Form eines Seils in weinrotem Samt, wie man es aus vielen Schlössern kannte.
Das Spektakulärste von allem jedoch das riesige, gläserne Deckengemälde, welches sich über das gesamte Treppenhaus erstreckte.
Ich bedauerte ein wenig, mich nicht in Ruhe all diesen Details widmen zu können, da im Moment das Vordringlichste war, diese rätselhafte Situation aufzulösen.
Das Treppenhaus war vollkommen menschenleer. Einzig am oberen Ende der langen Treppe vernahm ich aus einem Saal Musik und Gespräche.
Je weiter ich nach oben stieg, umso deutlich erkannte ich, dass sich am oberen Ende der Treppe in der Wand eine Nische mit einer altgriechischen Skulptur befand.
Gleich links daneben war der Eingang zu dem Saal, aus dem die Geräuschkulisse drang.
Als ich den Saal betrat, dachte ich, ich hätte den Verstand verloren!!! Von allem Verrückten, was ich in den letzten Jahren erlebt hatte, war das die unschlagbare Krönung!!!
Die Gäste der Veranstaltung waren allesamt Personen, die irgendwann einmal in meinem Leben eine Rolle gespielt hatten. Das Verrückteste daran: Sie schienen seit dem Tag, an dem ich sie zum letzten Mal sah, überhaupt nicht gealtert zu sein! Und viele von ihnen waren doch schon gar nicht mehr am Leben!
Ich war vollkommen paralysiert, während ich zwischen den runden, gedeckten Ballsaaltischen hindurch schritt. Ich war überhaupt nicht mehr in der Lage, irgendetwas zu denken.
Bestimmt an die zwei-, dreihundert Personen befanden sich in dem Saal.
Tony saß da, mein alter Freund aus Kastanienberg.
Simone, meine ungefähr 25-jährige Spielkameradin mit acht, neun Jahren, die sich mir gegenüber stets seeeeehr offenherzig gab.
Am Nachbartisch: die sächselnde Gartenzwerg-Ausgabe des "Kettenrauchers" aus "Akte X", der Doktor Mabuse für ostdeutsche Hartz IV-Empfänger – Hartmut Gornwald.
Die rothaarige Ilka, mit der ich zu Beginn der Siebten Klasse ein paar Mal ausgegangen bin.
Katharina.
Meine damalige Vorgesetzte während meines Ferienjobs in Hessen, die mich von einer Betriebsfeier mit zu sich nach Hause genommen hatte und sich dort von mir sturzbetrunken übers Knie legen ließ. Aufgrund meiner speziellen Veranlagung fiel für mich dieser Abend unter die Rubrik Das-erste-Mal-Sex-mit-einer-Frau.
Carmen, so wie Tony im Alter von 16.
Und schließlich: Magda! Sie winkte mir von weitem zu, als sie mich sah.
Vorn auf der Tanzfläche spielte ein Orchester gerade den Gold-und-Silber-Walzer von Franz Lehár.
Mehr automatisiert als bewusst nahm ich an einem leeren Tisch gleich am Rande der Tanzfläche Platz.
Ich war nach wie vor von diesen Erlebnissen geistig wie ausgeschaltet, so dachte ich nicht daran, auch nur einen der Gäste persönlich zu begrüßen.

Nach ungefähr einer halben Stunde erschien ein Kellner im roten Frack bei mir, nachdem mir ein Kollege von ihm schon kurz nach meinem Eintreffen eine Flasche Sekt hingestellt hatte. Er sprach mich an: "Der Gastgeber des heutigen Abends würde sie gern persönlich sprechen."
"Und wer ist das?"
Er ging nicht auf mein Anliegen ein, sondern sagte nur: "Darf ich Sie bitten, mir zu folgen?"
Auch wieder halb automatisiert stand ich auf. Unter normalen Umständen wäre ich wohl vor Neugier fast geplatzt, wer denn der Organisator eines so bizarren Events sei, das jenseits aller Vorstellungskraft liegt. Doch nach den Ereignissen des heutigen Abends konnte mich fast nichts mehr überraschen, und so folgte ich dem Livrierten ziemlich emotionslos.
Eine im Vergleich zu der anderen eher unspektakuläre Treppe folgte hinter einer Tür am Rande des Saals. Sie schien mir erst bei Umbauarbeiten in noch relativ junger Vergangenheit eingefügt worden zu sein.
Bald darauf hatten wir ihr Ende erreicht. Der Kellner öffnete die Tür zu einem Büro. "Bitte!" Er machte eine einladende Handbewegung.
Nun schlug mein Herz doch bis zum Halse angesichts der Tatsache, gleich denjenigen kennenzulernen, der all dies inszeniert hatte.
Mit einem Schritt, der mir riesengroß vorkam, trat ich in den Raum hinein.
Allerlei technische Geräte befanden sich in ihm. Fast ein wenig wie der Vorführraum eines Kinos erschien er mir.
Erst auf den zweiten Blick bemerkte ich den Mann, der, mir den Rücken zugewandt, auf einem Bürodrehsessel vor mir saß.
Das war doch ……………………. der Hofrat!!!!!!!!!!!
Jedes Mal, wenn ich an diesem Abend gedacht hatte, die Groteske der Vorkommnisse ließe keine Steigerungsmöglichkeit mehr zu, wurde ich eines Besseren belehrt!
Er drehte sich zu mir herum. "Guten Abend!" begrüßte er mich völlig normal. "Schön, dass Sie sich Zeit genommen haben!"
"SIE? Sie stecken hinter all dem?"
"Setzen Sie sich!"
Immer noch automatisiert folgte ich der Aufforderung. In meiner unmittelbaren Nähe befand sich ein büroüblicher Drehsessel.
Der Hofrat sah mich von seinem Sessel aus an, schwieg eine Sekunde und schien dann einen längeren Monolog zu beginnen: "Sie werden sich fragen, was das alles zu bedeuten hat?"
"Könnte man so ausdrücken", kam es aus mir unfreiwillig sarkastisch. Immer noch war mein ganzes Handeln aufgrund der über jedes menschliche Verständnis hinausgehenden Situation vollkommen ferngelenkt.
"Nun, wir sind heute Abend zusammengekommen, um die Premiere der Verfilmung Ihres Buches zu feiern!"
Die Aussage machte mich vollkommen sprachlos.
Auch der Wikipedia-Eintrag sei schon fertig, teilte er mir in der Folge mit. Auf seinem Bürosessel sitzend, stieß er sich mit den Füßen ab und rollte zur Seite. Danach machte er mit den Händen eine einladende Bewegung in Richtung eines PC's.
Ich stand auf, zog den Drehsessel daneben an mich heran und setzte mich vor den Bildschirm.
Tatsächlich. Ich sah es mit meinen eigenen Augen vor mir:

Musik im Kopf (2016)

Musik im Kopf ist ein Fernsehmehrteiler aus dem Jahr 2016. Die Handlung basiert auf dem gleichnamigen Roman des moldawisch-deutschen Schriftstellers Christoph Altrogge von 2016.
·         Inhaltsverzeichnis

1 Handlung
·         2 Figuren (Auswahl)
·         3 Hintergrund
·         4 Erstausstrahlung in Österreich
·         5 Erstausstrahlung in Deutschland
·         6 Auszeichnungen
·         7 Kritiken
·         8 Weblinks
·         9 Einzelnachweise

Figuren (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Christoph Altrogge
Mittelpunkt der Handlung ist der aus der Nähe von Weimar nach Österreich ausgewanderte Journalist, Dritte-Welt-Laden-Verkäufer und spätere Computertrainer Christoph Altrogge.
In der zweiten Episode erfährt der Zuschauer, dass er ursprünglich aus Moldawien stammt und bei Geburt Erik Lehnsfeld hieß.
Tony Raskovics
Christophs bester Freund aus Kindertagen. Nach der politischen Wende in der DDR kam er mit den neuen gesellschaftlichen Verhältnissen mehr zurecht und wurde kriminell.
Der "Sachsensumpf"
Das von Journalisten kreierte Wort beschreibt eine in der Zeit nach der Wende in der damaligen DDR entstandene Mafia aus ehemaligen Stasi-Angehörigen, Politikern, Richtern und Staatsanwälten mit Hauptoperationsgebiet Leipzig, die sich vor allem mit dubiosen Immobiliengeschäften und Zwangsprostitution minderjähriger Mädchen beschäftigt.
Ausgelöst durch Ereignisse, die zunächst sein ganz privates Umfeld betrafen, geriet der Autor im Laufe der Zeit mehr und mehr in den Strudel dieser Ereignisse hinein.
Hartmut Gornwald
Ehemals führender Offizier des ostdeutschen Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), zuletzt für den Bereich Ost-West-Handel verantwortlich. Nach der politischen Wende in der DDR hielt er sich mit verschiedenen kriminellen Delikten wie Drogenhandel oder Prostitution Minderjähriger über Wasser. Durch seine Skrupellosigkeit stieg er innerhalb kürzester Zeit zu einer der führenden Figuren im so genannten "Sachsensumpf" auf.
Jens Baumeister
Ein Mitschüler Christoph Altrogges. Wurde nach der Wende die Rechte Hand Gornwalds, welcher ihn über die Jahre hinweg systematisch als seinen "Kronprinzen" im Sachsen-Kartell aufbaute. Durch eine zufällige Verkettung von Ereignissen hatte Christoph die beiden miteinander bekannt gemacht, ohne dass er das wollte.
Magdalena Wilhelmine Theresa Burgstaller
Genannt Magda. Tochter einer niederösterreichischen Weinbauernfamilie mit Jahrhunderte langer Tradition. Freundin Christoph Altrogges. Zu Anfang verstehen sich die beiden nicht. Sie fürchtet sich vor seiner undurchsichtigen Art. Er hält sie für eine arrogante Großbauerntochter. Erst auf einer Spanienwallfahrt kommen sie sich näher, sie wird seine große Liebe.
In der dritten Episode nimmt sich nach einer missglückten Psychotherapie, zu der sie ihre weibliche Verwandtschaft zwang, nachdem sie in Wien Opfer einer Straftat wurde, das Leben.
Carmen Hensolt
Freundin Christoph Altrogges aus Kindertagen. Nach der Wende wurde sie eines der minderjährigen Zwangsprostitutionsopfer des Sachsen-Kartells.
Zum Verhängnis wurde ihr, als sie nach ihrer Befreiung aus der Prostitution in den Einfluss einer stark feministisch orientierten Psychologin geriet. Ihr berufliches Ziel, misshandelten Frauen zu helfen, war bei ihr schon fast zu einer Art religiöser Besessenheit ausgewachsen; für ihr pathologisches feministisches Helfersyndrom war sie bereit, über Leichen zu gehen. Daher manipulierte diese Ärztin Carmens gesamtes familiäres Umfeld, auf sie einzuwirken, dass sie sich in stationäre psychiatrische Behandlung begebe. Unter diesem massiven Druck gab Carmen schließlich nach.
Während des nun folgenden stationären Aufenthaltes wurde ihr Körper vollkommen durch Psychopharmaka zerstört, sodass sie im Alter von nur 27 Jahren an den Spätfolgen verstarb.
Angelika Strobel
Die Antagonistin der Serie. Sie ist äußerst despotisch und herrschsüchtig. Die wohlhabende und offenkundig psychisch instabile Frau eines leitenden österreichischen Beamten half Christoph ein paar Mal aus finanziellen Problemen heraus. Diesen Umstand nutzte sie weidlich aus, Christoph auf eine extremst rücksichtslose Weise über seine innersten Gefühlslagen auszuhorchen. Christoph trieb das regelmäßig zu Ausrufen wie: "Ich bringe sie um. Ich bringe dieses Weibsstück mit meinen eigenen Händen um!" Gern verglich Christoph auch ihre Art mit der der dominanten Mutter des bekannten Spielfilm-Serienmörders Norman Bates. Oftmals kündigte er auch im Rahmen von schwarzhumorigen Scherzen an, dass er sich ihrem Äußeren entsprechend verkleiden und Frauen, die sich genauso verhalten wie sie, unter der Dusche erstechen werde.
"Der Hofrat"
Ein älterer österreichischer Bundesbeamter in hoher Stellung. Er tritt in der vierten und letzten Episode in Erscheinung, nachdem Christoph nach Wien gegangen war. Durch sein Eingreifen konnten juristische Folgen abgewendet werden, als gegen Christoph verschiedene Falschbeschuldigungen aus dem Bereich des Sexualstrafrechtes vorgebracht wurden.
Seine Identität und seine Beweggründe, Christoph zu helfen, bleiben im Dunkeln. Durch verschiedene Indizien entsteht der Eindruck, dass er Christoph möglicherweise schon eine lange Zeit kannte, bevor er mit ihm in Kontakt trat. Vermutlich stammt er aus Wien oder hat zumindest einen sehr großen Teil seines Lebens dort verbracht. Sein Markenzeichen sind hohe Insiderkenntnisse bei vergangenen und aktuellen Ost-West-Entwicklungen. Trotz seiner einflussreichen Stellung scheint er permanent negative Konsequenzen für seine Person zu fürchten, wenn er ganz offen für Christoph Partei ergreift.

"Sie haben sogar einen Cameo-Auftritt", teilte mir der Hofrat mit sichtlichem Stolz mit. "Sie spielen den Fahrkartenschalter-Angestellten, der Ihnen und Ihrer Schulfreundin mitgeteilt hat, dass wegen der ausreisenden DDR-Flüchtlinge keine Züge mehr von dem Bahnhof abfahren."
Ja ja, ich erinnerte mich gut. Damals die Demonstration in Sömmerda.
Nur eine Kleinigkeit irritierte mich: Wieso konnte ich mich an die Dreharbeiten nicht erinnern?
Unten im Saal änderte sich plötzlich etwas. Die Musik auf der Bühne verstummte.
Stattdessen fuhr wie im Kino ein Vorhang zur Seite.
"Die Vorstellung beginnt", sagte der Hofrat. "Wir können hier über den Monitor zuschauen."
Parallel zum Saal setzte auch auf dem Computerbildschirm der Beginn des Filmes ein.
Die Kamera hielt auf unser altes, rot gestrichenes Haus in Deutschland. Aus dem Off sang Katja Ebstein "Ich bin ein Berliner Kind". Das Lied wurde akustisch teilweise überblendet von der Stimme eines männlichen Off-Sprechers: "Ostdeutschland, Sommer 1981." Ich glaubte, es war der deutsche Off-Sprecher der "Dornenvögel".
Ich erinnere mich, dachte ich. Das Lied wurde damals im Radio oft gespielt.
"Wieso können Sie das alles? Wieso sind Sie so mächtig?" fragte ich den Hofrat.
Ich hatte den letzten Satz kaum ausgesprochen, als sich plötzlich alles ringsherum veränderte.
Wieder dachte ich, mich trifft der Schlag. Ich stand mit einem Male über den Wolken!
Ich befand mich hoch oben über den Wolken! Ringsum nichts als Wolken!
Der optischen Erscheinung nach schien der Wind sie vor sich herzutreiben. Ich verspürte jedoch keinerlei Kälte.
Erst jetzt bemerkte ich, dass ich nicht irgendwie schwebte, sondern auf festem Untergrund zu stehen schien.
"Ich bin nur deshalb so mächtig, weil du das so wolltest", erklärte er mir vollkommen ruhig.
Erst jetzt ging er auf die Frage ein, die ich ihm vor dem abrupten Szenenwechsel gestellt hatte. "Du hast aus dem Schlamassel, in den du dich hineinmanövriert hast, keinen Ausweg mehr gesehen. Und darum hast mich erschaffen. Eine übermächtige Vaterfigur, die für dich alles wieder ins Lot bringt."
Inzwischen hatte ich mich wieder soweit einigermaßen gefasst, dass ich ihm zumindest eine Frage stellen konnte: "Sind Sie real?"
"Du kannst dich mir vorstellen. Also bin ich real." Er machte eine kurze Pause. "Ich bin genauso real wie diese skurrilen Wesen, von denen du als Kind nachts immer geträumt hast: die alten Tanten, die alten Onkels, die Uhus, der EKG, die Prinzessin mit den Augen, Sina, ..." Während er den jeweiligen Namen des Traumdämonen aussprach, nahm er für eine Sekunde dessen Gestalt an. Am bizarrsten sah es aus, als er bei der Erwähnung der Uhus eine DDR-Schneiderpuppe im Design der Sechziger Jahre war.
Zum Schluss war er wieder er selbst. "Haben diese Wesen in deinen Träumen etwa nicht vollkommen selbstständig gehandelt, so als wären sie tatsächlich am Leben? Und so kann auch ich meine eigenen Entscheidungen treffen!"
"Aber diese Dinger waren … nur geträumt … Phantasie!"
"Ab einer gewissen Tiefe des Daseins gibt es zwischen Phantasie und Materie keinen Unterschied mehr! Und von dort komme ich her!"

Soweit die allegorische Vision aus meiner Feder beziehungsweise Tastatur.

Obwohl: Sooft, wie wir Männerrechtler schon als Nazis stigmatisiert worden sind, sollte ich ein Buch wohl eher mit den Worten beginnen: "Als glückliche Bestimmung gilt es mir heute, daß das Schicksal mir zum Geburtsort gerade Moldawien am Dnister zuwies."


2.

"Herr Altrogge, bisher waren Sie für uns nur ein ganz kleiner Pisser. Aber langsam werden Sie lästig!"
Unbekannter Mann auf einem Wiener Volksfest



Das erste Kapitel war ausgedacht. Phantasie mit Schneegestöber. – Obwohl ich beim "Hofrat" tatsächlich schon manchmal leise Zweifel hatte, wie real er war, so geheimnisvoll wie er auftauchte und wieder verschwand. – Aber was ich in der Zeit nach der Veröffentlichung meines Buches in der Wirklichkeit alles erlebte, war kein bisschen weniger verrückt. Eher im Gegenteil – DIESE DINGE waren so verrückt, dass ich niemals im Leben soviel Phantasie besitzen werde, sie mir auszudenken. Es war das, was ich im wesentlich kleineren Maßstab auch früher schon oft als Journalist erlebt hatte. Wenn mir ein Informant eine Geschichte auftischte, die ZU bescheuert klang, um wahr zu sein, dann war das meistens ein starkes Indiz dafür, dass da etwas dran war.


Doch zunächst deutete noch nichts darauf hin. Nach der Veröffentlichung des Romanes schien es, als würde bei mir jetzt langsam ein etwas ruhigeres Fahrwasser eintreten.

Jedes Mal, wenn ich die Wohnung verließ, fiel mein Blick auf die Ordner im Regal, in denen meine alten "Bravo"-Hefte, die ich mit 14, 15, 16, 17 gelesen hatte, in Klarsichthüllen steckten. Gleich neben ihnen lagen meine alten "Bravo Star Kalender" aus derselben Zeit.
Inzwischen konnte ich ganz normal sentimental an meine Jugendzeit zurückdenken. Jetzt, wo Gott sei Dank keine Frauen mehr da waren, die ständig in meiner Vergangenheit herumbohrten, jeden Kieselstein umdrehten, ob da irgendein tief sitzendes psychisches Trauma drunter lag, an dem man sich bis zum multiplen Orgasmus aufgeilen konnte.

Lisa Mönkemann hatte den größten Teil ihres Erbes an ein Heim für ehemalige Prostituierte in Indien, die vielfach mit HIV infiziert waren, hinterlassen. Mir hatte sie in ihrem Testament die Aufgabe übertragen, die letztendliche Entscheidung für ein konkretes Projekt vor Ort zu treffen, wofür sie mir auch einen gewissen Geldbetrag zukommen ließ. Diesen verwendete ich hauptsächlich für die Reiseunkosten.
Richtig "verfressen" war die Fahrt im Taxi über die Boulevardmeile der Stadt. Zu beiden Seiten des Wagens UNMASSEN von Inderinnen mit langen, schwarzen Zöpfen und in knallbunten Saris! Wenn das hier eine Filmszene wäre, dachte ich nach langer Zeit wieder einmal, würde als Background-Melodie hervorragend Ryan Paris' "Dolce Vita" passen.
Die Fahrt erinnerte mich auch an eine tatsächliche Filmszene, und zwar aus dem ersten Teil der "Beverly Hills Cop"-Filme. Daran, wie Axel Foley im offenen Wagen durch ein Nobelviertel der kalifornischen Metropole fuhr und ständig links und rechts einen langen Hals nach den Ortsschönheiten machte.
Zwischen drei vorgegebenen Objekten – irgendwelche NGO's hatten da schon vor Ort Recherchevorarbeiten geleistet – konnte ich mich bezüglich der Spendenscheckübergabe entscheiden.
Ich war der Ansicht, eine gute Wahl getroffen zu haben, nachdem ich mir alles haarklein erklären ließ. Vor allem für medizinische Behandlungen der Frauen benötige man Geld – viel Geld. Verdammt viel Geld. Außerdem plane man, für die Gemeinschaftsküche eine ordentliche Anrichte mit genügend Platz anzuschaffen. Derzeit lebe man aus verschiedensten geschenkten Kleinstmöbeln, was im Alltag oftmals sehr mühselig und zeitaufwändig sei.
Oberkrass, was mir eine der Frauen berichtete: "Meine Eltern wollten mich verbrennen, als sie von meiner Krankheit erfuhren!"
Sie erzählte das auf Hindi, die Heimleiterin übersetzte es mir auf Englisch.
Ich hatte mich auch diskret erkundigt, was sonst im Alltag so gebraucht wird. Von meinem Teil des Erbes kaufte ich dann ein paar Kleinigkeiten wie Geschirr, Bettzeug oder Kopierpapiervorräte fürs Büro. Für die paar Kinder – drei oder vier Mädchen im Kindergarten-/Grundschulalter hatte ich bei meiner Führung durch das Haus gezählt – etliche Packungen Farbstifte. Das indische Preisniveau bewegte sich ja im Trinkgeldbereich, was für mich eine sehr angenehme Überraschung war. Zumindest in dem Geschäftsviertel, in dem ich gelandet war, war alles extremst billig. Bei der Scheckübergabe ließ ich die Sachen mit einem Kleinbus von einem lokalen Taxiunternehmen, wo ich sie auch zwischenlagerte, ankarren. Und schließlich konnte ich der Leiterin der Einrichtung sogar ein paar Tricks im Word und Excel beibringen. Sie hatte das ziemlich schnell drauf, was ich ihr auf Englisch erklärte, auch wenn ich laut Meinung der Bildungsbehörden in meiner deutschen Heimatregion nur ein dummer, kleiner Hauptschüler war, dessen berufliche und intellektuelle Potenziale sich maximal auf eine Karriere als Latrinenputzer oder so etwas in der Richtung erstreckten. Dazu kam noch, dass ihr Hindi-Englisch zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig war, in punkto Hörverständnis. Na ja, wahrscheinlich haben hier Krishna oder Wischnu als unsichtbare Helfer im Hintergrund gewirkt. An mir als geistig unbelichtetem Hauptschul-Knallkopf kann es ja nicht gelegen haben, ich bin ja nur ein ganz, ganz, ganz dummes Arschloch, wie mir diese hohen Herrschaften Thüringer Landesbeamte oft genug zu verstehen gegeben haben.
Eine der Frauen mit besonders intensiv schokoladenbrauner Hautfarbe, die mir schon beim ersten Mal aufgefallen war, war die ganze Zeit über feuerrot, als ich wiederkam … Von ihrem Naturzustand in Zartbitterschokolade war nichts mehr zu erkennen! Die glühte die ganze Zeit!
Ich hatte mich früher manchmal gefragt: Wie sieht das eigentlich bei Farbigen aus, wenn die rot werden? Nun hatte ich es einmal live erlebt.
Von der Übergabe wurde auch ein Video gedreht. Wieder in Österreich, unterlegte ich es noch musikalisch mit der Titelmelodie von "Forrest Gump", bevor ich es auf DVD brannte.

Mein Indienaufenthalt hatte eine Gegenveranstaltung in Österreich zur Folge. Ein paar der Frauen dort unternahmen eine Vortragsreise durch Europa, um auf ihr Schicksal aufmerksam zu machen. Jene westliche NGO, die das Heim vor Ort betreute und an die sich auch Lisa bezüglich ihres Erbes gewandt hatte, trat an mich heran mit der Frage, ob ich einen Teil der Betreuung übernehme. Offenbar war man ganz froh, in mir schon einen Ansprechpartner zu haben. Ich sagte zu.
Die Frau, um die ich mich kümmern sollte, war in Bruck an der Leitha irgendwo privat untergebracht. Zusammen mit einem Fahrer fuhren wir Richtung Wolfsthal, das man fast schon als Vorort von Bratislava auf österreichischer Seite bezeichnen konnte. Ich zeigte ihr dort, wo einstmals der Eiserne Vorhang die Welt in zwei Hälften teilte.
Es war ein sehr schöner, stiller Oktobernachmittag. Wir gingen einen alleeartigen Weg irgendwo in Grenznähe entlang. Die Sonne schien durch die Bäume. Wir waren allein. Die ganze Strecke gehörte uns. Vor mir ging Ambar mit ihrer achtjährigen Tochter Joynab, die sie auf die Reise mitgenommen hatte. Irgendwo aus einem Auto erklang währenddessen "Gymnopé-die Nr. 1" von Erik Satie

Am Sonnabend sahen wir nach den MDR-Nachrichten immer auf ServusTV zuerst Ferdinand Wegscheider und danach "Hoagascht".
Manchmal, wenn ich Conny Bürgler von der "Hoagascht"-Sendung sah, beschlich mich ein etwas eigenartiges Gefühl. Ungefähr so wie sie stellte ich mir Magda in dem Alter jetzt vor.

Ich erinnerte mich wieder an meinen letzten Aufenthalt in Magdas Wiener Wohnung genau eine Woche vor ihrem Selbstmord. Als ich schon fast wieder am Gehen war, um mit dem letzten Zug nach Retz zurückzufahren, kam sie mit einem völlig bizarren Erotikwunsch auf mich zu. Sie wolle mal von mir vergewaltigt werden, teilte sie mir mit.
In vollkommener Ernsthaftigkeit sagte sie mir das.
Ich reagierte zunächst überhaupt nicht auf das Ansinnen. Ich hatte das völlig automatisiert geistig ausgeblendet. Das war mir einfach zu spooky.
Was für eine psychische Not da schon in ihr geherrscht haben muss, dass sie auf solch eigenartige Gedankengänge kam. Dass ihr eine brutale Vergewaltigung wie eine Erlösung aus ihrem Elend vorkam.
Eine Woche später war sie tot. Das war das Ende vom Film "Die Legende von Christoph und Magda".

Ich beschäftigte mich wieder mit der Viele-Welten-Theorie, was ich schon vor zwanzig Jahren getan hatte. Unzählig viele Wahrscheinlichkeiten, die im Leben eintreffen können – unzählig viele Universen. So wurde das Modell zumindest in der populären Science-Fiction-Literatur kolportiert. Sollte das wahr sein, dann hatte sich in einem dieser alternativen Universen Magda nicht das Leben genommen. Und in diesem Universum hatte ich auch mit ihr eine Tochter Maria – Maria hieß sie immer in meiner Phantasie –, die Magda zum Verwechseln ähnlich sah. Manchmal sah ich diese Maria vor meinem geistigen Auge so deutlich, als existierte sie wirklich an irgendeinem Ort.
Der Auslöser war, dass ich im Fernsehen eine Wiederholung von "Die Olsenbande ergibt sich nie" gesehen hatte. Am Schluss der Handlung verließen Börge, seine Frau Fie, Börges Mutter Yvonne und Benny und Kjeld von der Olsenbande das Kopenhagener Kaufhaus "Magasin du Nord", wo sie sich mit Babysachen eingedeckt hatten.
Da kam mir die Phantasie, dass als Abschluss irgendeines Filmes Magda, meine Wenigkeit, unsere Tochter Maria mit ungefähr sechs, sieben Jahren, Mutter und Äns als so eine Art verrückter Patenonkel draußen irgendwo unterwegs sind.

Kurze Zeit später stieß ich in meinem Archiv zuhause wieder mal auf eine Zeichnung, die Äns seinerzeit angefertigt hatte. Es handelte sich um eine Illustration zu einer seiner Science-Fiction-Geschichten. Das Bild zeigte das Innere der Herm-Bar auf der Penetiker-Promenade in Peniscilis-City, der Hauptstadt von Peniscilis, jenes Kaiserreiches auf dem Saturn, über das er in seinen Geschichten herrschte. Die Bar war gleichzeitig ein Musik-Club. Äns in voller Kaisermontur und ich schmissen gerade einen Gig auf der Bühne. Er stand am Mikrophon, sang und spielte auf seinem erigierten Penis Gitarre. Ich war der Drummer der außerirdischen Zwei-Mann-Combo. Über meinen Knien lag eine nackte Frau. Ich spielte auf ihrem Gesäß das Schlagzeug.
Ein Fan im Publikum rastete vor Begeisterung über die Darbietung völlig aus. Es war ein Angehöriger einer außerirdische Rasse namens Reichsherme. Sie sahen im Großen und Ganzen aus wie Männer von der Erde. Nur mit dem Unterschied, dass sie alle eine Hitlerfrisur und einen Hitlerbart trugen. Und das Wesentlichste: Statt einer Nase hatten sie ein riesiges Hakenkreuz im Gesicht, das aus vier Penen bestand. Mit diesem Hakenkreuz begann das Wesen vor Ekstase über die Musik zu masturbieren.

Das wiederum ließ mich daran erinnern, wie Wilhelm zu unseren Schulzeiten mal einen Witz gerissen hatte, der ebenfalls von Äns hätte stammen können.
In Physik hatte Lustig uns irgendeine technische Zeichnung an die Tafel gemalt. Ein Teil davon sah aus wie zwei Besen, die zueinander standen.
Wilhelm raunte daraufhin Johannes zu, was ich auch mitbekam: "Das ist eine Wichsmaschine. Die habe ich erfunden. Warum soll so etwas nicht auch automatisch gehen?"
Hätte, wie gesagt, von Äns stammen können.

Im Fernsehen wurde jetzt wieder regelmäßig am Wochenende Schnatterinchen, die Handpuppen-Ente des seinerzeitigen DDR-Fernsehens, gesendet. Die Frau, in die ich mich mit drei Jahren als erste verliebt hatte. Ich glaube, bei der bleibe ich.

Es ist Halloween. Ich bin am Überlegen, in der Stube Bilder von den Lehrerinnen von der Hauptschule Kastanienberg und den Retzer Heimweh-Weibern aufzuhängen. Denn noch mehr Grusel gibt es nicht!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Allmählich neigte sich das Jahr auch schon wieder dem Ende zu. Die erste Vorweihnachtszeit seit vielen Jahren ohne ein größeres Projekt im Nacken empfand ich als besonders erholsam.

23. November.
Als ich nach Feierabend einkaufen ging, bemerkte ich, dass im INTERSPAR in der Sandleitengasse der Adventschmuck hing.
Im Laden kaufte ich einen entsprechend großen Vorrat Wachskerzen für die nächsten vier Wochen.

26. November.
Gegen Abend war ich auf dem Adventmarkt vor dem Schloss Schönbrunn. Ich aß ein G'röstl. Danach trank ich einen Beerenpunsch beim Stand der Familie Fürstel. Außerdem kaufte ich zwei kleine Weihnachtszwergfiguren.

27. November.
Erster Advent. Ab diesem Tag brannten wir am Abend zum Essen wieder eine Stunde lang die Kerzen an und legten CD's ein. Jeden Tag im Wechsel eine andere: verschiedene Chöre aus dem Erzgebirge, eine Aufnahme aus der Dresdner Frauenkirche, CD-Versionen verschiedener alter DDR-Weihnachtsliederplatten, eine Platte mit erzgebirgischen Bergmannsmärschen und Frank Schöbels "Weihnachten in Familie". Auch wenn Letzteres für einen Bildungsbürger wie mich vielleicht ein bisschen Marianne-und-Michael-mäßig war, weckte es doch nostalgische Erinnerungen an frühere Zeiten.

28. November.
Auf dem Nachhauseweg von der Arbeit kam ich an einem kleinen Kunsthandwerksgeschäft im 12. Bezirk vorbei. Dort entdeckte ich im Schaufenster zwei kleine Engelchen im Erzgebirgsstil von haargenau der Machart, wie sich eines seit bestimmt 40 Jahren im Besitz unserer Familie befand. Ich natürlich gleich rein in den Laden und die beiden gekauft!

30. November.
Heute wurden in der Stadt überall die Weihnachtsbeleuchtungen eingeschaltet.

2. Dezember.
Erster Schnee. Das erste Mal im Werksverkauf der Firma Manner. Ich kaufte mehrere Casali-Kästen im weihnachtlichen Design, da ich das Zeug ziemlich gern esse.

3. Dezember.
Heute war ich im Gewerbegebiet Aufhof im 14. Bezirk. Unterwegs fuhr ich durch verschneiten Wienerwald.
Als ich wiederkam, berichtete "Hier ab vier" auf MDR über den mittelalterlichen Weihnachtsmarkt auf der Wartburg. Hat uns sehr gut gefallen!

4. Dezember.
Am Nachmittag ging ich über den Christkindlmarkt auf dem Rathausplatz, wo ich einen Eierlikörpunsch trank. War sehr gut. Außerdem kaufte ich eine kleine hölzerne Nussknackerfigur aus dem Erzgebirge.

5. Dezember.
Am Abend fiel mir auf, dass vor dem INTERSPAR Sandleitengasse und auf dem angrenzenden Nietzscheplatz der Weihnachtsbaumverkauf wieder begonnen hatte. Eine Firma irgendwo draußen aus Niederösterreich machte das jedes Jahr.
Beim Heimgehen bemerkte ich dann auch den Weihnachtsbaumverkauf beim ÖBAU Fetter.

6. Dezember.
Nikolaus. Ich bekam "After Eight" und "Pocket Coffee".
Gunter Tiersch war immer noch der Wettermann auf ZDF. Ich erinnerte mich, wie wir damals 1989, vor inzwischen bald 30 Jahren, seine ersten Auftritte mitverfolgten. Es war die Zeit der großen politischen Umbrüche, als wir jeden Abend die Nachrichten mit besonderer Intensität verfolgten. Äußerlich hatte er sich seit damals kaum verändert.
Am Abend brachten sie ab 20:15 Uhr auf MDR "Die schönsten Weihnachtsbräuche", moderiert von Gunther Emmerlich.

8. Dezember.
Heute Abend sah ich auf MDR in der Reihe "Lebensläufe" eine sehr interessante Dokumentation über Johanna Amalie von Elterlein, die als erste die Strophen der erzgebirgischen Weihnachtshymne "Heiligohmdlied" zu sammeln begann.

10. Dezember.
Als es schon dunkel war, fuhr ich zum Adventmarkt vor der Mariahilfer Kirche. Ich trank dort ein Glas Glühwein. Auch in die Kirche sah ich kurz rein.

11. Dezember.
Heute Nachmittag fuhr ich mit der Buslinie 46B den Wilhelminenberg hinauf, da sie im "Europahaus des Kindes" ganz am Ende der Gallitzinstraße einen "Weihnachts- und Bücherflohmarkt" veranstalteten. Schon die Hinfahrt durch den winterlich verschneiten Wald des Wilhelminenberges kurz vor Sonnenuntergang war sehr sehenswert.
Oben angekommen, bot sich ein sehr guter Blick über die Stadt, an deren Horizont gerade die Sonne unterging.
Im Haus trank ich einen Punsch.
Hinterher ging ich dann – schon bei Nacht – die winterlich verschneite, äußerst baumreiche Gallitzinstraße hinab. An etlichen Häusern befand sich Adventsbeleuchtung.

13. Dezember.
Als ich heute mit dem Bus über die Pilgrambrücke fuhr, sah ich auf der Seite Richtung Naschmarkt jemand am Beginn der Brücke bei der rechten Wienzeile Tannenbäume verkaufen.
Am Abend brachten sie auf MDR ab 21:15 Uhr: "Die Spur der Schätze: Unsere Weihnachtslieder". Zutiefst berührt war ich von einem Bericht über die Entstehung des Liedes "Sind die Lichter angezündet". Sie hatten dafür unzählige Filmaufnahmen von Kinderchören seit der ersten konzertanten Aufführung Ende der Fünfziger Jahre zusammengeschnitten. Das Lied war stufenlos zu hören, nur die Aufnahmen von Kinderchören machten eine Zeitreise von damals bis in die unmittelbare Gegenwart.

15. Dezember.
Heute war ich beruflich mit der Straßenbahnlinie 10 unterwegs. Ich registrierte Weihnachtsbaumverkaufsstellen auf dem Joachimsthalerplatz, in der Steinbruchgasse, bei der Pfarrkirche Breitensee, in der Reinlgasse und auf dem Schwendermarkt.

17. Dezember.
Am späteren Nachmittag war ich zum Weihnachtsmarkt im Save-Tibet-Büro in der Lobenhauerngasse 5 im 17. Bezirk.
In der MDR-Vorabendserie "Unsere köstliche Heimat" stellten sie das bekannte erzgebirgische Heiligabendessen "Neinerlaa" vor.

18. Dezember.
Am Nachmittag übertrugen sie auf MDR wieder die traditionelle Weihnachtssendung "Bergparaden und Lichterglanz im Erzgebirge", wo sie von verschiedenen Bergparaden berichteten, die jetzt um diese Zeit im Erzgebirge stattfanden. Verpassen wir in keinem Jahr!

21. Dezember.
Winteranfang.
Gegen Abend ging ich auf den Adventmarkt im Alten AKH. Ich aß eine Waffel mit Schokoladensauce und Eierlikör.

22. Dezember.
Am frühen Morgen ging ich in die Rorate-Messe in der Alt-Ottakringer Kirche. Die Lesung war die Geschichte vom Samuel.
Am Nachmittag – bei uns im Institut waren ab Mittag schon Weihnachtsferien – ging ich ins Café Zahrada in der Nisslgasse. Hinterher aß ich noch ein Schmalzbrot auf dem Adventmarkt vor dem Schloss Schönbrunn.

23. Dezember.
Am Morgen sah ich mir die Lebkuchendorf-Ausstellung in der Bäckerei Schwarz auf dem Otto-Bondy-Platz 4 im 12. Bezirk an. Die Tschertegasse, wo ich ausstieg, war völlig verschneit!
Ab 17:00 Uhr kam auf MDR eine Sache, auf die ich mich sehr gefreut hatte, und zwar die Live-Übertragung der jährlichen Weihnachtsvesper vor der Dresdner Frauenkirche. An dem Ereignis im Freien nahmen schon bis zu 350.000 Gäste teil.
Weihnachtlich ging es am späteren Abend auf MDR weiter mit "Gloria in excelsis deo. Festliche Musik zur Weihnachtszeit aus dem Erzgebirge". Kommentarlose Kamerafahrten durch das weihnachtliche Mitteldeutschland, unterlegt von traditionellen Weihnachtsliedern, vorgetragen von Chören aus der Gegend.

24. Dezember.
Fernsehmäßig begann der Tag um 10:00 Uhr mit der DDR-Verfilmung der "Weihnachtsgans Auguste".
Ab dem späteren Nachmittag wieder die Klassiker: "So klingt's bei uns im Arzgebirg", dann die "Lieder zum Fest" mit Evelyn Fischer, und schließlich die Weihnachtssendung vom Bayerischen Rundfunk.
Im Hauptabendprogramm kam auf ZDFneo die Weihnachtsfolge von "Wilsberg", die trotz ihres vergleichsweise jungen Alters mittlerweile schon fast so zum Fest gehört wie "Dinner for One" zu Silvester.
Und schließlich, und schließlich … aus Leipzig … ich freute mich immer beinahe ein ganzes Jahr darauf: Bachs Weihnachtsoratorium!

25. Dezember.
Über die Festtage brachten sie auf MDR die Verfilmung der Stülpner-Legende mit Manfred Krug in der Hauptrolle.
11:00 Uhr ging es auf RBB weiter mit einem Weihnachtsklassiker, ohne den das Fest so wie das Weihnachtsoratorium am Abend zuvor ebenfalls kein Fest war: "Zwischen Frühstück und Gänsebraten".
Gleich danach auf MDR: "Der Osten – Entdecke wo du lebst: Christbaumschmuck aus Lauscha – Illusionen aus Glas".
Ab 15:30 Uhr auf gleichem Sender: "Von Salz und Silber. Advent mit den Halloren".
Und direkt im Anschluss ab 16:00 Uhr: "Der Dresdner Kreuzchor feiert Weihnachten".

26. Dezember.
Ab 14:45 Uhr brachten sie auf dem "Haussender" "Auf schmaler Spur", die Eisenbahnsendung, die immer zu Festtagen im Jahr kam.
Beendet wurden die Festtage schließlich im Hauptabendprogramm des MDR mit der Weihnachtssonderausgabe von "Damals war's" mit Hartmut-Schulze Gerlach.

Silvester.
Der Tag begann Um Acht mit einer Folge der MDR-Serie "Unsere köstliche Heimat" über die Silvesterkarpfen des Halleschen Anglervereins e.V..
Später liefen auf MDR dann alte Silvesterfolgen von "Ein Kessel Buntes".
Bereits am frühen Nachmittag begann ich meine Fisch-Käse-Platten für den Abend zurechtzumachen. Ich hängte Girlanden im Zimmer aus, stellte kleineren Silvesterschmuck auf den Tisch.
Ab 17:00 Uhr übertrug MDR wieder die Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie aus dem Leipziger Gewandhaus, eine Tradition seit vielen Jahrzehnten.
Zum Abendessen, das sich bis Mitternacht erstreckte, kam dann noch die Bowle nach unserem alten Familienrezept hinzu.
Rechtzeitig vor Mitternacht öffnete ich die Sektflasche aus dem Supermarkt. Ich ging dazu vorsichtshalber auf den Flur hinaus, da ich stets Angst hatte vor dem, was dabei passieren könnte. Zwei Türen weiter betraten gerade Gäste die Wohnung der exjugoslawischen Familie. Musik erklang, als geöffnet wurde. Die jungen Leute feierten Party.
Eine Viertelstunde vor Mitternacht schalteten wir wie gewohnt um auf ORF 2. Der "Silvesterstadl" lief noch.
Schließlich setzte das obligatorische Herunterzählen ein. Wir stießen mit unseren Sektgläsern an. Im Fernsehen läutete die Pummerin das neue Jahr ein. Gleitender Übergang zur Neujahrs- Balletteinlage, untermalt vom Donauwalzer der Wiener Philharmoniker.
Als die Darbietung vorüber war, stieg ich die Treppen zum zweiten Stock hoch, um das Feuerwerk über den Dächern der Stadt mitzuverfolgen.
Die ersten Stunden des neuen Jahres brachten sie auf irgendeinem Kanal nonstop Disko-Kracher aus den Siebziger und Achtziger Jahren. Das neue Jahr fing also gut an.
Der nächste Morgen begann mit einer schönen, alten DDR-Komödie von 1982: "Frühstück im Bett". Und am Vormittag sahen wir uns dann wie jedes Jahr das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker an.

Wieder war Frühling. An einem sonnenreichen Sonnabend Nachmittag ging ich die Dornbacher Straße im angrenzenden 17. Wiener Gemeindebezirk Richtung Ortsausgang, um unterwegs die Frühblüte zu beobachten. Ich erinnerte mich, wie wir damals in den Achtziger Jahren im Frühjahr in Kastanienberg um diese Jahreszeit manchmal in den Stadtgraben gegangen sind.

Sommer.
Als ich munter wurde, wunderte ich mich, warum ich so hart lag. Auch der Verkehrslärm und die zahllosen Stimmen irritierten mich. Doch für den Moment schob ich diese Fragen beiseite. Ich war einfach noch zu müde, um schon aufzuwachen.
Irgendwann, ich wusste nicht, wie viel Zeit dazwischen vergangen war, bemerkte ich, dass sich unter mir der Asphalt befand. Doch noch immer war ich zu müde, um darüber irritiert zu sein oder in Panik zu geraten.
Doch jeder Schlaf geht irgendwann einmal zu Ende. Irgendwann richtete ich mich schlaftrunken auf, stützte mich dabei mit den Händen auf den Boden ab.
Ich befand mich auf dem Praterstern in Wien. Unter dem riesigen, durchsichtigen Vordach vor dem Eingang zum Nordbahnhof, das sich über den parallel laufenden Straßenbahnhaltestellen ausbreitete. Dort wo die osteuropäischen Penner den ganzen Tag sturzbetrunken auf dem Boden lagen.
Der erste einigermaßen klare Gedanke, den ich fassen konnte, fiel daher auch ziemlich zynisch aus. Du bist ganz schön tief gesunken, dachte ich beim Anblick meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Wenn mich so jetzt einer meiner alten Klassenkameraden aus Deutschland sehen könnte.
Ich war vollkommen desorientiert. Ich hatte keine Ahnung, welche Uhrzeit gerade war. Die Sonne schien hell und brannte heiß. Dem Sonnenstand nach zu urteilen musste Nachmittag sein.
Eigenartigerweise geriet ich immer noch nicht in Panik. Ich war von der Situation einfach nur vollkommen überfordert.
Ich hatte nach wie vor das Bedürfnis, mich erholen zu müssen. Mehr instinktiv als bewusst robbte ich mit abgestützten Händen hinter dem Rücken nach hinten. Solange, bis ich das Schutzgitter erreicht hatte. Hier lehnte ich mich zurück und schloss erst einmal wieder die Augen. Mein Kopf fühlte sich ungefähr so an, als ob ich eine Nacht sehr schlecht geschlafen hätte.
Während ich die Augen geschlossen hatte, trat langsam die Frage in den Vordergrund, die für den Moment die alles entscheidende war: Wie zum Teufel kam ich hierher?
Ich hatte einen vollkommenen Blackout. Ich wusste nicht, was ich in den Stunden zuvor getan hatte. Nicht, wie ich hier hergekommen war. Nicht, wie was ich hier vorhatte.
Ich dachte zunächst an einen erneuten Schlaganfall. Doch alle Beweglichkeitsgrade schienen zu funktionieren. Auch mit dem Sprachvermögen schien alles in Ordnung zu sein.
Ich hatte keine Ahnung, eine wie lange Zeit ich sitzend an das Schutzgitter gelehnt im Halbschlaf zugebracht hatte, bis ich versuchte aufzustehen. Ich hielt mich dafür an dem Gitter fest und zog mich daran hoch.
Ich schwankte zunächst, als ich mich wieder auf meinen Füßen befand.
Vorsichtig versuchte ich danach, ein paar Schritte zu laufen. Auch dies war nur unter heftigen Schwankungen möglich.
Plötzlich griff ich mich ganz instinktiv an die Brusttasche meines Oberhemdes. Ich spürte, dass sich mein Portemonnaie noch darin befand.
Ich zog es heraus, öffnete es. Alles Geld und meine Monatskarte von den Wiener Linien befanden sich noch darin. Einen Raubüberfall konnte ich also auch ausschließen.
Schwankend, noch immer mit ganz kleinen Schritten, bewegte ich mich in Richtung der Straßenbahnlinie 5, um nach Hause zu fahren.
Ganz langsam kehrten auch Erinnerungsfragmente zurück. Ich war im Prater, tauchten erste Bilder an die Geschehnisse der letzten Stunden zurück. Dort wollte ich ein Bier trinken. Danach riss der Film ab.
Allmählich dämmerte es mir. Das alles konnte nur eines heißen: Jemand hatte mir K.o.-Tropfen ins Glas gemacht und mich anschließend hier abgeladen. Jemand wollte mir eine Lektion erteilen, die ich nicht so schnell vergaß …

Es begann schon mit der Veröffentlichung meines ersten Projektes, des "Männerhassbuches", vor fünf Jahren, als ich aufgrund einer "Geistervergewaltigung" buchstäblich von einem Tag zum anderen das Land verlassen musste. Ich war damals so neurotisch, dass ich in jedem meiner Quartiere einen anderen Falschnamen angab. Christoph Altrogge, alias Norbert Röttger, alias Jürgen Esser, alias Professor Siegfried Hauser, alias Dragan Plevic, alias Arameel Chons. Bei den letzten beiden Scheinidentitäten war ich Kroate und Israeli.
Ist ja auch irgendwie verständlich, ein solches Verhalten. Du wirst ja schließlich nicht alle Tage als Vergewaltiger durch etliche Länder gejagt. Dabei bin ich seit meinem Schlaganfall ein solches gesundheitliches Wrack, dass ich nicht einmal dem Stress eines einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs gewachsen wäre.
Bis zum heutigen Tage kenne ich …
… nicht den Namen meines angeblichen Opfers (Ich weiß also nicht einmal, ob sie überhaupt mein Typ gewesen wäre.),
… nicht den Tatort,
… nicht den Tatzeitpunkt.
Das ist irgendwie schon höhere Quantenphysik. Die Quantenmechanik kennt die so genannte "spukhafte Fernwirkung" zwischen Quantenteilchen. Wahrscheinlich gibt es daher auch so eine Art "spukhafte Fernvergewaltigung". Anders kann ich mir das mittlerweile nicht mehr erklären.

Als ich 37 war, lernte ich Kusama kennen. Sie kam in meinen Computerkurs, war gelernte Bauzeichnerin, stammte aus Tschetschenien. Entfernt erinnerte sie mich ein bisschen an die spanisch-deutsche Sängerin Aurora Lacasa, die zu DDR-Zeiten etliche musikalische Erfolge hatte. Auch wenn es ganz und gar gegen meine Prinzipien verstieß, etwas mit einer Teilnehmerin anzufangen und die Tatsache, dass sie drei Jahre älter war, vielleicht etwas ungewöhnlich – bei ihr machte es mir einfach Spaß, sie in den Armen zu halten!
Was sich dann allerdings nach ein paar Monaten abspielte, war zunächst einmal ein Faustschlag ins Gesicht. Und gleichzeitig hatte die Situation auch ihr Gutes, denn sie bewies nun endgültig: Ich war nicht verrückt. Ich bildete mir all diese merkwürdigen Ereignisse nicht bloß ein. Auch Hemingway hatte man lange Zeit für verrückt erklärt, als er behauptete, vom FBI überwacht zu werden. Bis dann eines Tages die entsprechenden Akten geöffnet wurden.
Ein schöner Herbsttag im Oktober. Mit ihrem Wagen waren wir irgendwohin ins Freie vor den Stadtgrenzen von Wien gefahren.
Nach etlichem Herumdrucksen gestand sie mir schließlich, dass sie Geld dafür erhalte, regelmäßig Berichte über mich abzuliefern.
Nur noch irgendwie entfernt, wie durch eine Glasscheibe, bekam ich danach noch von ihr mit, dass man mich inzwischen als einen der führenden Köpfe der Maskulistenszene in Österreich einstufe und man daher interessiert sei, von meinen Plänen beziehungsweise denen meiner Maskulistenkollegen zu erfahren.
Nachdem sie mich jedoch näher kennengelernt habe, könne sie dieses Doppelleben einfach nicht mehr weiterführen.
Wooooooooooooooooooooow!
Das war erst einmal ein Schlag in die Magengrube!
Und – es hätte kein verdammter Drehbuchschreiber vom Fernsehen kitschiger gestalten können: Genau in dem Augenblick erklang im Autoradio "The Power Of Love" von "Frankie Goes to Hollywood". Ich hatte wirklich das Gefühl, als wollte mich irgendeine höhere Macht verhöhnen. Als wollte sie sich weiden an der Dummheit dieses Idioten, der genau in die Falle reingelatscht war, die man ihm ausgelegt hatte. Kommentarlos verließ ich das Auto. Ich muste erst einmal tief durchatmen.

Im Jahr 2014 gab es einen Internet-Shitstorm gegen meine liebe, alte Freundin Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. Der Auslöser war der, dass seit 2011 eine Textzeile der österreichischen Bundeshymne offiziell "Heimat großer Töchter und Söhne" lautete. Der österreichische Volksmusik-Rock'n-Roll'er Andreas Gaballier sang beim Grand Prix von Österreich im steirischen Spielberg jedoch demonstrativ die historische Version der Hymne.
Heinisch-Hosek ließ daraufhin einen Youtube-Video-Clip von sich produzieren, in dem sie ein Schild nach dem anderen in die Kamera hielt, auf welchen die ihrer Meinung nach richtige moderne Version des Textes zu lesen stand. Vermutlich kam da ihre berufliche Vergangenheit als Lehrerin bei ihr durch.
In nicht einmal 24 Stunden hatte sich im Kommentarbereich unter dem Video eine Debatte mit über 14.000 Meinungen entsponnen, viele mit sexistischen Bemerkungen und Beleidigungen. Die krassesten Sachen seien Morddrohungen gewesen.
Okay, dieser Ausbruch war weit überzogen. Ich selbst hatte für mich die Aktion der Ministerin amüsiert unter der Rubrik Jeder-macht-sich-so-gut-lächerlich-wie-er-kann abgelegt.
Aber worauf ich hinaus wollte: 14.000 Statements, ich wiederhole, 14.000 (!), überwiegender Teil davon Angriffe, sind im Internet scheinbar nichts so Ungewöhnliches bei einer Person in ihrer Funktion. Wie gesagt: 14.000! Und da machte sie damals wegen einer launigen Bemerkung von mir auf ihre Kosten einen solchen Zinnober, dass ich der gegenwärtig gefährlichste Terrorist Österreichs bin und plane, mit einem ganzen Freischärler-Kommando Männerrechtler ihre Veranstaltungen auseinanderzunehmen? DA STIMMT DOCH ETWAS VORNE UND HINTEN NICHT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! HABEN DIE SOVIEL ANGST VOR MEINER POLITISCHEN AUFKLÄRUNGSARBEIT??????????????????????????????
Und noch etwas. Wie sie sagte, stünde der von ihr organisierte Anti-Männerrechtler-Kongress wegen mir unter schwerstem Polizeischutz.
Gehen wir die Sache mal ganz logisch durch. Die von der Polizei sind doch nicht dämlich. Bevor die das ganz große Besteck rausholen, checken die doch erst einmal die tatsächliche Bedrohungslage ab. Das kennt man doch inzwischen aus hunderttausend Krimis, dass bei jedem größeren Einsatz die Kosten gerechtfertigt werden müssen! Wir alle wissen doch, wie bei so etwas der ganz normale Ablauf aussieht. Angenommen, irgendjemand geht zur Polizei mit einem Ausdruck von meiner Internet-Meldung, wo ich geschrieben habe, was wohl die Damen Feministinnen davon hielten, wenn wir Männerrechtler auf dem Kongress von der Heinisch-Hosek mal genauso Bambule machen wie es jedes Mal die Emanzen auf einer Maskulisten-Veranstaltung tun. Dann käme heraus, dass ich in keiner Datenbank zu finden bin, dass ich bisher weder normal strafrechtlich noch politisch extremistisch in Erscheinung getreten bin. Oder wie es in Krimis immer so schön heißt: Nicht einmal ein unbezahlter Strafzettel. Jeder Neuling frisch von der Polizeischule würde daher nach maximal einer Viertelstunde des Durchleuchtens meines Hintergrundes dem Beschwerdeführer erklären: "Das ist ein Maul-held, der gern mal den Mund ein bisschen voll nimmt."
Aber trotzdem hat Frau Heinisch-Hosek ihre Polizeihundertschaft bekommen, damit nicht der böse Christoph auftaucht und mit einer Erbsenschleuder eine Fensterscheibe einschießt. Demzufolge müssen doch entweder sie oder jemand aus ihrem Umfeld der Polizei die wüstesten Horrorgeschichten über mich aufgetischt haben. Und da frage ich mich: Wieso tun die das? Wieso bauschen die mich künstlich zu einem terroristischen Phantom auf? Brauchen die irgendein zusammenschweißendes Feindbild mit starker Symbolwirkung, damit sie hinterher umso brutaler zuschlagen können? Bin ich für die eine Art Marinus van der Lubbe, ein Herschel Grynszpan, ein Lee Harvey Oswald?
Objektiv könnten sie mir doch viel mehr Schaden zufügen, indem sie mich einfach totschweigen. Darauf spekulieren, dass ich mangels öffentlichen Echos die Sache irgendwann einfach einmal frustriert hinschmeiße. Aber nein, sie bauen mich zu einem regelrechten Mythos auf!
Eigenartig auch, wie die Pressesprecherin Heinisch-Hoseks in einem Interview mit dem "Kurier" sagte, man versuche gegenwärtig, die Lage nicht noch weiter eskalieren zu lassen. (http://kurier.at/chronik/niederoesterreich/ministerin-auf-poster-als-ss-scherge-dargestellt/18.844.684#diskussion, vorletzter Abschnitt. Erstellt am 12. 07. 2013, 06:05.)
Neville Chamberlain reist nach München, um Adolf Hitler zu besänftigen! Als hätte ich mit den Terrortruppen des Maskulistischen Staates bereits halb Österreich überrannt und würde nun von Schwechat und Korneuburg aus zum Sturm auf Wien ansetzen! Als wäre es nur noch eine Frage von ein paar Wochen, bis General Ludendorff und ich mit gezückten Pistolen die Treppen von ihrem Frauenministeriums-Palais hoch rennen und sie festsetzen.
VERRÜCKT! Das ist verrückt!
Aus dem Artikel ging außerdem noch hervor, dass der "Kurier" bei der Österreichischen Männerpartei nachgegrast habe, ob sie hinter dieser "geplanten Aktion" stehe. Man gab zur Auskunft, dass sie nichts damit zu tun habe. Irre! Das ist so abgefahren, als ob Hitchcocks Dritter Mann es mit Emmanuel Goldstein treiben würde und Jason Bourne käme dadurch zur Welt!
Und bei all diesen   n a c h p r ü f b a r e n   Fakten soll mir noch einmal jemand sagen, ICH würde unter Verfolgungswahn leiden!

Auch die Sache mit dem Plakat, auf dem die Frau Ministerin in Nazi-Uniform dargestellt wurde – das war nicht ich. Ich habe mich zwar irgendwie geehrt gefühlt, dass man mir so eine hammerharte Aktion zutraut, aber da will ich mich überhaupt nicht mit fremden Federn schmücken, auch wenn das leicht verdientes Geld für einen selbst gestrickten Mythos um meine Person wäre.
Nein, ich hätte etwas Anderes gemacht. In einer Version hätte ich die Frau Ministerin zur Borg-Königin von "Raumschiff Enterprise" gemacht. Sie Bild füllend in der Bildmitte. Rings um sie herum lauter roboterhafte, im Gleichschritt marschierende Männer, die zu Conchita Würsten assimiliert wurden. Als Titel: "Wir sind die Borginnen und Borg! Sie werden assimiliert! Widerständinnen und Widerstände sind zwecklos!"
Und in der zweiten Version hätte ich sie in eine sexy Lack-und-Leder-Nazi-Kluft im Stil der Siebziger-Jahre-Nazi-Pornofilme gesteckt. Hier mit dem Titel: "Gabi, She Wolf of the Gender Terror".
Oder ich hätte sie in den Lack-und-Leder-Body einer Domina gesteckt und ihr eine Peitsche in die Hand gegeben. Überschrift: "Die Geschichte der G.".

Es war nicht das erste Mal, dass man mir von feministischer Seite her sehr viel mehr Macht und Einfluss in der Männerrechtsbewegung zuschrieb, als ich tatsächlich innehatte. Der deutsche Soziologe Robert Claus von der SPD-nahen Berliner Friedrich-Ebert-Stiftung etwa stellte in seiner Studie über die Männerrechtsbewegung "Maskulismus Antifeminismus zwischen vermeintlicher Salonfähigkeit und unverhohlenem Frauenhass" ganz private Aussagen von mir zu diesen und jenen Themen als hochoffizielle "Presseerklärungen" der Männerbewegung dar. Man kann sich dieses Schundwerk aus dem Internet herunterladen und dort über die Suchbegrifffunktion meinen Nicknamen "Kurti" eingeben. Wie gesagt: Einige ganz private Gedanken, die ich mal im WGVDL-Forum hinterlassen hatte, sind dort vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen in einer Weise wiedergegeben worden, die den Eindruck erweckten, als wäre ich der Chefideologe einer europaweiten faschistoiden Untergrundbewegung. So eine Art männerrechtlerischer Alfred Rosenberg.
Es ehrt mich zwar irgendwie, für einen dementsprechenden "Gröfaz" gehalten zu werden. Nachdem einem in der Bundesrepublik Deutschland als Hauptschulabsolvent pauschal der Intelligenzquotient von Quietschpappe zugeschrieben wird, tut ab und zu das Gegenteil mal ganz gut; da ist der Ruf als dämonischer James-Bond-Schurke, der einen ganzen europäischen Kleinstaat in Geiselhaft nimmt, als Curd Jürgens für Arme, schon ein wesentlicher sozialer Aufstieg. Dennoch ist das aber sehr weit von der Realität entfernt. Sehr weit!

Wenn ich all diese Dinge las, dann hatte ich absolut nicht das Gefühl, dass da von Christoph Altrogge die Rede war, sondern dass ich einen Bericht aus einem Geschichtsbuch vor mir hatte, der von irgendeinem politischen Hasardeur handelte, welcher kurz davor stand, sich in einem politisch instabilen Staat an die Macht zu putschen! Mit all dem konnte doch nicht ICH gemeint sein!
Ich erinnerte mich an die Kunstfigur des genial-größenwahnsinnigen Offiziers und kriminellen Geschäftsmannes Elkanah Bent aus "Fackeln im Sturm", der gegen Ende der Handlung die amerikanische Südstaatenregierung stürzen und sich selbst zum Diktator ausrufen wollte. So kam mir das eher vor! Aber MIT MIR hatte das doch nichts zu tun!
Oder um es mit einer Anspielung auf den Film "Das Leben des Brian" auszudrücken: Die Feministinnen stellen mich als die RAF dar. In Wahrheit bin ich jedoch die Maskulistische Volksfront!
Obwohl, wenn ich mir jetzt die politische Lage im Lande mit Alexander van der Bellen als Bundespräsident so ansehe … Ein greiser Staatspräsident, der den Laden nicht mehr wirklich im Griff hat, auf der einen Seite, auf der anderen Seite ein junger politischer Emporkömmling, der mit seinen brutalen Schlägerhorden die Grundfeste der Demokratie erschüttert – Freunde, erinnert uns das an etwas? ERINNERT UNS DAS AN ETWAS??? *Lachendes Emoticon.*

Damit wir uns richtig verstehen: Auch ich würde normalerweise jeden für Balla Balla halten, der von sich selbst behauptet: Die Regierung ist hinter mir her!
Aber wenn dann tatsächlich auf Youtube ein Video auftaucht, auf dem eine österreichische Bundesministerin einige äußerst merkwürdige Dinge über dich behauptet, wenn dich eine der größten österreichischen Tageszeitungen ebenfalls als Terroristen hinstellt, dann verschiebt das deine altgewohnten Parameter von Realität etwas …

Wieso laufen die alle wie ein aufgescheuchter Hühnerschwarm durch die Gegend? Im Gegensatz zu deren "Säulenheiliger" Valerie Solanas habe ich kein Buch mit dem Titel "Manifest zur Vernichtung der Frauen" geschrieben. Da bin ich im Vergleich dazu mit meiner Kernaussage, dass man aufmüpfigen Frauen ab und zu mal den Arsch versohlen muss, um sie wieder einzunorden, doch wesentlich moderater geblieben!

Paradox auch: Wenn ich etwas wirklich Verrücktes anstelle, dann tut mir keine Sau was.

Während meiner Schulzeit an der Handelsakademie reißzweckte ich einmal anonym und geheim eine Spaß-Petition einer angeblichen "Union sadomasochistischer Schüler" an den offiziellen Aushang unserer Schule. Darin wurde eine einseitige Orientierung liberaler Bildungspolitik vergangener Jahrzehnte beklagt, welche die Interessen sadomasochistisch veranlagter Schüler und Schülerinnen vernachlässigte. Kern des Flugzettels war eine Forderung, einen Passus in das Schulunterrichtsgesetz aufzunehmen, welcher es jedem sadomasochistisch veranlagten Schüler erlaubt, auf Wunsch eine angemessene körperliche Züchtigung durch ein Mitglied des Lehrkörpers seiner Wahl zu erhalten.
In einem Zettel gleich daneben nahm ich unseren unmittelbaren Schulnachbarn, Hauptschuldirektor Rrrrrrrrrrreinhard Grrrrrrrrrrruber, aufs Korn. Er hatte die Marotte, dass er jedes Mal fast ausrastete, wenn jemand über seinen heiligen Rasen vor dem Schulgebäude latschte.
In meinem Aushang erklärte ich daher den Hauptschulrasen offiziell zur Drogenkonsumationszone.
Ein paar Tage danach erfuhr ich, dass meine Züchtigungspetition ein paar Jungen an der Schule inspiriert hatte, ebenfalls Texte mit BDSM-Inhalten zu verfassen und in ihren Klassenräumen aufzuhängen. Beklopptheit besaß an dieser Schule einen sehr fruchtbaren Boden, das hatte ich ziemlich schnell spitz gekriegt. Insofern schien diese Schule auf mich als Schüler nur gewartet zu haben …

An der Handelsakademie wurde uns im Religionsunterricht mal die Frage gestellt, was wir tun würden, wenn wir erfuhren, dass wir nicht mehr lange zu leben haben.
Ich hatte schon damals die Angewohnheit, auf persönliche Fragen, welche ich generell als Grenzverletzung empfinde, prinzipiell nur mit völlig durchgeknallten Psychopathen-Statements zu antworten. Einfach um die Leute, die mich neugierig ausschnüffeln wollen, die Suppe dahingehend zu versalzen, sie dahingehend zu frustrieren, ihnen gezielt das Leben schwer zu machen, dass aus mir nichts rauszubringen ist außer lauter Scheiß, um es mal ganz brachial auszudrücken. Und so sagte ich ohne groß zu zögern: "Alle abknallen, die mich schlecht behandelt haben!"
Das war von mir zu hundert Prozent als sehr schwarzhumoriger Scherz gedacht. Allein schon am Technischen wäre das gescheitert. Ich hatte im ganzen bisherigen Leben ein einziges Mal im Alter von 13 Jahren als Gastmitglied bei der GST auf Ringe geballert. Meine Waffenkenntnisse lagen also irgendwo zwischen Null und Zero. Mit einem Gewehr in der Hand hätte ich mir als Erstes wahrscheinlich in den eigenen Fuß geschossen.
Bald darauf war die Sage von meiner angeblichen Todesliste – welche zu keinem Zeitpunkt existierte – an der Schule herum.

Während der Sportwoche im tschechischen Otrokovice zu Schulzeiten habe ich entlang der Ränder des Tennisplatzes mehrfach auf meinem Tennis-Racket Gitarre spielend Chuck Berrys Duck Walk imitiert.

In einem Kulturzentrum in Wien habe ich mal zwei junge Inderinnen an ihren langen Seitenzöpfen aneinandergebunden. Sie lachten bloß die ganze Zeit über dazu.

Der kleine Flur im größeren Schulgebäude, der direkt unter der Terrasse vorm Lehrerzimmer lag, war von der Architektur her ziemlich düster. Manchmal, wenn ich dort zu tun hatte und ich hörte, dass jemand kam, stellte ich mich völlig reglos in eine besonders dunkle Ecke zwischen zwei Eingängen, und gab keinen Ton von mir. Entsprechend groß war das Erschrecken bei dem Ankommenden, dass da plötzlich eine reglose Gestalt im Dunkeln stand und ihn anstarrte!

Ans Finanzamt habe ich mal in voller Absicht genau einen Schilling zu wenig Steuern überwiesen, um zu sehen, was dann passiert. Es geschah nichts.

Jahre später hatte ich einmal während eines geistigen Aussetzers eine gleichlautende Mail an sämtliche der fünf im Nationalrat vertretenen Parteien sowie an das Büro des Bundeskanzlers und des Bundespräsidenten geschickt.
Betreff: "Der ABC-Mann hat wieder zugeschlagen!"
Inhalt: Zunächst sämtliche Zeichen auf der Tastatur auf der Ebene der Großbuchstaben.
Darunter nach einem Leerschritt sämtliche Zeichen auf der Ebene der Kleinbuchstaben.
Danach, wieder nach einem Leerschritt, sämtliche Zeichen auf der dritten Ebene.
Abgeschlossen habe ich die Mail mit einer saftigen Drohung: "Und morgen schicke ich das gesamte griechische Alphabet!"
Bis heute habe ich darauf keine Reaktion erhalten. Was bei soviel hirnverbranntem Schwachsinn auch nicht groß verwundert.
Äns lachte sich kaputt, als ich ihm damals von der Aktion erzählte. Diese Reaktion von ihm war so etwas wie das Stiftung-Warentest-Urteil "Sehr gut" in Sachen Psychopathie.

Einmal hatte ich mir ein tip-top Dienstzeugnis von einer angeblichen Wiener Niederlassung der Umbrella Corporation aus den "Resident Evil"-Filmen gefälscht und mich damit bei verschiedenen Firmen als Buchhalter beworben. Ich habe tatsächlich zwei Einladungen zu Bewerbungsgesprächen bekommen! Auf die ich dann allerdings nicht mehr reagiert habe, da ich den Bogen nicht überspannen wollte.

Ich gebe regelmäßig Wiener Bus- und Straßenbahnfahrern, wenn sie ihr Fahrzeug in der Station verlangsamen, das Autostopper-Signal.

Vor jedem Denkmal, vor dem ich mich fotografieren lasse, nehme ich exakt dieselbe Positur ein wie das Kunstwerk.

Als einmal in einem Supermarkt, in den ich sonst nicht ging, über Lautsprecher eine Durchsage gemacht wurde, starrte ich voller Angst in der Gegend umher. Schließlich fragte ich eine Verkäuferin: "Haben Sie diese Stimmen jetzt auch gehört???"

Am Empfang des ORF-Sendezentrums auf dem Küniglberg bestand ich einmal darauf, in die Sendeanstalt von ORF 2 zu wollen. Ich habe eine Einladung zu einer Show auf ORF 2 und müsse jetzt bitte unbedingt in das Gebäude von ORF 2.

Manchmal, wenn mich jemand mit "Morgen!" grüßt, antworte ich mit "Gestern!"

In einem Fahrstuhl zeigte ich auf die Taste für das Erdgeschoss und fragte, wieso da denn noch EG stehe, wo wir doch schon lange in der EU leben.

Einmal rief ich in einen Passbildautomaten, in dem gerade jemand saß, hinein: "Entschuldigung, ich müsste dann auch mal ganz dringend telefonieren!"

Während eines Backkurses in einer Volkshochschule in der Vorweihnachtszeit legte ich mir auf meinem Arbeitsplatz mal eine Linie aus Mehl und zog sie mir durch die Nase. Danach tat ich für ein paar Sekunden so, als ob ich vollkommen high wäre.

Auf Tierschauen beuge ich mich stets zu Hühnern in ihren Käfigen herunter und "unterhalte" mich mit ihnen, indem ich ihren langgezogenen Gesang imitiere. Die Angesprochenen starren mich dann stets fassungslos entsetzt an und zucken heftig mit dem Kopf. Ein paar nervenstärkere Hennen "antworten" mir sogar in dem gleichen Singsang. Vermutlich gut, dass ich nicht verstanden habe, was sie mir da auf Hühnerisch gesagt haben!

In einem Supermarkt wollte mir eine Kostprobenverteilerin mal so ein verrücktes, neumodisches Fruchtsaftgepansche anbieten, wo man sich wirklich nicht sicher sein konnte, was alles drin war. Ich lehnte ab mit der Begründung: "Der Arzt hat mir das Trinken verboten!"

Als ich einmal am 1. Mai auf dem Wiener Rathausplatz nach dem offiziellen Ende der Kundgebung mit auf der Tribüne vorm Rathaus war, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, einmal kurz "Achtung, Sprechprobe!" in das noch angeschaltete Mikrophon zu husten.
Ein paar SPÖ-Bundespolitiker in meiner Nähe guckten irgendwie irritiert, wussten anscheinend nicht, was da noch für ein Programmpunkt folgen sollte.

Kontrolleuren in Bus und Straßenbahn komme ich auf die obligatorische Aufforderung "Den Fahrschein, bitte!" manchmal mit dem Uralt-Gag: "Erlauben Sie mal, mein Herr! Kaufen Sie sich gefälligst selbst einen!"

Ich hatte schon ein paar Mal, wenn ich irgendwo schriftlich Angaben zu meiner Person machen musste, als Staatsangehörigkeit das fiktive Kaiserreich Peniscilis auf dem Saturn aus Äns' Science-Fiction-Geschichten genannt. Keinerlei Reaktionen von irgendjemandem. Spätestens bei der Staatsbürgerschaftsangabe Saturn hätte sich doch irgendjemand die Frage stellen sollen, ob mit mir alles stimmt. Nichts.

Ich kam mir fast schon vor wie die Kunstfigur Willi Winzig des deutschen Komödianten Heinz Erhardt, die aus beruflichen Gründen für verrückt erklärt werden wollte, stattdessen jedoch im sozialen Ansehen immer weiter stieg.
Wahrscheinlich könnte ich sogar mit einem weiß-orange gestreiften Verkehrskegel auf dem Kopf pudelnackig durch die Straßen rennen und dabei laut schreien: "Die Kommunisten kommen wieder! Die Kommunisten kommen wieder!" Das würde wohl im höchsten Fall als Ordnungswidrigkeit geahndet.
Wenn ich aber ANHAND VON ZITATEN AUS WISSENSCHATLICHEN STUDIEN eine Liste erstelle, wo im Alltag Männer alles diskriminiert sind – also die Aussagen stammen nicht einmal von mir, ich habe praktisch bloß abgeschrieben – dann gibt es massivste Zwangspsychiatrierungsversuche gegen mich. Den Unterschied begreife, wer will!

2017. Seit Monaten ist nun auch der Roman, die Hintergrundgeschichte zur Entstehung des Männerhassbuches, im Internet.
Das Telefon in der Stube klingelte. Der Stimme nach ein junger Mann mit osteuropäischem Akzent meldete sich. Ich merkte mir den Firmennamen nicht so schnell, bildet mir aber ein, dass irgendwie "Consulting" mit darin vorkam.
Ich wunderte mich ein bisschen, da ich mich bei einer Firma mit einem solchen Namen DEFINITIV NICHT beworben hatte. Denn sonst reagieren viele Firmen ja nicht einmal auf Bewerbungen von einem. Umso überraschter ist man, wenn eine Firma, zu der man gar keinen Kontakt aufgenommen hat, einem von sich aus hinterher telefoniert.
Der Anrufer fragte: "Sie suchen Arbeit als Buchalter?"
"Als Buchhalter, richtig. Ich habe erst kürzlich eine Prüfung 'mit ausgezeichnetem Erfolg' absolviert!"
Dann fragte der Anrufer, ob ich auch bereit sei, etwas Anderes zu tun.
"Kommt darauf an, müsste ich mir erst einmal anhören."
Der Anrufer erzählte dann, seine Firma beschäftige sich mit Finanzen. Im Rahmen dessen mache sie "auch ein bisschen Buchhaltung", wie es wörtlich hieß.
Was ist steuerrechtlich unter "ein bisschen Buchhaltung" zu verstehen??? An dem Tag muss ich im Kurs gefehlt haben, als wir das durchgenommen haben.
Daneben beschäftige sich die Firma mit Dateneingabe und Kundenberatung, hieß es weiter.
Nun entspann sich ein ziemlich langwieriges Hin und Her, da ich immer wieder nachhakte, was genau diese Firma denn im Bereich Finanzen tue. Finanzen sei ein sehr weiter Begriff, warf ich ein. Ich wollte daher genau wissen, was das in dieser Firma ganz konkret in der Praxis bedeutete.
Es wurde ein Ping-Pong-Spiel, der Anrufer geriet immer mehr ins "Faseln". Längst schon erschien mir die Sache als hochgradig unseriös.
Schließlich formulierte ich meine Anfrage in einem sehr primitiven Kindergartendeutsch: "Für welche Wirtschaftszweige regeln Sie die Finanzen? Ich nenne mal Beispiele: die Baubranche, Landwirtschaftsbetriebe, die Lebensmittelindustrie …"
Der Anrufer wurde jetzt vollends nervös und stotterte: "Ähem, das ist jetzt nicht wichtig. Das kann ich Ihnen erklären, wenn wir uns persönlich treffen. Ich habe auch nicht viel Zeit. Ich muss mich noch um etliche andere Bewerber kümmern." Was auch sehr unglaubwürdig war, weshalb er dieses Telefonat ausgerechnet an einem Tag führt, an dem er angeblich fürchterlich unter Stress steht wegen zahlreicher Bewerbungsgespräche.
Ich dachte: Soll ich hier in irgendeine Falle gelockt werden?
"Na, für mich ist das schon wichtig. Ich möchte ja etwas über meinen zukünftigen Arbeitgeber erfahren, bevor ich irgendetwas unterschreibe."
Hier zog der Anrufer nun die Reißleine: "Also, Sie wollen nur Buchhaltung machen?" Danach verabschiedete er sich.

Ein ähnlicher Anruf ein paar Wochen später. Diesmal nahm Mutter den Hörer ab.
Eine Frau mit hörbar falschem osteuropäischem Akzent meldete sich. "Kann irch mal Christoph Altrockä sprächän?" Mutter legte sofort auf. Wie ich erfuhr, habe die Frau ziemlich schlecht gelaunt geklungen.
Auch hier die naheliegende Frage: Wieso verstellt jemand die Stimme, wenn er oder sie mich telefonisch kontaktiert? Doch wohl nur jemand, der etwas Hinterlistiges im Schilde führt.
Warum versuchte sie nicht, mich ein zweites Mal zu kontaktieren, wenn sie mir unbedingt etwas mitteilen wollte?
Es war gut, dass Mutter rangegangen war. Damit mir niemand unterstellen konnte, ich würde mir all diese Vorkommnisse nur einbilden.

Wieder ein mysteriöses Jobangebot. Diesmal per Brief und von einem Mann aus Mariahilf hier in Wien. Ich solle angeblich irgendwelche journalistischen Ermittlungen für ihn übernehmen. Der Brief kam in meine Unterlagen, ansonsten reagierte ich nicht darauf.

Dreiviertel Zwölf in der Nacht. Ich saß noch vor dem Fernseher.
Plötzlich klingelte es an der Haustür. Zuerst empfand ich es ein wenig unheimlich, dass um diese Zeit jemand klingelte. Dann aber dachte ich, dass vermutlich mal wieder jemand aus dem Haus seinen Schlüssel vergessen hatte und jetzt irgendwo klingelte, um hereingelassen zu werden. Das war schon oft der Fall gewesen.
Ich stand aus dem Sessel auf und bewegte mich in Richtung Wohnungstür. Dort nahm ich den Hörer von der Gegensprechanlage ab und fragte vorsichtshalber erst einmal, wer da war.
Jemand mit ausländischem Akzent antwortete, ich verstand nur ein paar einzelne Wörter. Das dürfte jemand von den zahlreichen ausländischen Familien im Haus sein, die hier einziehen und ausziehen wie in einem Taubenschlag. Ich betätigte daher den Öffnerknopf.
Ich saß vielleicht zehn Minuten im Sessel, als es wieder klingelte. Diesmal an der Wohnungstür. Soll das ein Witz sein? dachte ich.
Ich sprang auf, bewegte mich abermals in Richtung Tür. Diesmal mit einem ziemlich flauen Gefühl in der Magengegend.
"Wer ist da???" brüllte ich.
"Pizzeria …" Den Namen verstand ich nicht.
Pizza??????? Um die Uhrzeit????????? Ich würde bis morgen Früh Samba tanzen! Das wäre so, als würde ich mir Methylamphetamin einwerfen.
"Ich habe keine Pizza bestellt!!! Verschwinden Sie!!!"
In fremdländischem Akzent war zu hören: "Doch, ich habe hier Pizza für Altrogge, XYZ-Straße 1234!"
Ich hatte keine Pizza bestellt. Und auch keiner meiner Bekannten würde mir einen derart bescheuerten Streich spielen. Keiner! Das hier war etwas Anderes. Der Typ wollte in die Wohnung rein …
Ich tat daher etwas, was ich für mich Den-Psychopathen-rauslassen nannte. Beziehungsweise meine Sergeant-Hartman-Nummer, nach dem psychopathischen Drill-Instructor aus "Full Metal Jacket". Ich konnte in Situationen, in denen es erforderlich war, im Kopf einen Schalter umlegen, der dafür sorgte, dass ich von einer Sekunde zur nächsten einen Menschen so abgrundtief hasserfüllt beschimpfen und anbrüllen konnte, dass jeder, der mich nicht kannte, mich für den unehelichen Sohn von Jack the Ripper und Hannibal Lector halten musste.
So war es auch jetzt wieder. Ich stieß die psychopathischsten und durchgeknalltesten Drohungen durch die geschlossene Tür. Solange, bis ich draußen keine Geräusch mehr vernahm.
Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und atmete erst einmal tief durch …
Die Schweine hier schrecken doch wirklich vor nichts zurück …

Was auch sehr, sehr merkwürdig war in dieser Zeit: Ich konnte mich plötzlich vor Verehrerinnen nicht mehr retten. Und wenn Frauen scheinbar ohne ersichtlichen Grund nett zu dir sind, dann gehen bei einem Mann mit Lebenserfahrung nun einmal die Alarmglocken an.

War auf einem Volksfest im 23. Bezirk. Bei einem Stand hatte ich mir einen Becher Bier geholt und war damit in ein Bierzelt gegangen. Ganz hinten standen Kopf und Kopf noch zwei Tische frei. Ich wählte diesen Platz, weil ich ein bisschen meine Ruhe vor dem volkstümlichen Humtata auf der Bühne haben wollte.
Ich sitze eine unbestimmte Zeit da, als ich plötzlich direkt neben mir etwas sich bewegen sah. Eine Frau setzte sich dicht an dicht neben mich hin. "Ich setze mich mal neben Sie hin", teilte sie mir mit. Sie fragte nicht, ob noch frei ist, sie schuf gleich vollendete Tatsachen. Etwas überrumpelt sagte ich: "Ja, ja, ist noch alles frei." Tatsächlich saß an den ganzen Tischen außer mir nach wie vor niemand. Aber trotzdem setzte sie mich hauteng neben mich.
"Wissen Sie, warum ich mich neben Sie gesetzt habe? Weil Sie hier gar so traurig dreinschauten." Menschenkenntnis wie ein Russenpanzer. Die vielgepriesene weibliche Empathie. Dass ich nicht lache. Ich fühlte mich nämlich ganz und gar nicht traurig in diesen Augenblicken. Eigentlich hatte ich an überhaupt nichts gedacht, an gar nichts. Dafür aber mein vordringlicher Gedanke während des Ereignisses: Sollte das etwa eine Anmache sein????? Wenn ja, dann sollte sie noch einmal zum Zelt hereinkommen und noch einmal bei Null anfangen. Dann aber mit einem Spruch wie: "Sagen Sie mal, kann es sein, dass Sie ein Verwandter von George Clooney sind?"
Uuuuuund dann begann sie mich vollzutexten. Ob ich jedes Jahr hier herkomme? Wie mir die Musik gefällt? Ich habe meistens nur mit "Hm" und "Ja" geantwortet. Irgendwann gab sie das Rennen auf.

Ein Volksfest im benachbarten 17. Bezirk. Stehe mit einem Glas Bier an einem Stehtisch beim Bierausschank. Gleich daneben die Bühne mit dem Show-Programm. Etliche Leute sind am Tanzen.
Plötzlich erscheint vor mir eine junge Frau. Vielleicht so um die 30 Jahre, blond, von schlanker Gestalt. Von den Gesichtszügen her kam sie mir osteuropäisch oder jugoslawisch vor.
Und obwohl auf der Bühne gerade etwas Rock'n Roll-Ähnliches lief, tanzte sie plötzlich Limbo. In dieser typischen Limbo-Haltung, also den Oberkörper so weit wie nur möglich nach hinten gebogen, stand sie vor mir. In dieser Stellung machte sie kreisende Beckenbewegungen. Dabei sah sie mir ganz fest in die Augen.
Die hat wohl zuviel Strom auf ihrer Hmhm, dachte ich.
Da ich ja bekanntermaßen ein frauenfeindliches Arschloch bin, macht es mir Freude, eine Frau, die mich sexuell belästigt, am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Sie durch zur Schau getragenes Desinteresse meinerseits immer weiter in die Verzweiflung zu treiben, sodass sie überhaupt nicht weiß, woran sie bei mir ist. Ich stand daher völlig regungslos da, wie beim Spiel Wer-schafft-es-dem-Anderen-länger-in-die-Augen-zu-sehen-ohne-loszulachen. Ich dachte innerlich amüsiert: Immer strampele dich nur ab, du dumme Kuh. Ich hatte mich in einem imaginären Fernsehsessel zurückgelehnt und genoss die Show, die sich da vor mir abspielte.
Irgendwann gab sie ihre Versuche auf und verschwand.
Hätte ICH das umgekehrt auf der Tanzfläche mit einer Frau gemacht, hätte mit Sicherheit irgendjemand die auf dem Fest anwesenden uniformierten Polizisten verständigt, welche zumindest meine Personalien aufgenommen hätten.
Auf demselben Fest. Ich saß schon länger an einem Heurigentisch und trank die Maß Bier, die ich mir vom Stand geholt hatte. Parallel dazu las ich in dem Buch weiter, das ich gerade las. Die "Stralsunder Geschichten" von Heinrich Alexander Stoll.
Plötzlich sprach mich ein kleiner Junge an. Ungefähr Einschulungsalter. Ich kannte ihn nicht, hatte ihn ebenfalls nie zuvor gesehen. Er fragte mir über alles Mögliche Löcher in den Bauch. Unter anderem interessierte er sich sehr für mein Handy. Er sprach Wiener Akzent und wirkte auch von seiner äußeren Erscheinung her typisch mitteleuropäisch, sodass man irgendwelche Balkan-Trickbetrügerbanden ausschließen konnte.
Ich versuchte, möglichst normal auf ihn einzugehen. Und immer zwischendurch wanderten zwei bange Augen hin und her, die zu erkunden versuchten, wie viele feindselige Blicke wohl schon auf den geilen alten Sack gerichtet waren, der sich da an ein kleines Kind heran machte.
Was mich stutzig machte, war diese extreme Zielgerichtetheit, mit der der Kleine zu Werke ging. Als ob ihn jemand geschickt hätte. Er kannte mir gegenüber überhaupt keine Hemmungen, als ob wir schon sehr lange miteinander vertraut wären. Zuerst fragte er mich irgendetwas nach der Tontechnik der Bühne, die in unmittelbarer Nähe meines Tisches stationiert war. Dann interessierte er sich ganz genau für mein Handy. Er wollte unbedingt mit mir ins Gespräch kommen.
Ganz spontan, ohne groß nachzudenken, rein vom gesunden Menschenverstand her fühlte sich das für mich an wie: Geh mal zu dem Onkel hin und frag ihn das und das. Und nachdem die erste Kontaktaufnahme nicht geklappt hatte, weil ich zwar schon um Höflichkeit bemüht, aber doch sehr verhalten reagiert habe, kam er zehn Minuten später mit einer neuen, total gekünstelt wirkenden Frage an. Man konnte es drehen und wenden, wie man wollte, es war kein typisches Verhalten von Kindern. Und wenn dir ganz spontan etwas komisch vorkommt, ohne dass du groß darüber grübelst, liegst du oftmals auch richtig.
Litte man unter Verfolgungswahn, könnte man das Ganze so auslegen: Die Vergewaltigungsnummer hat nicht geklappt. Also tritt Plan B in Kraft und wir versuchen es über die Pädo-Schiene.
Ich traue der Emanzen-Bagage in dieser Stadt inzwischen sogar zu, dass sie kleine Kinder für ihre Zwecke einspannt. Ich traue denen inzwischen alles zu. Wer mir massenhaft Bilder von nackten, kleinen Mädchen auf den Webspace schmuggelt, der schreckt auch nicht davor zurück, reale Kinder für Intrigen zu missbrauchen.
Mann, atmete ich auf, als ich mich auf leisen Sohlen von dem Fest davon schlich. Wie sagte irgendein deutscher Journalist mal: "Es ist ja möglich, dass ich unter Verfolgungswahn leide. Aber sie sind trotzdem hinter mir her!"

Ein Volksfest im 22. Bezirk. Ich bewege mich langsamen Schrittes die Feststraße entlang, halte Ausschau, was es an den Ständen so gibt. Plötzlich kommt aus der Masse ein mir unbekannter Mann auf mich zu. Ohne sich vorzustellen, sprach er mich sofort an: "Herr Altrogge, bisher waren Sie für uns nur ein ganz kleiner Pisser. Aber langsam werden Sie lästig!" Er sprach Hochdeutsch mit leichtem Wiener Akzent. Danach verschwand er wieder in der Masse. Ich sah ihn nicht wieder.
Zuerst hatte ich ein mulmiges Gefühl. Aber dann habe ich es als Kompliment aufgefasst.

Komischerweise immer die Volksfeste. Auf dem Hinweg zu einem solchen spricht mich eine unbekannte Frau an, wie man dort hingelangt. Auch sie tat gleich sehr vertraulich. Das ganze letzte Stück der Route begleitete sie mich, als wären wir Bekannte. Ich kriege einen Riesenbammel, welchen ich versuche, mir nicht anmerken zu lassen. Ich dachte nur: Was für eine Show läuft hier?????
Und gleichzeitig dachte ich: Wie ist die denn drauf? In einer Millionenstadt mit einem fremden Mann, den man eben mal so an der Straßenbahnhaltestelle kennen gelernt hat (War sie eigentlich mit im Zug?), einfach irgendwo hin mitgehen? Hat dir deine Mama denn nicht erklärt, dass es so böse Onkels gibt, die kleine Mädchen wie dich bei der nächsten Gelegenheit hinters Gebüsch zerren, um dann komische Sachen mit ihnen zu machen?
Bei der Ankunft auf dem Festgelände nutzte ich die erste Gelegenheit, um in den Gästemassen unterzutauchen.

Wieder ein Volksfest. Bin zufällig mit einer aus Wien stammenden Nachbarin da. Nichts Ernstes, ich helfe ihr bloß immer mit den Einkäufen beim Heimfahren mit meinem Trolley, da sie kein Auto hat. Sonst läuft da nichts.
Sie sagte plötzlich: "Na, die Serviererin zieht ja eine ganz schöne Show ab!"
Ich, völlig von den Socken: "Was? Welche Serviererin?"
"Na, die Blonde. Die produziert sich vor dir schon die ganze Zeit vollkommen theatralisch!"
Ich hatte das Gefühl, dass wir uns auf zwei verschiedenen Veranstaltungen befanden, denn mir war absolut nichts dergleichen aufgefallen. So teilte ich das auch meiner Nachbarin mit.
Sie: "Du hast wirklich nur Augen für deine ostdeutschen Eisenbahnen!"
Ich dachte nur: Aus guten Gründen! Aus guten Gründen!

Bin beim Hofer einkaufen. Über zwei Ladentischreihen strahlt mich plötzlich ganz begeistert eine Inderin an.
Ich dachte: Oh, Gott! Das wird jetzt wieder so eine peinliche Situation, bei der jemand aus deiner Vergangenheit auftaucht, mit dem du beruflich irgendwann einmal kurz zu tun hattest, der jedoch inzwischen völlig aus deinem Gedächtnis entschwunden ist. Als Journalist und Computertrainer lernt du im Laufe von Jahren …zig Tausende von Personen kennen! Da ist es ganz natürlich, dass dir ab und zu jemand durch den Rost fällt.
Doch es sollte anders kommen. Die Frau teilte mir mit, dass sie gerade erst einen Kurs bei uns im Institut absolviert hatte und mich von daher kannte.
??? Ich schwor vor mir selbst Stein und Bein, dass ich diese Frau noch niemals gesehen hatte!
Und eine INDERIN wäre mir vom Optischen her auf jeden Fall aufgefallen, da ich für diesen Typ Frau einen kleinen Fetisch habe! Indischen Frauen glotze ich auf der Straße hinterher, dass mir bald die Augen raus fallen! Einmal hatte bei einer stark negroiden Südinderin in der Wiener U-Bahn in meiner unmittelbaren Nähe die Hautfarbe von zartbitterschokoladenfarben auf Terrakotta gewechselt, nachdem, ähem, unsere Blicke sich wohl für ein, zwei Sekunden per Zufall gekreuzt hatten. Rein zufällig, versteht sich.
Aber ich hatte diese Frau bei uns im Kursinstitut nicht bemerkt! Was im krassen Gegensatz dazu stand, dass sie mich mit einer stürmischen Begeisterung begrüßte, als wären wir zusammen zur Schule gegangen und hätten uns seit Jahrzehnten nicht gesehen! Sie will mich zwar gesehen haben, und das anscheinend so oft, dass sich mein Äußeres ihr unauslöschlich eingeprägt hatte, aber ich konnte mich nicht erinnern, sie auch nur ein einziges Mal gesehen zu haben! – War das schon beginnende Demenz?
Ohne in Verschwörungstheorien verfallen zu wollen: Irgendetwas stimmte hier nicht! Irgendetwas stimmte hier einfach nicht!
Früher einmal, wenn mich da eine INDERIN, eine INDERIN, angemacht hätte, das wäre für mich die Wiederkunft des Messias auf Speed gewesen!!!!!
Unter den heutigen Umständen jedoch sprangen da nur noch sämtliche Systeme im Gehirn auf DEFCON 1 hoch, und im Kopf zog die eine einzige, große Frage ihre kreisförmigen Bahnen: Was will das verdammte Miststück von mir?
Auch hinterher arbeitete genau dieser Punkt noch lange in mir. Wieso präsentiert sich mir ausgerechnet eine Inderin, die zudem noch optisch genau in mein Beuteschema passt, auf dem Silbertablett? Zufall oder nicht: Im Roman hatte ich an einer Stelle ziemlich weit vorn von diesem Inderinnen-Fetisch berichtet. Es genügte theoretisch schon, wenn nur eine einzige Person an der falschen Stelle das gelesen hat. Wie wäre das eigentlich weitergegangen, wenn ich mich auf sie eingelassen hätte? Hätte sie mir dann splitterfaserpudelnackt mein Lieblingsessen, Weißkrautrouladen mit Hackfleischfüllung und Rote Grütze mit Vanillesoße, serviert, bevor wir zur Sache kamen? Um dann am nächsten Tag zur Polizei zu rennen: Heul, heul, heul, der Scheißkerl hat mich vergewaltigt!
Was mich zusätzlich noch irritierte: Indische Frauen waren in aller Regel ziemlich stoisch und unzugänglich. Die ließen nicht durchblicken, was sie gerade fühlten und dachten. Ich wusste es auch von zahlreichen "Feldversuchen" auf der Straße. Inderinnen konnte man theoretisch Stunden lang anstarren – die zuckten nicht mal mit der Wimper!!! Die konnte man einfach nicht aus der Ruhe bringen! Eine Inderin, die einem Kerl geradezu um den Hals fiel, wirkte daher äußerst untypisch, fiel regelrecht aus dem Rahmen.
Ich war von dem "Überfall" irgendwie überfordert, wusste einfach nicht so Recht, was ich mit der Frau anfangen sollte. Sie war ja schließlich eine vollkommen Fremde für mich. Und genau das merkte sie wohl auch nach einer bestimmten Zeit.
Ich sah diese Frau niemals wieder, was zumindest, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken, auffallend war. (Nachdem man schon einmal kurz vor der Zwangspsychiatrierung stand, muss man ja auf jedes Wort Acht geben, dass einem eventuell im Munde umgedreht werden kann.)

Ich weiß schon, die Emanzen würden mir in Bezug auf die Frauengeschichten gleich wieder paranoiden Verfolgungswahn attestieren. Aber bei einer derart massiven Häufung solch merkwürdiger Ereignisse machst du dir nun mal ganz automatisch deine Gedanken. Es kommt dir einfach vom Gefühl her sehr, sehr seltsam vor, ohne dass du sofort konkret etwas hineingeheimnist.
Und das alles noch vor dem Hintergrund, dass eine Ministerin mich zu Österreichs Andreas Baader erklärt hat. Respektive ein Think Tank der SPD in Deutschland mich für so gefährlich hält, um meine Aussagen wissenschaftlich zu analysieren. Dass man mir Bilder von nackten, kleinen Mädchen in den Webspace geschmuggelt hat. Dass ich von einem Tag zum anderen im wahrsten Sinne des Wortes bei Nacht und Nebel das Land verlassen musste, auf eine Weise die an Hollywood-Thriller erinnert. Dass eine Teilnehmerin meiner Computerkurse sich vor mir die Klamotten vom Leib riss, um mit mir in die Kiste zu hüpfen, wofür sie nach ihren eigenen Worten von Männern bezahlt wurde, die sich als österreichische Regierungsbeamte ausgaben. Dass man mir in einem Kursinstitut, in das ich vom AMS geschickt wurde, Zeugen präsentierte, die angeblich bereit waren, vor Gericht zu schwören, dass ich Mitglied in einem Kinderporno-Ring sei und man von dort aus bereits erste Schritte zu einer Zwangspsychiatrierung setzte. Für all das konnte ich Orte, Zeitpunkte und Namen nennen. Wo willst du unter diesen Umständen noch eine halbwegs vernünftige Grenze hin zum Verfolgungswahn ziehen? Da lebst du schon irgendwie ständig mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass dich eines Tages ein paar Zivilfahnder abpassen und zu dir sagen: "Österreichische Volkspolizei. Bürger, wir bitten Sie, uns zur Klärung eines Sachverhaltes auf die Dienststelle zu begleiten!"

3.

Jene merkwürdigen Ereignisse, die nach Magdas Tod eingesetzt hatten, traten wieder auf.
Allein schon das, was sich in den Jahren danach abgespielt hatte, war mehr als abgefahren.

Ich hatte damals am Ende meiner Schulzeit Johannes versprochen, ein bestimmtes Kapitel der Aufzeichnungen meiner Ägyptenreise auszudrucken und ihm in die Schule mitzunehmen.
Gesagt, getan. Ich warf zuhause den Computer an. Öffnete die Datei mit den digitalisierten Ägypten-Aufzeichnungen sowie ein leeres Word-Dokument fürs Ausdrucken.
Als ich auf das leere Dokument umschaltete, stand da plötzlich schon die Eingabemaske für "Suchen und Ersetzen", die für gewöhnlich erscheint, wenn man Steuerung und "h" eingibt. Ich glaubte zunächst an irgendeine technische Fehlfunktion.
Dann aber geschah etwas wirklich Unheimliches. In der Spalte "Suchen nach:" stand urplötzlich, wie von Geisterhand, das Wort in der Ägypten-Geschichte, das ich als Suchwort zum Auffinden des Textes innerhalb der Datei eingeben wollte: Pektoral. Die Betonung liegt auf "wollte"!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Davon abgesehen, dass das von Haus aus technisch unmöglich war. Das Wort konnte auch nicht von einer früheren Nutzung dieser Funktion aufgrund eines Programmfehlers irgendwie "hängen geblieben" sein. Zum einen hatte ich die Suchfunktion an jenem Tage zuvor noch nicht benutzt. Zum Zweiten hatte ich das Wort "Pektoral" mindestens die ganze Woche noch nicht in die Suchfunktion eingegeben. Mindestens! Soviel konnte ich mal mit absoluter Gewissheit sagen. Und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch darüber hinaus sehr viel länger nicht.
Und außerdem schwor ich vor mir selbst bei allem, was mir heilig war, dass ich die Tastatur jetzt im Moment nicht angerührt hatte. Das Einzige, was ich am Computer nach dem Hochfahren händisch erledigt hatte, waren das Öffnen der Datei mit den Ägypten-Aufzeichnungen und das des leeren Dokumentes. Beides mithilfe der Maus. Die Tastatur hatte ich nicht angerührt!!! Ich hatte sie nicht angerührt!!!!!
Dies war die technische Unmöglichkeit Nummer Zwei.
Doch damit war immer noch nicht Schluss mit den Merkwürdigkeiten. Als Nächstes erschien auf dem leeren Dokument vollkommen von selbst genau das Kapitel aus meinen Ägypten-Aufzeichnungen, das ich brauchte. Ohne dass ich irgendeinen Befehl gegeben hätte! Noch nicht einmal den Text markiert hatte ich!!!
Gleich darauf machte ich technische Unmöglichkeit Nummer Vier aus. Ich hatte mir vorgenommen, den Text ohne die Überschrift zu kopieren, da ich sie für diesen speziellen Zweck nicht benötigte. Und im von Geisterhand kopierten Text erschien die Kapitelüberschrift nicht!!!
Technische Unmöglichkeit Nummer Fünf: Ich hatte mir vorgenommen, unter dem kopierten Text fünf Leerschritte zu setzen, und Teufelnocheins – es waren genau fünf Leerschritte!
Was man auch ausschließen konnte: Dass ich an irgendeiner Forum von Geisteskrankheit litt. Da ich ein paar Jahre zuvor schon einmal ohne mein Wissen unter Drogen gesetzt worden war, wusste ich ungefähr, wie Verrückt-Werden sich anfühlte. Da hast du das Gefühl, dass – Wäng! – die ganze Welt explodiert! Da denkst du, in deinem Kopf befinden sich hunderttausend Atombomben, die jeden Augenblick hochgehen! S O   fühlt sich Verrückt-Werden an! In dem Moment war ich jedoch bei absolut klarem Verstand. Ich war vollkommen ruhig und nüchtern, als ich die Beobachtungen machte. Und außerdem gab es da ja die bewusste Datei in meinem Rechner. Die war ein greifbarer Beleg dafür, dass ich nicht spann.
Die alles entscheidenden Fragen lauteten also: Woher wusste das Programm, dass ich aus meinen paar tausend Texten auf meiner Festplatte GENAU diesen Text herauskopieren wollte, ohne Überschrift und mit fünf Leerzeilen dahinter? Woher wusste das Programm außerdem, dass ich als Suchbegriff den in der Alltagssprache kaum bekannten Begriff Pektoral verwenden wollte? Woher wusste es all diese Dinge, wenn ich es ihm nicht über Maus und Tastatur mitgeteilt hatte? All diese Informationen befanden sich nur in meinem Kopf, da ich sie nicht einmal laut ausgesprochen hatte.
Mir entfuhr als Reaktion auf die Sache nur noch ein zutiefst erschüttertes "Heilige Gottesmutter Maria …" Meine Atmung war mit einem Male so heftig geworden, dass man sie schon als laut bezeichnen musste. Rasende Furcht befiel mich. Alles ringsherum war plötzlich so unheimlich geworden …
In den Wochen darauf machte ich mich im Internet auf die Suche nach ähnlichen Vorfällen. Bis ich schließlich auf diesen ziemlich gleichartig gelagerten Fall stieß:
"Noch bevor Manfred Boden ab 1981 per Telefon von Stimmen unbekannter Herkunft terrorisiert wurde, erhielt er angeblich im Dezember 1980 unheimliche Botschaften auf dem Computer eines Bekannten, die in dem Satz gipfelten:
'Du stirbst Manfred 1982 Unfall 16.8.1982.'
Als 'Absender' erschien der Name eines verstorbenen Bekannten Bodens. Von da ab änderten sich Texte des Öfteren selbsttätig und ergaben auf dem Ausdruck einen völlig neuen Sinn; manchmal 'schmuggelten' sich zusätzliche Worte ein, die zusammen gelesen eine semantisch stimmige Mitteilung ergaben. Im Februar 1981 analysierte Dr. Ernst Senkowski die Botschaften und kam zu dem Schluss:
'Aufgrund des Gesamtbildes wird die Erklärung des zeitlichen Ablaufs der Veränderungen und ihrer semantischen Gehalte als Folge einer technisch bedingten Computersystemstörung nicht akzeptiert. Das Geschehen ist daher als paranormal zu klassifizieren […].'
Boden überlebte sein angebliches Todesdatum."
Und so ähnlich war es bei mir gewesen.
Ich DENKE BLOSS, dass ich jetzt die Eingabemaske für "Suchen und Ersetzen" einschalten werde – und sie erscheint.
Ich DENKE BLOSS, dass ich als Nächstes den Suchbegriff Pektoral eintippen werde – und er erscheint.
Ich DENKE BLOSS, dass ich einen ganz bestimmten Textabschnitt kopieren und in dem leeren Word-Dokument einfügen werde – und er erscheint ganz genau dort.
Ich DENKE BLOSS, dass ich die Überschrift direkt über dem Text nicht mit brauche – und praktischerweise erscheint sie nicht.
Ich DENKE BLOSS, dass ich unter dem Text fünf Leerzeilen setzen werde – es erscheinen exakt fünf, keine mehr, keine weniger.
Abgefahren, dass gerade mir so etwas passierte, dachte ich. Kurz vor meinem Schulschluss werde ich noch zur "Carrie White" der Handelsakademie Retz.

Ein paar Tage später war ich im INTERSPAR in der Höfleinerstraße in Retz einkaufen. Ich hatte bereits fast alles im Wagen liegen, was auf dem Einkaufszettel stand, befand mich bereits in ziemlicher Nähe der Kasse.
Vor einem Regal hatte ich mich hingehockt, um aus einem tiefer gelegenen Fach etwas vorzuangeln.
WOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOW!!!!
Irgendetwas hatte mir einen so heftigen Stromschlag versetzt, dass ich fast auf dem Rücken landete.
Ich war völlig durcheinander, was ich falsch gemacht hatte, dass ich plötzlich einen gewischt bekam, denn weit und breit befand sich nichts Elektrisches!
Nachdem ich mich einigermaßen erholt hatte, griff ich vorsichtig noch einmal in die Gegend.
Diesmal geschah nichts.
Ich legte meine Ware in den Wagen und schob ihn zu meiner nächsten Station. Das merkwürdige Erlebnis packte ich erst einmal auf die Seite, so wie man das immer ganz automatisch macht bei etwas, das man nicht versteht.
Kurze Zeit später bei einem anderen Regal. Baaaaaaaaaah!
Schon wieder ein elektrischer Schlag. Wieder war weit und breit NICHTS, was Strom übertragen konnte.
Verwirrt und irritiert verließ ich den Supermarkt.

Jahre später. Inzwischen lebte ich in Wien.
Mutter und ich standen wie gewöhnlich nach einem Wochenendeinkauf am Kaffeeautomat im ÖBAU Fetter in der Sandleitengasse 37. Wir unterhielten uns über meine beruflichen Zukunftspläne.
Plötzlich spürte ich eine Hand auf meiner Schulter. Wird wohl jemand an den Automat ran wollen, dachte ich, und fuhr reflexartig zu der in Frage kommenden Seite herum.
Bloß da stand niemand.
Ich sah hinter mich, wo eine Barriere in vielleicht einem Meter Höhe den Geschäftsbereich vom Eingangsbereich abtrennte.
Da stand auch keiner.
Währenddessen sagte Mutter irgendetwas zu mir. Ich nahm das jedoch nur ganz entfernt und unwirklich wahr, wie durch eine ganz dicke Glasscheibe.
Dazu passte auch, dass Mutter mir hinterher sagte, ich hätte in diesen Momenten vollkommen entrückt gewirkt. Überhaupt mein ganzer Auftritt hätte "total abgefahren" ausgesehen und bei der Kasse bereits Aufmerksamkeit erregt.
Das, was sie mir zu sagen versuchte, war: "Da ist niemand. Da ist nichts." Aber trotz nur einem Meter Entfernung hatte ich das nicht mitbekommen. Ich war wie in Trance.
Ich sah geradeaus in Richtung Ausgang, ob sich dort vielleicht jemand entfernte.
Dort war niemand.
Ich kapierte überhaupt nicht, was hier los war.
Und es gab auch keinen Gegenstand in der Nähe, an den ich hätte gekommen sein können.
Kurz darauf roch ich ganz stark das Parfüm, das Magda manchmal verwendete. Ich erstarrte …

Mutter beobachtete in ihrem Zimmer, wie sich eine Untertasse auf ihrem Schreibtisch vollkommen von selbst bis an den Rand verschob. Gespenstisch auch: Sie verursachte dabei keinerlei schabende Geräusche, sondern bewegte sich vollkommen lautlos.

Mutter verspürte in der Küche plötzlich eine unsichtbare Aura um sich herum, die mechanischen Druck auf sie ausübte.

Mutter und ich saßen in der Stube in den Sesseln am Tisch. Sie hatte die Beine auf den Hocker getan, ich hantierte am Tisch Verschiedenes.
Urplötzlich, von einer Sekunde zur anderen, lag zwischen meinem Sessel und dem Tischbein eine Ansichtskarte.
Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken, da die Karte bis eben noch nicht da lag. Auch Mutter bestätigte das.
Ich hob sie vom Boden auf. Sie zeigte ein Motiv der Stadt Pulkau. (1)
Es war mir vollkommen unbekannt. Bei mir klingelte rein gar nichts, als ich es betrachtete.
Nun gab es zwei Möglichkeiten. Entweder hatte ich das Motiv noch niemals gesehen, oder 
schon so extrem lange nicht mehr, dass ich es vollständig vergessen hatte. Dabei habe ich bei Themen, die mich interessieren, ein recht gutes Gedächtnis für Details.
Ich versuchte, die Sache ganz logisch anzugehen. Zunächst nahm ich die Karte und lies sie von verschiedenen Punkten aus zu Boden flattern, um zu sehen, von wo aus sie herunter gefallen sein musste, um genau da an der engen Stelle zu landen.
Ich scheiterte grandios. Egal, wo ich sie fallen ließ, sie landete einfach nicht an dieser Stelle.
Als Nächstes suchte ich fanatisch im Umkreis von einem Meter alles ab, aus dem sie eventuell herausgefallen sein könnte. DA WAR NICHTS! DA WAR EINFACH NICHTS! So sehr ich mir auch die Augen wund starrte – da gab es nichts.
Es konnte auch nicht jemand hereingeschlichen und die Karte deponiert haben, da wir die ganze Zeit über in unseren Sesseln saßen. Außerdem: In fremde Wohnungen einbrechen, um dort eine Postkarte abzulegen – das wäre sogar für Wiener Verhältnisse ein bisschen zu abgedreht. Das konnte man definitiv ausschließen.
Ein Windstoß konnte auch nicht dafür verantwortlich sein, weil wir zu dem Zeitpunkt Türen und Fenster geschlossen hatten.
Auch konnte die Karte nicht irgendwie unter meinem Sessel hervorgerutscht sein. Seitdem bei diesem Möbelhaus-Schrott alle Räder weggebrochen waren, befand sich eine massive Platte darunter. Wenn man versuchte, da ein Blatt Papier drunter zu schieben, dann zerknitterte das an den Rändern.
Ich erinnerte mich, wie ich 1984 mit acht Jahren mal so einen merkwürdigen Traum gehabt hatte. In unserer damaligen Stube stand am helllichten Tage urplötzlich ein fremder Schuh. Mutter und ich hatten keine Ahnung, wie er da hingekommen war. Er war mit einem Male plötzlich da und wir wussten nur, dass er nicht uns gehörte.
Vor über 25 Jahren hatte ich die gegenwärtige Situation also schon ziemlich präzise vorausgeträumt. Sogar die Tageszeit – Nachmittag – stimmte. Zufall?
Ein paar Wochen später. Ich sortierte alte Presseunterlagen von mir. Plötzlich stieß ich in einem Hefter, in welchem ich unter anderem mit Fotoecken Ansichtskarten eingeklebt hatte, auf eine Lücke.
Es war eine Lücke, in die von der Machart genau die geheimnisvolle Ansichtskarte passte!
Und nun kam es. Zunächst steckte ich die Karte an ihre richtige Stelle zurück. Dann entnahm ich das Blatt dem Hefter. Ich wollte einen Schütteltest machen. So hielt ich das Blatt kopfüber in die Luft und schüttelte es wie ein Verrückter durch.
Keine der Ansichtskarten löste sich aus den Fotoecken. Irgendwann wurde mir der Arm müde, und so gab ich es auf.
Aber das war es noch nicht. Das Blatt steckte in einem Hefter.
Der Hefter steckte in einer Plastiktüte.
Diese Plastiktüte wiederum hatte ich mit verschiedensten Heftern so gnadenlos "vollgerammelt", dass sie bald platzte.
Und ich wusste genau, ich konnte mich genau erinnern, dass die Tüte zum Zeitpunkt des geheimnisvollen Vorfalls seit Wochen und Monaten unberührt im Regal im Flur bei der Wohnungstür lag.
Und: Ich konnte Stein und Bein schwören, dass ich mir den Hefter SEIT JAHREN nicht mehr angesehen hatte. SEIT JAHREN!!!

Nächste Geschichte. Wir kamen vom Einkauf im INTERSPAR zurück. Mutter hatte auf ihrem Schreibtisch in ihrem Zimmer die Gewürztütchen, die wir mitgebracht hatten, ausgebreitet. Alle mit dem Namen nach oben, da sie noch einmal kontrollieren wollte, ob sie die richtigen Sorten genommen hatte.
Als sie kurz einmal das Zimmer verlassen hatte und danach wieder rein kam, lagen sie plötzlich alle "mit dem Gesicht nach unten" auf dem Tisch.

Das Licht in der Küche ging ganz kurz aus und wieder an. Auch bei der Lampe an Mutters Schreibtisch war das der Fall. Genauso das Licht im Hausflur. Nachts ging es oftmals kurz an und gleich wieder aus. Früher hätte ich dem überhaupt keine Bedeutung beigemessen. Inzwischen jedoch hatte ich schon in etlichen Quellen gelesen, dass es sich hierbei um klassische Poltergeistphänomene handelte.

Und in dem Stil ging es auch nach der Veröffentlichung des Buches weiter:

An einem Vormittag, ich war nicht zuhause, betrat Mutter die Stube. Plötzlich entströmte einer Zimmerecke ein unglaublich intensiver Rosenduft wie nicht von dieser Welt. Als Mutter ein paar Schritte in Richtung Fenster ging, war der Duft plötzlich verschwunden, näherte sie sich dem Tisch wieder, war er wieder da.
Ein paar Tage später trat das Phänomen noch einmal auf.
Was noch dazukam: Mutter wusste nicht, dass es sich hierbei um ein ziemlich verbreitetes übernatürliches Phänomen handelte, welches zumeist mit der Jungfrau Maria in Verbindung gebracht wurde. Ich merkte das, als ich sie aufklärte. Also irgendeine Art von Selbsteinredung konnte man DEFINITIV ausschließen.

Es ist das Wochenende nach dem 25. Oktober, meinem Verlobungstag mit Magda.
Ich will deshalb im Caféhaus feiern gehen. An diesem Tag, ein Sonnabend, kaufte ich zuvor noch beim Hofer ein. Dort fiel die Rechnung etwas größer aus als geplant. Und zu Hause hatten wir kaum noch Bargeldreserven. An der Kasse jedoch verrechnete sich der Kassier um ganz exakt den Betrag, den ich für das Caféhaus eingeplant hatte! Er rechnete mir das sogar noch laut vor! Irgendwie wirkte er dabei wie hypnotisiert, wie entrückt, als er das tat …

An einem Herbsttag musste Mutter zu einer Behandlung ins Rehab Zentrum Dornbach im 17. Bezirk. Ich fuhr mit als Begleitperson.
Ich saß also auf dem Flur, während Mutter sich drin befand, war in ein Buch über das Leben Carl Philipp Emanuel Bachs im alten Preußen vertieft. Urplötzlich ein unglaublich intensiver Geruch. Er roch genauso wie das Parfüm, das Magda manchmal verwendete …
Niemand befand sich in meiner Nähe, von dem das hätte ausgehen können. Es ist auch niemand in der fraglichen Zeit an mir vorbei gelaufen …
Nach kurzer Zeit verschwand das Phänomen wieder.

In einem von Mutters Hausschuhen befand sich ein Loch. Dieses war an einem Morgen wie von Geisterhand repariert. Es war fest zugeklebt.

Mutter berichtete ein paar Mal, sie würde in der Wohnung einen ihr völlig unbekannten Parfümgeruch wahrnehmen. Immer nur kurz für einen Augenblick, danach ist das wie abgeschaltet.
Mein erster Gedanke war, dass ich bei der Sache beim Kaffeeautomaten, als ich eine Hand auf der Schulter spürte, aber niemand anwesend war, auch ganz kurz das Parfüm wahrgenommen hatte, welches Magda bei besonderen Anlässen verwendete. Sie legte das aber so selten auf, war wohl eine ziemlich teure französische Marke, dass ich es nahezu ausschließen konnte, dass Mutter das irgendwann einmal kennengelernt hatte.
Gegen Abend lag ich mal im Halbschlaf in meinem Sessel. Plötzlich nahm ich direkt vor der Nase ganz intensiven Parfümgeruch wahr. Gleich darauf war er auch schon wieder weg.
Vielleicht eine Woche später saß ich an einem Nachmittag hinter meinem Computer. Wieder dieser äußerst intensive Parfümgeruch. Im nächsten Augenblick schon war er wieder weg, als hätte jemand auf einen Knopf gedrückt.
Ein paar Tage später betrat ich frühmorgens das Bad. Wieder dieser ganz intensive Parfümgeruch – und kurz darauf schlagartig verschwunden. Zum ersten Mal rief ich laut: "Magda, bist du's?", ohne dass mir das irgendwie komisch vorkam.

Unter all diesen Umständen überraschte es mich dann auch nicht mehr groß, als Mutter mir einmal mitteilte, sie sehe in ihrem Schlaf- und Arbeitszimmer ab und zu schwarze Schatten vorbeihuschen.

Der vorläufige Höhepunkt waren die Lichterscheinungen. An Stellen in der Wohnung, wo sich außer Luft rein gar nichts befand, tauchten urplötzlich ohne irgendeine erkennbare Quelle Lichtphänomen auf. Mutter und ich bemerkten diese. Sie sahen aus, als würden tausend Wunderkerzen gleichzeitig abgebrannt. Die Erscheinung hielt immer kurz an, dann war sie verschwunden, als hätte jemand auf einen Schalter gedrückt.

Ich blogge ab und zu auf einer deutschen Leserreporter-Software. Kleinere Fotoserien von Wien, künstlerische Werke meiner Mutter und heimatgeschichtliche Texte über Mitteldeutschland veröffentliche ich dort. Unter anderem hatte ich dort eine Ortschronik von Kastanienberg hochgeladen. Immer mal wieder, wenn ich auf etwas Neues stieß, ergänzte ich diesen Beitrag. Die umfangreichste Stichpunktechronik von Kastanienberg, die es jemals gegeben hat, sollte es werden.
Abermals wollte ich dort eine Bilddatei hochladen, zu den schon bestehenden 178 Bildern der Stadt.
Ich war zunächst in den "Bearbeiten"-Modus des Beitrags gegangen. Dort klickte ich dann den Button "Bilder auswählen" an, womit automatisch eine Verbindung zwischen dem Server der Redaktion und dem eigenen Desktop hergestellt wurde. Das war alles, was ich getan hatte. Keinen Handschlag mehr. Ich hatte NICHTS, rein gar nichts, mit der Tastatur oder der Maus eingegeben, woraus die Software hätte schließen können, was ich als Nächstes plane.
Dann wiederholte sich plötzlich das Phänomen von dem Ägyptentext Jahre zuvor. Ohne dass ich auch nur einen Finger krumm gemacht hätte, war plötzlich genau die Bilddatei, auf die ich es abgesehen hatte, auf der Website vorhanden. Aus unzähligen potenziellen Bilddateien, die in dem Desktop-Dialogfenster theoretisch zur Verfügung standen, hatte sich genau die richtige von selber hochgeladen.
Und damit nicht genug: Die Datei hatte sich auch von selbst, unter diesen 178 schon vorhandenen Bilddateien, genau an der Stelle platziert, wo ich das thematisch für richtig hielt!!!!!!!!!
Und das Verschieben von Bilddateien ist in diesem Programm manchmal ein gehöriges Geduldsspiel! Mehr noch: Die Software hatte das für mich schon eine Sekunde erledigt, bevor mir selber richtig klar wurde, dass ich die Datei genau da und nicht woanders haben will! Die Software wusste es, bevor ich es richtig wusste!
Unheimlich auch: Das Hochladen von Dateien benötigt je nach Bildgröße in dieser Software immer eine gewisse Zeit. Hier jedoch war das innerhalb des BRUCHTEILS EINER SEKUNDE erfolgt. Es war nicht einmal der übliche Statusbalken zu sehen!!!!!!!! Die Datei war einfach oben!!!!!!!!
Und weil das alles noch nicht genug war: Mit dem Hochladen befand sich unter dem Bild auch genau jener Kommentar, DEN ICH NUR IM KOPF GEHABT UND NIRGENDWO AUFGESCHRIEBEN HATTE!
Es hatte sich haargenau das Phänomen von vor Jahren wiederholt, nur …
… mit einem anderen Computer,
… einem anderen Bildschirm
… und einer anderen Software.

An einem Morgen dachte ich: Es sind lange keine Gespenster mehr da gewesen.
Noch am selben Nachmittag sitze ich vor meinem Rechner und starre auf den Bildschirm. Weder berühre ich die Tastatur noch halte ich die Maus in den Händen.
Urplötzlich hatte sich eine Textpassage an genau die Stelle verschoben, bei der ich in derselben Sekunde erst PLANTE, sie dorthin zu versetzen.
In den Nachtstunden trat das Phänomen noch einmal auf. Ich sehe auf den Bildschirm, die Hände habe ich auf dem Tisch liegen, beschließe, an mehreren Stellen einer Aufzählung am Beginn dieselbe Formulierung einzufügen. Und – Zack! – in derselben Sekunde, oder sollte ich sagen, dem Sekundenbruchteil, in dem ich das NUR DENKE, ist das auf dem Bildschirm schon geschehen!

Ein Computerprogramm, das jede Eingabe, jeden Befehl, jede Navigation von sich aus immer eine Sekunde früher ausführt, bevor ich es tun kann, welches sogar vorausahnt, welchen vorher noch nicht verwendeten Suchbegriff ich eingeben will, welches weiß, auf welchen Text ich auf meiner Festplatte als Nächstes zugreifen will, wie in einem billigen amerikanischen Horrorfilm;
– Stromschläge, wo weit und breit nichts Elektrisches war;
– eine unsichtbare Hand auf der Schulter;
– eine sich selbst über eine gerade Fläche verschiebende Untertasse;
– ein Gegenstand, der sich plötzlich vor einem auf dem Boden materialisiert;
– Gewürztütchen, die in einem leeren Zimmer plötzlich alle umgedreht da liegen;
– plötzlich auftretender Rosenduft ohne Rosen weit und breit;
– sich selbst reparierende Hausschuhe;
– bizarre Lichtphänomene.
Ich hatte das Gefühl, jemand oder etwas arbeitete in unserer Wohnung das komplette Lexikon der übersinnlichen Phänomene ab. Punkt für Punkt. Als würden Akte X, Supernatural und Paranormal Witness bei uns in der Wohnung eine Party feiern.

4.

Ein Nachtrag zum Kapitel "Kein Heimweh oder Warum können Frauen verdammt noch mal die Vergangenheit nicht einfach mal ruhen lassen?" aus dem Roman

Ich erinnerte mich an einen Spruch einer Heimweh-Frau, den ich noch nicht in meiner Auflistung im Roman aufgeführt hatte. Diese Frau hatte mal eine Reise in das deutsche Bundesland mit Th am Anfang unternommen. (In den Mund nehmen tue ich das Wort aufgrund des Heimweh-Terrors dieser Weiber schon lange nicht mehr, das ist so eine Neurose, die die bei mir im Kopf hinterlassen haben. Wenn es sich nicht vermeiden lässt, es auszusprechen, kürze ich es daher immer mit Th ab.) Als sie wiederkam, regte sie sich immer wieder fürchterlich auf: "Die haben ja überhaupt keinen Heimatstolz dort! Die haben ja überhaupt keinen Heimatstolz!" Um dann stets gleich anzufügen, dass es bei mir ja genau dasselbe wäre. Das kam dann immer gleich als Nächstes.
Bestimmt fünf, sechs Mal machte sie deshalb ein Riesenfass auf.
Zunächst einmal konnte ich es von Natur aus beim besten Willen logisch nicht nachvollziehen, wie man auf solche Gedankengänge kommt. Uns Kerlen ist nun mal dieses hochkomplizierte weibliche Denken um Wurzel-aus-Dreiundachtzigkommafünf-minus-den-Cotangens-aus-frischer-Kuhmilch-und-das-Ganze-zur-Potenz-der-aktuellen-Mondphase Ecken herum fremd. Von weiblichen Überlegungen kriegt mal als normaler Mann oftmals einfach nur einen Drehwurm.
Und ein zweiter Gedanke: Wenn ich irgendwohin auf Urlaub fahre, käme es mir nicht in den Sinn, den Leuten dort vorzuschreiben, wie sie zu leben haben. Aber weiblicher Kontrollwahn und weibliche Herrschsucht kennen scheinbar überhaupt keine Grenzen.
Und der Teil, der mich persönlich betraf: Mein Gott, ich war damals 14, als die Politiker in der Gegend dort aus lauter alten DDR-Bezirken ihr Thüringen zusammengebastelt haben. In dem Alter habe ich Marvel-Comics und John-Sinclair-Gruselromane gelesen. Dass da plötzlich so ein Ding namens Thüringen vom Himmel gefallen war, hat mich, freundlich formuliert, einen feuchten Kehricht interessiert. Insofern hatte die Frau sogar Recht mit ihren bösen Vorwürfen. Es interessierte mich wirklich nicht in dem Alter.
Bloß auf der anderen Seite hatte ich niemals eine dieser Heimweh-Fotzen am 26. Oktober, dem Nationalfeiertag, die rot-weiß-rote Fahne zum Fenster heraus hängen sehen. Aber nicht eine einzige! Na ja, wie es schon in diesem schönen, alten Aphorismus hieß: Moral ist eine so tolle Sache, dass manche Menschen sie gleich doppelt haben.
Ich antwortete der Frau: "Mir liegen zu dem Thema keine exakten demografischen Erhebungen vor. Ich vermute jedoch stark, dass es dort so wie überall auf der Welt sein wird. Dass es dort Leute mit hohem Heimatbewusstsein geben wird und Leute, denen das Thema einfach nur am Arsch vorbei geht." Wortwörtlich hatte ich das so formuliert. Und wer mich kannte, konnte daraus ablesen, dass ich schon wieder auf 180 war!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Und gedacht habe ich: Dämliche Fotze, woher nimmst du die Frechheit, mir mit deiner Gehirnscheiße meine kostbare Lebenszeit zu stehlen?
Außerdem spulte ich wieder meinen üblichen heimatgeschichtlichen Vortrag ab:
"Meine Stadt gehörte zur Zeit ihrer Gründung zum Feudalbesitz des Klosters Hersfeld in Nordhessen.
1482 bis 1815: Sachsen.
Ab 1815: Preußen – Provinz Sachsen. Auf dem Wiener Kongress wurden bekanntermaßen etliche Teile von Sachsen abgetrennt und Preußen zugeschlagen.
1945: Provinz Sachsen-Anhalt.
1947: Infolge der Auflösung des Staates Preußen Sachsen-Anhalt.
1952: Auflösung aller Bundesländer auf dem Gebiet der DDR. Kastanienberg gehört fortan zum Bezirk Erfurt, Kreis Sömmerda.
Erst 1990 haben sie die Stadt zu Thüringen, das in dem Jahr überhaupt erst neu gegründet worden ist, dazugetan.
Und 1992 haben wir die Biege gemacht."
Und auch dieses so genannte Thüringen selber, hatte ich manchmal noch im Anschluss daran erläutert, kann geschichtlich auf kaum nennenswerte Traditionen verweisen. Es gab in grauer Vorzeit mal ein Königreich Thüringen, das jedoch 531 bei der Schlacht an der Unstrut von den Franken einkassiert worden ist. In den Jahrhunderten danach existierte es noch als untergeordnete Provinz, bis es dann 1440 mit dem Tod Friedrichs IV. vollkommen von der Landkarte verschwand. Erst 1920 kam es wieder zur Gründung eines Freistaates Thüringen. Der aber auch wieder bloß bis 1952 Bestand hatte, als in der DDR alle Bundesländer aufgelöst und durch Bezirke ersetzt wurden. Fast 40 Jahre später, ab Sommer 1990, gab es dann erneut ein Thüringen.
Und auch darum habe ich für dieses Thüringen nie irgendeine Form von Heimatgefühl entwickelt. Es ist für mich nicht mehr als ein putziges Relikt aus längst vergangenen Zeiten, ein Museumsstück. Amüsant hinter einer Glasvitrine anzusehen, aber nichts, zu dem man irgendeine innere Beziehung herstellen kann. Ich jedenfalls brauche es nicht zum Glücklichsein.

Das alles, um jedes Mal hinterher resigniert festzustellen, dass ich gegen Wände redete. Dass da zwei Welten aufeinander prallten: Gefühlsgesülze kontra Fakten. Die Reaktionen der Frauen auf meinen Vortrag fielen, höflich formuliert, sehr abenteuerlich aus. Meine "spezielle Freundin" war geradezu maßlos enttäuscht: "Ach, da hat das gar nicht schon immer zu Thüringen gehört?????"
Ich dachte bloß: Und das ist aus genau welchen Gründen ein solch apokalyptisches Drama?
Mein Gott, Staatengebilde entstehen und vergehen, werden geteilt und wo angeschlossen – das sollte aus dem Geschichtsunterricht eigentlich hinlänglich bekannt sein. Und speziell die Landkarte von Deutschland sah in den vergangenen Jahrhunderten aus wie die Frontscheibe eines Autos, die ein Hooligan mit seinem Baseballschläger bearbeitet hat. Wieso steche ich ausgerechnet in ein solches Wespennest, wenn ich im Fall Thüringen davon berichte?
Oder auch wenn ich an die linksrheinischen Gebiete denke, die nach dem Bäumchen-wechsel-dich-Prinzip in der Geschichte mal zu Deutschland, mal zu Frankreich gehörten. Im Saarland haben wir eine ganz ähnliche Entwicklung. Mein Gott, die Menschen dort müssten aufgrund ihrer abenteuerlichen Geschichte ja in permanenter psychotherapeutischer Behandlung sein.
Sowie: Welchen Zeitraum umfasste bei ihr eigentlich das Wort "immer"? Seit der Reichsgründung 1871? Seit Karl dem Großen? Seit Jesus? Seit dem Urknall? Nur um das mal parametermäßig einzugrenzen. Ich weiß nicht, was für kitschtriefende Klischeevorstellungen von uralt-mystisch-geheimnisvoll diese Frauen bei dem Thema haben, sie haben jedenfalls mehr mit "Indiana Jones" oder "Der Herr der Ringe" zu tun als mit der nüchternen geschichtlichen Realität. Denn genau so wie ich es beschrieben habe, sehen die knallharten geschichtlichen Fakten nun einmal aus. So und nicht anders. Wenn die kapriziösen Damen davon eine Krise bekommen, dann kann ich es auch nicht ändern!!!!! Ich habe ja weiß Gott auch noch was anderes zu tun im Leben, als ständig nur auf Zehenspitzen um deren Launen herumzuschleichen!!!!!
Auch bei einer anderen Frau: maßlose Enttäuschung.
Wieder eine andere Frau: "Bei mir brechen ja Weltbilder zusammen!"
Bei abermals einer anderen Frau kam es richtig angstvoll aus der Pistole geschossen: "Aber jetzt werden sie es nicht mehr ändern!!!"
Hatte ich irgendetwas verpasst bezüglich eines bevorstehenden Endes der Geschichte? War der biblische Tag des Jüngsten Gerichtes in unmittelbare Nähe gerückt? Oder transformieren uns die reptiloiden Außerirdischen vom Sternbild Aldebaran demnächst auf eine höhere Bewusstseinsebene, wie von Esoterikerkreisen angekündigt?
Auf meine schüchtern vorgetragenen Einwände, dass ich darauf lieber kein Geld wetten würde, weil möglicherweise in 50 Jahren die Russen wiederkommen, oder weil es an den Randzonen des Bundeslandes mal irgendwelche Gebietstauschaktionen mit dem Nachbarland gibt, was in der Geschichte schon unzählige Male vorkam – noch 1992 sind in den Randlagen ein paar Gemeinden zu Sachsen abgewandert –, oder was weiß ich alles passieren kann, ging sie gar nicht ein. Das wollte sie gar nicht hören, das machte ihre heile Welt kaputt, das spürte ich richtig.
Ich werde interviewt von der Chefredakteurin einer Wiener Zeitschrift. (Die genauen Umstände tun mal nichts zur Sache.) Urplötzlich, nach einer thematisch völlig anderen Frage, kommt es plötzlich wie angeschossen ihr: "Sie kommen aus Thüringen?!" In irgendwie einer ganz merkwürdigen hysterischen Tonart. Seltsam.
Ich ließ durchblicken, dass mir dieser Thüringen-Schwachsinn langsam gewaltig auf den Senkel gehe und dass wir einfach mit der nächsten Frage weitermachen sollten.
Es ging mir in dieser Zeit mittlerweile mächtig gegen den Strich, dass die Frauen – und zu 99,99 Prozent waren es Frauen – sich immer wieder auf irgendeine Weise an den Umständen meiner Herkunft "aufgeilten". So langsam sollten wir doch mal zum Tagesgeschäft übergehen, dachte ich in dieser Zeitepoche etwas naiv. Langsam sollte das Thema mal ausdiskutiert sein. Aber mit Frauen in ihrer infantilen Rechthaberei ist NIE etwas ausdiskutiert! Du eilst beruflich von einem Erfolg zum anderen, kennst mit 20 schon die halbe niederösterreichische Landesregierung persönlich – aber alles, was diese Frauen – und es waren nur Frauen, die sich so verhielten – interessiert, ist irgendwelcher an den Haaren herbeigezogener Scheißdreck aus der Vergangenheit! Es kommt einmal ein Punkt, da KOTZT dich das an bis zum Mond!!!
Rein rechtlich gesehen konnte ich außerdem gar nicht aus Thüringen stammen, weil nämlich ein Bundesland namens Thüringen zum Zeitpunkt meiner Geburt als Rechtssubjekt gar nicht existierte! Geltendes Recht zu diesem Zeitpunkt war das "Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe in den Ländern der Deutschen Demokratischen Republik" vom 23. Juli 1952, welches eine Auflösung der Bundesländer und Umwandlung in Bezirke zum Inhalt hatte. Abgelöst erst durch das "Verfassungsgesetz zur Bildung von Ländern in der Deutschen Demokratischen Republik (Ländereinführungsgesetz)" vom 22. 07. 1990.
Juristisch korrekt müsste man daher formulieren: Ich hatte in Thüringen meinen gewöhnlichen Aufenthalt nach den Gesetzen der Bundesrepublik Deutschland während der Jahre 1990 bis 1992 inne. So und nicht anders gestaltete sich der juristische Sachverhalt. Aber damit hätte ich diese "Dame" geistig vollends überfordert.
Zuerst lachte sie mich auf eine sehr dummdämliche Weise aus. Dann wurde sie mit einem Male richtig aufbrausend: "Aber ich muss das schon bringen!!! Das Thüringen ist ja schließlich sehr bekannt!!!"
Ich dachte nur: Und wenn sie dieses absolut bedeutungslose Faktum nicht veröffentlicht, dann passiert genau was? Setzt dann das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz einen Auftragskiller auf sie an oder wie habe ich mir das vorzustellen?
Das Schärfste jedoch war eine Frau, die mir vorwarf, wie "kalt und gefühllos" ich von Thüringen spräche. Sie selbst hätte Bekannte, die dort schon öfters mal gewesen seien. "Mit was für einer Liebe die davon sprechen! Die suhlen sich fast darin!"
Mein erster Gedanke: Schweine suhlen sich halt in ihrer eigenen Scheiße. Das tun sie einfach.
Mein zweiter Gedanke: Soll ich mir ihrer Meinung nach einen runterholen, während ich meinen Geschichtsvortrag halte, oder wie stellt sie sich das vor?

Ich erklärte diesen Frauen auch, dass unsere Stadt nur einen Katzensprung von der sachsen-anhaltinischen Grenze entfernt lag. Eine halbe, Dreiviertelstunde Autofahrt bei guten Fahrverhältnissen und man war schon in Sachsen-Anhalt. Mir sind daher die Nachbarregionen dort zigmal vertrauter als der allergrößte Teil von Thüringen. Zigmal!
Schon von daher war ich es gewohnt, über den Tellerrand hinauszusehen und hatte niemals so eine verbohrte, vernagelte, kleinkarierte Einstellung, dass nur das eigene, kleine Bundesländchen das Zentrum des Universums ist.
Aber das wollten sie auch nicht hören. Ging links rein und rechts gleich wieder raus.

Ich erzählte, dass meine Großmutter aus dem Kernland des heutigen Sachsen-Anhalt stammt. Als meine
Mutter zur Welt kam, gehörte unsere Stadt politisch ebenfalls noch zu Sachsen-Anhalt. Und mein Vater kam wieder aus einer komplett anderen Ecke.
Also, einen "Ariernachweis" für das Bundesland Thüringen würde ich unter diesen Umständen schon einmal nicht besteh
en.
Wollten diese Damen aaaauuuuuuch nicht hören.


Einmal hatte ich während eines Heimweh-Verhörs erzählt, dass bei mir immer zwei Dinge prägend gewesen seien: der nächste größere Fluss in unserer Gegend, die Unstrut (Welche übrigens zur Hälfte in Sachsen-Anhalt und in Thüringen liegt.), sowie Mitteldeutschland, also das gesamte südliche Drittel der Ex-DDR.
Ich wurde daraufhin von einer Frau hysterisch angebrüllt, ich würde diese zwei Begriffe doch jetzt bloß deshalb einführen, um das Wort Thüringen nicht verwenden zu müssen, und das sei beides doch sowieso dasselbe wie Thüringen.
Mit Verlaub gesagt, auf die Idee, beispielsweise einen Katalanen anzubrüllen und zu beschimpfen, wenn er mir sagt, dass er sich mehr als Katalane denn als Spanier fühlt, käme ich in einer Milliarde Jahren nicht. Auch würde ich niemals einem Kurden vorschreiben wollen, ob er sich als Kurde, Türke oder Iraker fühlen soll.
Wenn du solche "Argumente", die einfach nur noch das Prädikat "hanebüchen" verdienen, die schon ein mitteldeutscher Grundschüler mit dem Heimatkundeunterrichtswissen der Zweiten Klasse widerlegen könnte, hinterher im Gehirn nachhallen lässt, dann zweifelst du im Ping-Pong-Verfahren wechselweise an deinem eigenen Verstand und dem deiner Gesprächspartnerin.
Ganz davon abgesehen hätte ich NIEMALS die Chuzpe, jemand von anderswoher über Verhältnisse in seinem eigenen Land belehren zu wollen. Denn ich weiß von MIR ganz genau: Wenn ich nicht mindestens drei Jahre vor Ort gelebt habe, kann nur irgendein megapeinlicher Scheiß dabei herauskommen. Darum halte ich zu einem Thema, bei dem ich mich nicht zu mindestens 80 Prozent wirklich trittfest fühle, lieber die Fresse. Ich denke bei solchen Situationen immer nur an das schöne, alte, jüdische Sprichwort: Warum haben wir zwei Ohren, aber nur einen Mund?
Weil wir doppelt soviel hören wie sagen sollen!

Das sind so die Augenblicke im Leben, in denen du nicht mehr weißt: Bist du jetzt plemplem im Kopf oder alle Anderen? Ist das nicht, auf Deutsch gesagt, so etwas von scheißegal, ob die Gegend Thüringen heißt oder Taka-Tuka-Land? Gibt es nicht weiß Gott wichtigere Themen im Leben? Als ich noch dort gelebt habe, war das für mich nie mehr als ein Abwasser-Zweckverband oder ein Postzustellgebiet. Es hat mich einfach nicht interessiert oder persönlich berührt, ob es so ein Ding namens Thüringen gibt. Und wenn die Politiker es genauso Knall und Fall wieder abgeschafft hätten, wie sie es eingeführt haben, dann hätte ich das nur sehr am Rande registriert. Darum verstehe ich bis heute nicht, warum diese Frauen einen derartigen Zinnober darum veranstalten. Ich verstehe nicht, warum das mit diesen Frauen jedes Mal so stark eskaliert ist, warum sich das immer gleich zu einem Drama entwickelt hat. Alles, was ich getan habe, war, dass ich versucht habe, auf ihre Fragen zu einhundert Prozent sachlich-korrekte Antworten zu geben, mit allen Informationen, die ich zu dem Thema für relevant halte. Diese Art zu denken und handeln war für mich im Leben immer ein guter Kompass gewesen. Weder wollte ich jemanden schulmeistern noch meine Meinung aufzwingen. Ich verstehe es nicht, ich verstehe es einfach nicht. Ich kapier's nicht.


* * * *

Noch eine Geschichte in dem Zusammenhang fiel mir ein. Diesmal mit "meiner speziellen Freundin" aus Retz.
Es war auf einer Feier. Ich erzählte im Schnelldurchgang, was ich so alles beruflich getrieben hatte, seitdem wir 1992 angekommen waren.
Meine "Freundin" hockte währenddessen auf ihrem Stuhl wie ein lauerndes Raubtier auf dem Sprung. Richtig hysterisch, wie angeschossen, kam es dann aus ihr heraus: "Aber es hat doch auch VIIIIIIIIELE Enttäuschungen gegeben?!"
Das Viele betonte sie richtig, zog es phonetisch richtig in die Länge.
Ich reagierte nicht darauf, weil ich überhaupt nicht wusste, was sie damit meinte, worauf sie hinaus wollte.
Danach wiederholte sie die Frage in derselben inquisitorischen Tonart noch bestimmt fünf Mal.
Ich konnte inzwischen längst nicht mehr mitzählen, wie oft ich während ihrer "KGB-Verhöre" zum Thema Heimat/Heimweh im Geiste bereits meine Hände an ihrer Kehle hatte und immer fester zudrückte, damit sie endlich ihr verfluchtes, beschissenes, dreckiges Maul hielt!!!!!!!!!!!
Und dann wundern sich einige Leute noch, warum bei einem im Leben mal ein Punkt kommt, ab dem man einfach keinen Bock mehr auf Sex mit Frauen hat!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Außerdem war es eine vollkommen idiotische Scheißfrage. Am Ende des Tages zählen nur die Erfolge, sonst nichts. Ohne größenwahnsinnig oder anmaßend klingen zu wollen: Interessiert sich heute noch irgendjemand ernsthaft für die Rückschläge und Pleiten von Archimedes, Johann Gutenberg, James Watt, Thomas Alva Edison, Nikola Tesla, Carl Benz, Gottfried Daimler, … Wird den Kindern in der Schule etwa beigebracht: James Watt ist der verhinderte Erfinder von …, von …, von …,
Es klingt vielleicht ein bisschen "gaga", aber ich bekomme bis zum heutigen Tag jedes Mal ziemlich heftige Panikattacken und Schweißausbrüche, wenn bei uns zuhause das Telefon klingelt, "sie" könnte am anderen Ende der Leitung sein und wieder irgendwelchen vollkommen geistesgestörten Schwachsinn erzählen. Umso mehr fällt mir dann ein Stein vom Herzen, wenn es tatsächlich Herr Weinheber von Bofrost ist, um mir mitzuteilen, dass er nicht um 15:00 Uhr, sondern um 16:00 Uhr kommt. Wenn du unter DEN WEIBERN noch normal bleibst – da bist du selber nicht mehr normal!

* * * *

Meine spezielle Freundin hatte damals in den Neunzigern in ihrer üblichen völlig respektlosen, dummfrechen Art wieder einmal wie ein Berserker in mir gebohrt, warum ich nach dem Bundesland Thüringen denn nicht vor Heimweh zerfließe.
Nun langte es mir doch einmal und ich polterte ziemlich heftig los, dass wir Hauptschüler von der Politik dort wie Untermenschen, wie Schwerstverbrecher, wie der letzte Dreck behandelt werden. Und dass ich diese Gossendrecks-Abschaums-Thüringer Landesregierung deshalb ungefähr so sehr wie Syphilis und Lepra vermisse. Dass es zwischen diesem Verbrecherpack in der Erfurter Regierung und mir einfach keine Gemeinsamkeiten gibt!
So hatte ich das wortwörtlich gebrüllt, als das Fass überlief. Die Nerven lagen zu dem Zeitpunkt auf beiden Seiten bereits sehr blank. Durch ihr vorangegangenes Verhör war die Sache völlig aus dem Ruder gelaufen, völlig eskaliert.
Ich hatte das mit Frauen von Jugend an immer wieder erlebt. Auch wenn sie merken, dass dich ein Thema ankotzt, triezen und piesacken sie dich immer weiter damit. Solange, bis du mal auf eine spektakuläre Weise explodierst. Dass da vielleicht deine Gesundheit darunter leidet, zum Beispiel in Form von Schlafstörungen, Alpträumen, Herz-Kreislauf-Problemen und Ähnlichem, 20 Jahre lang ununterbrochen verschiedene Ohrwürmer im Kopf haben, bis hin zu epileptischen Anfällen, wenn du dich immer wieder derart echauffierst, interessiert diese "Damen" nicht die Bohne.
Ein emotionaler Ausbruch war die Folge!!!!!!!!!!! Neiiiiiiin, wie könne ich nur so negativ über Thüringen sprechen! So schlecht könne es doch nun wirklich nicht sein.
Gnädig "vergaben" mir ihre Hochwohlgeboren dann noch, dass ich es wagte, eine eigene Meinung zu haben, indem sie in sehr abschätziger Tonart sprach: "Na ja, selber sieht man seine Gegend halt immer übertrieben kritisch."
Spontan dachte ich: Diese anmaßende, großkotzige Person ist ja auch eine ausgewiesene Expertin in Sachen Thüringen. SIE hat ja Jahrzehnte dort gelebt, kann also die Verhältnisse dort sehr profund und aus erster Hand beurteilen. Hm.
Hinterher stellte ich mir im Stillen eine ganz simple Frage: Wenn sie an meiner Sicht der Dinge von vornherein DEFINITIV NICHT INTERESSIERT IST, warum tyrannisiert sie mich dann? Warum tyrannisiert sie mich dann immer wieder? Braucht sie bloß einen Papagei, der ihre Weisheiten nachplappert?

Ich erlebte es immer wieder, dass diese Frauen meine Kritik am dort herrschenden Anti-Hauptschüler-Apartheidsystem im Bundesland Thürficken mit einem generellen Hass auf jeden Stock und jeden Stein in dieser Gegend gleichsetzten. So kam immer wieder der Vorwurf, dass doch nicht alles an Thüringen schlecht sein könne.
Ich hatte das nie so gesagt, und wer etwas Anderes behauptet, der lügt. Manchmal hatte ich das Gefühl, diese Frauen legten es geradezu darauf an, mich falsch zu verstehen, um möglichst lange und ausgiebig mit mir herumstreiten zu können. Alternatives Erklärungsmodell: simple Blödheit.
Beispielsweise im Zusammenhang mit Mutters Ausstellung war das der Fall. Anlässlich der 1225-Jahr-Feier unserer Stadt in Deutschland hatte ich für Mutter eine Ausstellung mit Kastanienberg-Motiven im dortigen Heimatmuseum organisiert. Die Hängung zu guter Letzt übernahm ein lokaler Verein vor Ort, den ganzen Rest, das Organisatorische, Grafische, Technische, hatte im Großen und Ganzen ich erledigt. Und auch das Finanzielle haben Mutter und ich von unserem gemeinsamen Familienkonto bestritten, das sei auch mal so ganz nebenbei erwähnt.
Die Sache wurde ein RIESENerfolg. Die Ausstellung kam bei der Bevölkerung sehr, sehr, sehr gut an; auch in der regionalen Presse gab es etliche positive Niederschläge. Ohne größenwahnsinnig klingen zu wollen, konnte man behaupten, dass wir ein Stück Ortsgeschichte mitgeschrieben hatten.
Genauso erzählte ich das auch meiner "speziellen Freundin". Als Mann bist du nun einmal einfach und unkompliziert. Wenn du im Leben einen Ball durch die gegnerischen Linien bringst und pfeilgenau im Tor versenkst, dann freust du dich einfach! Und entwickelst nicht im selben Atemzug hundertfünfzig schräge Hintergedanken.
Nicht so jedoch meine spezielle Freundin. SIEGESSICHER strahlte sie übers ganze Gesicht. Dann kam es von ihr in einer richtigen Ha-ertappt-Tonlage: "Also ist das Eigene doch nicht alles schlecht!"
Dafür hätte ich der alten Dreckfotze schon wieder links und rechts eine in die Fresse hauen können, dass sie in der hintersten Zimmerecke gelandet wäre.
Ich tat es nicht. Stattdessen stellte ich betont sachlich wieder einmal richtig, dass ich das nie so gesagt habe. Und dass jeder, der etwas Anderes behauptet, lügt.
Wenn die wüsste, wie sehr bei Mutters Kastanienberg-Zeichnungen auch im Internet, wo ich sie ebenfalls veröffentlicht habe, die Zugriffszahlen explodierten, dann würde dieses kranke Weibsstück vollends überschnappen.
Und noch ein drittes Projekt gab es zu diesem Thema. Der nach Meinung des Thüringer Bildungsministeriums geistig auf dem Niveau eines dreijährigen Mongoloiden stehen gebliebene ehemalige Hauptschüler Christoph Altrogge – um an dieser Stelle gleich dem zweiten großen Feindbild seines Lebens seinen abgrundtiefen Hass und seine abgrundtiefe Verachtung wissen zu lassen – hatte die Fotobuch-Software eines sehr bekannten Anbieters aus dem Internet auf seinen Rechner heruntergeladen, diese im Nullkommanichts im Selbststudium erlernt. Er lud unzählige künstlerische Zeichungen seiner Mutter von der Stadt seiner Kindheit hoch, verfasste selbst eine kleine heimatgeschichtliche Abhandlung über die Stadt, wie sie seines Wissens nach noch nicht existierte. Heraus kam ein recht schönes heimatgeschichtliches Buch, das dort in der Stadt EINSCHLUG WIE EINE BOMBE!!!!!
Auch hier: Gut, dass diese Frauen nicht davon wissen, sonst wäre Achterbahn! Sonst würden die mit mir Schlitten fahren!!!!!
Den Vogel mit dieser Relativiererei abgeschossen hatte mal, wer wohl, ebenfalls meine spezielle Freundin. Sie fragte mich eines Tages ganz vertrauenswürdig, was es in Erfurt und Umgebung denn so alles für Sehenswürdigkeiten gäbe.
Ich freute mich sehr über dieses plötzlich erwachte touristische Interesse! Ich war immer gern bereit, als kultureller Botschafter meiner Herkunftsgegend zu wirken.
Na gut, ich jung und dumm und noch nichts von weiblicher Verschlagenheit ahnend, fange an aufzuzählen: In Erfurt den egapark, eine riesige Dauergartenbauausstellung. Der Dom. Die Krämerbrücke, die längste bebaute Brücke Europas. Der Tierpark.
In Weimar das Deutsche Nationaltheater mit dem Goethe- und Schiller-Denkmal davor. Das Goethe-Haus. Das Schiller-Haus. Die Innenstadt überhaupt. Das Stadtschloss. Goethes Gartenhaus. Der Schlosspark Tiefurt. Der Belvedere-Park. Das Albert-Schweitzer-Haus. Das Kirms-Krakow-Haus mit seinen historischen Möbeln aus der Zeit der Industriellen Revolution.
Als ich fertig war, kam die große Ernüchterung. Meine spezielle Freundin ließ die Katze aus dem Sack, indem sie mir mitteilte, dass sie mir mit dieser Frage entlocken wollte, "dass an Thüringen doch ein gutes Haar zu finden sei", wie sie es wortwörtlich formulierte.
Kein kulturelles Interesse. Eine ganz gewöhnliche weibliche Manipulation. In die ich reingetreten war wie in einen Riesenhaufen Kuhscheiße. Und da wundern sich manche Frauen noch, warum viele Männer es vorziehen, auf Gespräche mit ihnen zu verzichten, bei soviel Hinterhältigkeit.

Es war nicht das erste Mal, dass ich es erlebte, dass diese Frauen zunächst mit einer harmlos wirkenden Frage ankamen, um gleich darauf so richtig stinkig und kreblig zu werden.
Eine andere Heimweh-Frau, auch so eine böse, alte Frau wie meine "spezielle Freundin", fragte mich mal in einem Café nach einer Veranstaltung, aus welcher Gegend wir genau stammen. Sie hätte angeblich gestern mit einer Bekannten über uns gesprochen und da wusste sie das nicht.
"Aus der Nähe von Weimar", gab ich zur Antwort, und gleichzeitig dachte ich: Mein Gott, das habe ich dir in den letzten Jahren doch schon hundert Mal erzählt, du selten dämliche Trine. Weimar ist doch nun wirklich nicht irgendein lausiges Kuhdorf am Ende der Welt.
Aber gleich darauf wurde deutlich, woher der Wind wehte. Die scheinbar unverfängliche Frage war nämlich nur der Opener für ein weiteres halbstündiges KGB-Verhör, ob ich nicht doch vielleicht Heimweh habe.
Ich hätte nicht übel Lust gehabt, ihren Kopf zu packen und so richtig gegen die Wand hinter ihr zu donnern, ihr mal so richtig die Dummheit aus dem Schädel zu schütteln.

* * * *


Einmal hatte ich mit einer Frau beruflich zu tun und sah sie im Zuge dessen so ungefähr alle vier bis sechs Wochen.
Während unserer ersten Begegnung hatte sie mich mit lauernd-verschlagenem Gesichtsausdruck gefragt, ob ich aus Thüringen stamme.
Ich beschloss, hier mal eine neue Methode auszuprobieren, die Frauen davon abzuhalten, in meiner Vergangenheit herumzuschnüffeln – indem ich mich einfach blöd stellte.
Ich tat daher einfach so, als hätte ich das Wort "Thüringen" in dem Augenblick zum ersten Mal gehört. Meine Überlegung war die, dass ich ja nun weiß Gott nicht über alles Bescheid wissen kann, was in Deutschland so vor sich geht, und das nichts Tragisches wäre.
In ihrer großkotzigen und anmaßenden Art gab sie mir, als wir uns verabschiedeten, gleichsam als "Hausaufgabe" bis zum nächsten Mal auf, mich bei meiner Mutter nach Thüringen zu erkundigen.
Ungelogen – bei JEDEM unserer Treffen bohrte sie auf ungeduldige Weise nach, ob ich mich schon nach Thüringen erkundigt hätte. J E D E S M A L!!!
Das ging ein halbes Jahr so!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Da weißt du wirklich nicht mehr: Hast du selber einen Programmfehler auf der Festplatte oder alle Anderen?
Irgendwann explodierte ich mal und fuhr sie ziemlich ruppig an, dass sie mir mit dem Scheiß-Thema nicht länger auf die Nerven gehen solle!!!!!!
Da gestand sie mir, sie habe deshalb damit begonnen, mich so sehr mit dem Thüringen-Thema zu löchern, weil ihr aufgefallen sei, dass ich unsicher mit den Augen geblinzelt habe, als sie mich das erste Mal mit dem Wort Thüringen konfrontierte. Das habe ihre Neugier erst so richtig angestachelt.
Wie kann man nur ein so böses, widerliches, gemeines Stück Scheiße sein!


* * * *

Ich hatte für meine Abteilung religiöser Bücher zuhause in Antiquariaten versehentlich zweimal dasselbe Buch über die Hl. Elisabeth gekauft. Als ich das daheim bemerkte, fragte ich meine "Freundin", ob sie das überschüssige Exemplar haben wolle, da ich wusste, dass sie auch christliche Bücher sammelte.
Oooooooh, das war ein Fehler! Als sie entdeckt hatte, dass es sich hierbei um die Landesheilige von Thüringen handelte, starrte sie mich bei unserer nächsten Zusammenkunft mit riesigen, geweiteten Augen wirklich wie eine Geistesgestörte an und gab einen solchen Schwall an heimatgefühligen Verrücktheiten von sich, wie ich es in dieser Intensität noch nie bei ihr erlebt hatte.

* * * *

Die krasseste Aussage, die meine "Freundin" im Zusammenhang mit der Thüringen-Thematik mir gegenüber jemals tätigte, lautete: "Aber ich könnte mir schon vorstellen, dass das Thüringen eine schöne Gegend ist!" Und das in einer fast schon weinerlichen Tonlage.
Diese Aussage hatte in ihrer vollkommenen Sinnlosigkeit beinahe schon etwas Dadaistisches an sich. Man sollte sie einem Kunstprofessor bekannt machen, damit sie der Nachwelt erhalten wird. Ich fühlte mich in ihrer Sinnfreiheit spontan an diesen beliebten Achtziger-Jahre-Nonsens-Satz "Nachts ist es kälter als draußen, weil ich so schlecht riechen kann, wie laut es geknallt hat" erinnert. Da verrenkt sich einfach nur dein Gehirn, wenn du so etwas hörst.
Nachdem ich mich erst einmal halbwegs davon erholt hatte, klärte ich sie auf, dass Thüringen nicht eine Gegend sei, sondern aus zahlreichen Gegenden besteht. Was ja an sich auch ganz logisch ist. In Niederösterreich latscht ja auch nicht von der oberösterreichischen bis zur burgenländischen Grenze eine einzige Sorte ferngesteuerter Borg-Androiden durch die Landschaft.
Und was den Teil mit der Schönheit betraf, so forderte ich sie auf, mir eine wissenschaftlich exakte Definition für "eine schöne Gegend" zu liefern. Anders sei es mir unmöglich, auf ihre Aussage einzugehen. Ich versuchte einfach, ihr die objektiven Schwierigkeiten klar zu machen, die bei der Quantifizierung dessen, was als "schöne Gegend" empfunden wird, entstünden.
Um das Ganze mit Praxisbeispielen zu unterlegen: Für manche Menschen ist es die Erfüllung ihres Lebens, einmal eine Trekking-Tour durch die Sahara zu unternehmen oder einmal auf einem Bike über die Route 66 zu brettern. Würde mich beides nun nicht unbedingt vom Hocker reißen, aber Manche würden dafür das Vaterland verraten. Woher also bitteschön sollte ich erraten oder hellsehen, was sie alles unter dem Begriff "schöne Gegend" subsummiert?
Der Virenalarm auf meiner Festplatte im Kopf brüllte währenddessen bereits aufgrund dieser massiven Hackerattacke mit derart viel geistiger Malware … Diese Frau war ein intellektueller DDoS-Angriff ...

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Damals in den Neunzigern war mal eine der Heimweh-Frauen bei uns in der Wohnung. Zu ALLEM gab sie ihren Heimweh-Senf dazu: zu den riesigen Weimar-Postern an der Wand, zu den Kunstpostern von Karl Schmidt-Rottluff und Gottfried Schüler, zu der historischen Grafik vom Kastanienberger Marktplatz, die ich von meiner Großmutter geerbt habe, zu der Luftaufnahme von Kastanienberg, zu den beiden Sandmännchenfiguren aus alten DDR-Zeiten auf unserem Fernseher …
Wenn sich jemand solchermaßen dummfrech-anmaßend in dein Leben einmischt, dir quasi alles zum Vorwurf macht, sodass du dich für jeden Scheißdreck rechtfertigen musst, da entwickelst du derart gewalttätige Phantasien, bei denen du früher nie gedacht hättest, dass du zu ihnen in der Lage bist …

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Da ich auf Presseterminen öfters mal gefragt wurde, von wo ich herkomme, und das erfahrungsgemäß aufgrund der mangelnden geografischen Insiderkenntnisse des Gegenübers mitunter etwas schwierig zu erklären ist, hatte ich mal von einer alten DDR-Landkarte eine DIN-A-4-Kopie von dem Teil angefertigt, auf dem Kastanienberg lag. Die Kopie trug ich in einer Klarsichthülle in meiner Pressetasche stets bei mir.
Gut. Es ist wieder mal eine Situation, in der ich die Kopie heraushole und meine Erläuterungen dazu abgebe. "Meine spezielle Freundin" sitzt zufällig mit am Tisch, schräg gegenüber. Ihr Kommentar zu der Kopie war, dass ich das bestimmt deshalb mache, damit ich die Heimat stets bei mir habe!
Ich ziehe daraufhin wortlos die Kopie aus der Folie, zerknülle sie und werfe sie mit genervtem Gesichtsausdruck hinter mich. Wieder eine tolle Idee, die mir diese Weiber kaputt gemacht haben.

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Ich zeige ihr Bilder von Kastanienberg, das ergab sich irgendwie so, weil ich die zufällig gerade zur Hand hatte. Auf einer der Aufnahmen ist der Kastanienberger Sportplatz zu sehen. Ich erwähne beiläufig, dass ich dort 1989 einen für meine Verhältnisse ziemlich beachtlichen sportlichen Erfolg erzielt habe. Spontan kommt es wie aus der Pistole geschossen: "Doch ein bisschen Heimweh!" Und das dazu auch in einem sehr arroganten, siegessicheren Tonfall.

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Die Absenker unseres Goethe-Bäumchens daheim wachsen wie Unkraut. Da ich weiß, dass diese Person Pflanzen sammelt, komme ich auf die Idee, ihr einen der Blumentöpfe mit der inzwischen in die Höhe geschossenen Nachwuchspflanze zu schenken. Ich gehe also zu ihr nach Hause und überbringe ihr den Topf samt Pflanze. Ich erkläre die kulturhistorische Bedeutung dieser ursprünglich aus Indien stammenden Pflanze. Dass sie von Goethe persönlich in Weimar etabliert wurde und deswegen dort heute noch so eine Art Statuspflanze der Intellektuellen ist.
Die erste Reaktion von ihr darauf war kein Dankeschön, sondern: "Ist es doch die Heimat?"
Am liebsten hätte ich ihr den Blumentopf vor die Füße geknallt und wortlos das Haus verlassen.

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In einem ziemlich weitschweifigen Zusammenhang kommt es auf die deutsche Stadt Weißensee zu sprechen, die relativ in meiner Nähe lag. Ich erwähne, dass es in der Stadt ein sehr sehenswertes Milchmuseum gibt, in dem auf anschauliche Weise die Geschichte der regionalen Milch- und Milcherzeugnisse-Produktion dokumentiert wird.
"Ist es doch die Heimat?"

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Ich zeige ihr Bilder vom Staudenbereich unseres ehemaligen Gartens, den Mutter und ich zwischen 1990 und 1992 gestaltet hatten. Erste Reaktion: "Bei sooo einem schönen Garten – hast du da nicht doch ein bisschen Heimweh?"

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In der Retzer Volkshochschule findet ein Diavortrag über Weimar statt. Ich gehe hin.
Die Veranstaltung ist zu Ende, und – will's der Teufel – unten im Freien laufe ich ausgerechnet "ihr" in die Arme.
Nachdem sie realisiert hatte, auf welchem Vortrag ich gewesen war, nahm ihr Gesicht wieder den typischen psychopathischen Ausdruck an, den ich von ihren Heimweh-Attacken bereits kannte. Mehr noch, ihre ganze Körperhaltung bekam etwas Gieriges, Lauerndes, wie ein wildes Tier vor dem Ansetzen zum Sprung auf die Beute, als sie mich fragte: "Und? Hat es Erinnerungen ausgelöst?"
Ich reagierte nicht, da mir das Thema mittlerweile einfach zu bescheuert geworden war.
Sie hakte noch einmal nach, dabei noch lauernder und verschlagener wirkend: "Und? Hat es Erinnerungen ausgelöst?"
Für den Auftritt hätte ich ihr schon wieder links und rechts eine in die Fresse hauen können.
Ich verabschiedete mich danach einfach von ihr und ließ sie stehen. Ich dachte nur noch: Muss man sich vor diesen Stasi-Weibern denn schon dafür rechtfertigen, auf welche Kulturveranstaltungen man in seiner Freizeit geht?

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Wir sind zusammen drüben in Znaim. Auf der Straße fährt ein W 50 vorüber. Ich schreie begeistert: "Daaa – ein W 50! Altes DDR-Fabrikat!"
"Ist es doch die Heimat?"
Hallooooooooo? Bitte was hat das mit Heimweh oder Heimat zu tun? Ich habe mich in dem Moment einfach nur gefreut, ein historisches Fahrzeug gesehen zu haben, für das ich schwärme. Ist es denn so ungewöhnlich, irgendwelche Hobbys zu haben?

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Am letzten Tag vor meiner Deutschlandreise 1997 ist sie am Nachmittag bei uns zuhause, weil sie pressemäßig etwas von mir will. Sie bemerkt die Reisetaschenpack-Aktivitäten bei uns in der Stube. Ich erkläre ihr das mit der Deutschlandreise.
S O F O R T   kommt es wie aus der Pistole geschossen: "Ist es doch die Heimat?" Und dies in so einem eigenartigen Tonfall, der irgendwie eine Mischung aus pseudo-verständnisvoll und purer Siegesgewissheit war. DA WAR ICH GLEICH WIEDER AUF 180!!!

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Über Umwege hatte meine "spezielle Freundin" mal von meinem Internet-Projekt, dem "Kindheitslexikon", erfahren. Wie der Name schon andeutet, verfasste ich da lexikalisch zu den verschiedensten Schlagworten meiner Kindheit Beiträge. Einige waren rein heimatgeschichtliche Texte über die Kirchen, das Rathaus, das Kino, die Post, den Bahnhof … unserer Stadt. Andere wiederum waren etwas persönlicher gehalten, etwa die Schulerinnerungen, welche Bücher ich als Kind gelesen hatte, welche Spielzeuge ich besaß.
Damals war das noch Zukunftsmusik, dass ich das alles mal ins Internet bringe, heute ist es schon zu einem großen Teil verwirklicht.
Jedenfalls als sie davon erfuhr, lautete ihre erste spontane Reaktion, dass ich das als "Therapie" mache.
Ich grüble bis zum heutigen Tag darüber, welchen therapeutischen Nutzen genau die Tarife der Deutschen Post der DDR sowie die Übersichten zu den Postleitzahlen im Großdeutschen Reich beim Kapitel "Post" haben ...

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Lästig wurde mit der Zeit ebenso, dass eine Radiomoderatorin in einem weltweit ausgestrahlten Wiener Sender, zu dem Mutter damals Kontakt hatte, jedes Mal, wenn sie uns erwähnte, es immer so überbetonte, dass die Familie Altrogge ursprünglich aus "Thüüüüüüüringen" stamme, aus "Thüüüüüüüüüringen" übersiedelt sei, auch von dem "Thüüüüüüringer Christoph Altrogge" war ein paar Mal die Rede.
Es hatte etwas ausgesprochen Zwangsneurotisches an sich.
Ich dachte oft: Langsam dürfte sich die weltbewegende Tatsache, dass die Familie Altrogge aus Thüüüüüüüringen kommt, doch bis ins hinterletzte Eskimodorf herumgesprochen haben. Langsam kann sie es doch wirklich mal stecken lassen.

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Das verrückteste Wort, das ich von diesen Frauen im Zusammenhang mit dem Thüringen-Thema jemals gehört habe, lautet "Identitätsangebot". Na ja, wenn sie meinen …
Als ich das damals hörte, wusste ich nicht, ob ich vielleicht gerade auf Drogen war, oder ob ich Drogen nehmen sollte, um soviel Schwachsinn besser zu verkraften.
Mir ist ein Paket Wurst aus Mitteldeutschland lieber als ein
I d e n t i t ä t s a n g e b o t, was in Gottes Namen dieses Wort auch immer zu bedeuten hat.

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Ich stellte mir manchmal vor, ich würde haargenau dieselbe Thüringen-Show beispielsweise mit einem Ungarn abziehen. Ich stellte mir vor, ich würde immer wieder auf ihn zukommen, ihn mit riesengroßen Augen anstarren und logisch nicht nachvollziehbare Sätze lallen, in denen es gebetsmühlenartig immer wieder hieße: "Das Komitat Soundso, das Komitat Soundso, das Komitat Soundso, …"
Zunächst würde er mich wahrscheinlich fragen, ob ich den Tokajer nicht vertragen habe. Aber irgendwann würde er dann mal völlig verständlicherweise sein Handy rausholen und die Klapsmühle anrufen!

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Ich hatte damals während der "Heimwehzeit" weiß Gott genug zu tun. Die Handelsakademie ist eine Schulform mit einem sehr, sehr, sehr hohen Niveau. Das beweist unter anderem die hohe Aussteigerrate nach dem ersten Schuljahr. Und daneben hatte ich noch die Zeitung. Was jedoch von der Warte her unabdingbar war, weil ich ansonsten im Maschinenschreibunterricht wahrscheinlich dreimal sitzen geblieben wäre. Einzig der Job bei der Zeitung hatte mir damals den Hals gerettet, sonst hätte ich verdammt alt ausgesehen.
Und auch ganz allgemein hielt ich es für sinnvoll und vernünftig, sich neben dem Schulunterrichtsstoff noch eine ganze Reihe weiterer Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen; wie wenig man sich im Leben auf andere Menschen verlassen kann, war mir spätestens unter dem Thüringer Bildungswesen-Abschaum ultimativ klar geworden.
Außerdem war unsere Zeitung damals gerade im Aufbau, ich war ab der dritten, vierten, irgendwas in der Drehe, Ausgabe dabei. Was für eine Verantwortung das bedeutet, ein neues Unternehmen am Markt zu etablieren, kann keiner beurteilen, der nicht selber schon mal daran beteiligt war.
In einem Satz zusammengefasst: Ich war also bis einen Zentimeter unter dem Eichstrich ausgebucht. Noch mehr auf die Schultern packen GING NICHT! Und in dieser Situation kamen nun auch noch diese emotionalen Parasitinnen daher, um einen bis auf den letzten Blutstropfen auszusaugen. Um ihre Silotürme voll Scheiße aus ihren Hirnen in meins auszukippen. Sowas geht ein Weilchen gut. Aber irgendwann fängst du an, von der Substanz zu leben. Irgendwann geht es kräftemäßig ans Eingemachte. Vor allem, wenn du mit 16 deinen ersten gesundheitlichen Totalzusammenbruch gehabt hast, dann ist das ein Warnschuss vor den Bug, fortan mit der Gesundheit zu haushalten. Unter den Umständen war das Verhalten dieser Frauen körperlicher Raubbau an mir, der schon ins Verbrecherische ging!

Paradox jedoch: Umgekehrt kam ausgerechnet von meiner "speziellen Freundin" immer wieder der Spruch: "Ja, du verstehst es eben, auch die kleinen Dinge zu schätzen, zu würdigen." Beziehungsweise nannte sie mich auch immer wieder einen Lebenskünstler.
Oder ihr lachender Ausruf, als sie mich einmal auf einem Videofilm sah: "Der Christoph! Freut sich voll über den Kaffee!" Was die mit ihren zwangsneurotischen Stasi-NSA-Gehirnen alles registrieren! Mein Gott, als normal entwickelter Mann lebst du einfach nur dein Leben.
Unvergessen in dem Zusammenhang auch ihr spektakulärer Auftritt vor dem INTERSPAR. Ich hatte gerade einen Einkaufswagen aus der Überdachung geholt und bewegte mich damit in Richtung Ladeneingang. Da tauchte sie vor mir auf. Sie, wie immer melodramatisch, ganz große Oper, begrüßt mich mit den Worten: "Ach, könnte ich doch auch nur so unbeschwert in den Frühling marschieren wie der Christoph Altrogge!!!"
Häää? Ich trug gerade die karge Rente meiner Mutter in den Supermarkt, um davon ganz normale Lebensmittel im Niedrigpreissegment zu kaufen. Wer darauf neidisch ist, hat wirklich nicht mehr alle Latten am Zaun. Diese Frau lebte in einem Paralleluniversum, in dem unsere Gesetze von Raum und Zeit nicht galten.
Auch über diese Seite meiner "Freundin" konnte ich nur den Kopf schütteln. Da steckte nämlich überhaupt kein Zauberkunststück dahinter. Ich erledige das, was zu tun ist, und das in aller Ruhe, und immer eines nach dem anderen. Und danach lehne ich mich zurück und mache mein eigenes Ding. Soweit, so vollkommen unspektakulär. Aber für Frauen muss ja immer alles kompliziert und ein Drama sein, jede quietschende WC-Tür wird zur altgriechischen Tragödie empor stilisiert.

Und außerdem: Wenn ich mir die verkorksten, desolaten, zerrütteten Familienverhältnisse etlicher dieser Frauen so ansah, dann hätten die aber mehr als Grund genug, erst einmal vor der eigenen Haustür zu kehren, bevor sie tyrannisch in "Das Leben der Anderen" hineinregieren. Eine laaaaaaaaaange Trümmerspur zog sich bereits durch deren eigene Leben, und nun wollten sie anderswo weitermachen mit Zertrümmern. Aber nicht mit mir!

Wahrscheinlich klingt es sehr "crazy", aber manchmal war ich von diesen KGB-Verhören nervlich schon so am Ende, dass ich zuhause, wenn es keiner sah, als Stressabbau vollkommen idiotische Lieder zu singen begann. Etwa auf die Melodie von "Brown Girl In The Ring": "Scheeeeeiiiiiß-Thüringen, Schaaaaalalalala, Scheeeeeiiiiiß-Thüringen, Schaaaaaaa-lalalalalala …" Oder auf die Melodie der DDR-Nationalhymne: "Scheiß-Thüringen, Drecks-Thüringen, böses, dummes Thüringen …"
Und da wundern sich immer noch einige Menschen, warum ich einfach keinen Bock darauf habe, Frauen zu vögeln!!!!!! Das wäre ja ungefähr so, als würde man den als geheilt aus der Anstalt entlassenen Norman Bates zu einem Schäferstündchen mit seiner Frau Mama überreden wollen!!!!!!!!!!

Zwei Aussagen zu dem Thema, mit denen ich konform gehen kann, kamen von männlichen Politikern.
Eine von einem Wiener SPÖ-Politiker: "Das, was früher war, zählt nicht mehr – das Interessante ist die Zukunft!"
Auch der österreichische Außenminister Sebastian Kurz, in dessen Händen auch die Integrationsagenden auf Bundesebene lagen, sah die Sache sehr locker und entspannt. In Interviews zu dem Thema sagte er sinngemäß immer wieder: Wenn man im Land leben wolle, gäbe es natürlich eine ganze Reihe von Gesetzen und allgemeinen Werten, die nicht verhandelbar seien. Was man jedoch darüber hinaus daheim in seinen eigenen vier Wänden von der Kultur seines Heimatlandes weiter pflege, das sei jedem seine Privatangelegenheit. –
Es grenzt ja wirklich schon in höchstem Maße an Geistesgestörtheit, wegen einer harmlosen Grafik an der Wand, die nun zuuuuufällig den Marktplatz der Stadt zeigt, in der ich aufgewachsen bin, einen Riesenaufstand zu machen, als hätte ich versucht, einen terroristischen Anschlag mit hunderten potenziellen Toten auszuführen! Es ist eine Posse!!!!!!!!!!!!!!
Und nach all diesem zermürbenden Kleinkrieg wundern sich immer noch einige Menschen, wenn ich sage, dass ich im Leben mit Frauen einfach nichts mehr zu tun haben möchte, dass ich vor denen nur noch meine Ruhe haben will.

Natürlich, ich …
… freue mich jeden Abend auf die Regionalnachrichten im MDR-Fernsehen;
… habe die Wände unserer Wohnung mit kulturgeschichtlichen Postern aus Mitteldeutsch-
     land zutapeziert;
… verpasse, obwohl ich sonst eigentlich kein Klassik-Freak bin, kein einziges klassisches
     Konzert aus Dresden, Leipzig oder Halle, das im MDR übertragen wird;
… bestelle per Webshop regelmäßig Fresspakete aus Mitteldeutschland;
… lasse mir zum Geburtstag und zu Weihnachten immer Literatur über die DDR und Mittel-
     deutschland schenken, damit liegt man bei mir immer richtig, ich lese wirklich sehr, sehr,
     sehr gern darin;
… lege in der Vorweihnachtszeit jeden Abend CD's mit adventlichen Liedern aus Mittel-
     deutschland ein und zünde Kerzen dazu an;
… schreibe in meiner Freizeit mit Begeisterung geschichtliche Texte über Mitteldeutschland
     und die DDR, welche ich dann im Internet veröffentliche. Da ist inzwischen schon ein
     richtig sattes Archiv zustande gekommen.
Und nun kommt das ganz große ABER: Den Weibern gegenüber muss ich mich dafür einen dreimal verfluchten Scheißdreck rechtfertigen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Und das hat auch alles nichts mit Heimweh zu tun, denn alles, was mit Psychologie, Gefühlen und Emotionen zu tun hat, ist für mich eine Mixtur aus Scheiße, Pisse, Wichse, Kotze, Rotz und Menstruationsausfluss! Ich hasse es wie die Pest und Auschwitz zusammen!!!!!!!!!!!!!!!!!
ICH HASSE ES!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
IN DIE HÖLLE MIT DEM GANZEN SAUDUMMEN GEFÜHLSSCHEISSDRECK!!!!!!!!!!
IN DIE HÖLLE DAMIT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Nun ist es raus, in dieser Deutlichkeit musste es mal gesagt werden.
Da ich nun einmal einfach und unkompliziert bin und nicht aus jedem belanglosen Scheißdreck im Alltag gleich eine neue weltpolitische Krise im Nahen Osten mache, komme ich nun einmal von mir aus einfach nicht auf die Idee, da überall ein Etikett mit der Aufschrift "Heimweh" draufzukleben. Auf so eine Idee komme ich nicht!!!!! Das ist für mich einfach an den Haaren herbeigezogener Scheißdreck.

Vor vielen Jahren hatte ich mal damit begonnen, diesen Thüringen-Heimat-Heimweh-Spuk der Wohlstandsfrauen in zwei bizarre, kafkaeske Fantasy-Geschichten zu verpacken. Mir ging es in der Hinsicht so wie Äns mit seinen Science-Fiction-Geschichten vom Saturn, über die er mir mal erzählte: "Immer, wenn es mir besonders schlecht geht, sprudelt der Schwachsinn nur so!" Andere Menschen fangen an, bescheuerte Lieder zu singen.
Viel mehr als die Schlussszenen war mir damals jedoch nicht eingefallen.
Die erste spielte im Wilden Westen. Ein Saloon. Ich stehe allein an der Bar, trinke einen Whiskey.
Hinter mir an den Tischen befinden sich die Dalton-Brüder, Billy the Kid und Jesse James.
Plötzlich kommt ein unbekannter Cowboy zur Flügeltür herein. Er ruft mich von hinten: "He, Thüringer!"
Der Barkeeper erstarrte vor Angst. Jeder in diesem Teil des Westens wusste, dass es tödliche Konsequenzen hatte, mich so zu nennen.
Gleich darauf ergriff er so schnell die Flucht, dass das Whiskeyglas, das er eben noch in der Hand hielt, noch eine ganze Weile in der Luft stehen blieb, bevor es zu Boden fiel und klirrend in tausend Scherben zersprang.
Der Anführer der Dalton-Bande meinte daraufhin mit unsicherer Stimme zu seinen Spießgesellen: "Sagt mal, Jungs, wollten wir jetzt nicht die Postkutsche ausrauben?"
Vorsichtig erheben sich alle vier von ihren Stühlen und schleichen auf leisen Sohlen in Richtung Ausgang.
Sie waren kaum draußen, da erhob sich auch Billy the Kid und sagte in den Raum hinein: "Da fällt mir ein, ich habe meiner Mutter versprochen, ihr heute beim Wäscheaufhängen zu helfen."
Auf leisen Sohlen schlich auch er in Richtung Flügeltür. Gleich darauf war von ihm nichts mehr zu sehen.
Nun war bloß noch Jesse James übrig. Mit dem Rücken zur Straßenseite des Saloons schlich er wie seine Vorgänger zur Flügeltür. Dort angekommen, stotterte er unsicher: "Äh, ich habe heute auch noch irgendetwas vor."
Fort war er.
Am nächsten Tag fand man in einem Canyon die schrecklich entstellte Leiche des unbekannten Maulhelden.

Das zweite Geschichtenfragment beschrieb, wie ich als Höhepunkt all dieser Entwicklungen zuhause am Fernseher von einem Kanal zum anderen schaltete und überall mit dem Thüringenthema verarscht wurde:

"Wieder zuhause angekommen, schalte ich wie jeden Abend routinemäßig den Fernseher an.
Eine Folge von 'Kommissar Rex' läuft gerade.
Doch plötzlich zucke ich zusammen. Statt mit Wurstsemmeln wird der intelligente Polizeihund mit Original Thüringer Bratwürstchen belohnt.
Ich bin völlig außer Fassung. Das stimmt nicht, denke ich. Das ist falsch.
Ich drückte abermals den Senderknopf. Die "Euronews" folgten. Bilder vom Petersplatz in Rom wurden gezeigt. Tausende Menschen waren anwesend. Die Kamera rückte Papst Johannes Paul II. groß ins Bild. "Doch zuvor lasset uns beten für unseren Bruder Christoph Altrogge in Retz in Österreich", kündigte er in seiner brüchigen Stimme mit dem polnischen Akzent an. "Möge unser allmächtiger Vater im Himmel dafür sorgen, dass unser Bruder Christoph den Unfrieden, den er in seinem Herzen gegen seine Heimat Thüringen hegt, …"
Panisch schaltete ich um. Der nächste Kanal war "Arte", der deutsch-französische Kultursender. "Heute Abend um Zweiundzwanziguhr auf Arte: Heimathass gleich Frauenhass? Führende europäische Feministinnen unter der Leitung von Alice Schwarzer diskutieren die Frage, ob der Heimathass von Christoph Altrogge auf versteckten Frauenhass zurückzuführen ist."
Auf dem nächsthöheren Kanal wurde gerade eine Ankündigung getätigt: "Es folgt 'Das Wort zum Sonntag'. Heute mit dem evangelischen Landesbischof von Thüringen."
Wieder schaltete ich einen Kanal weiter. Zwei Interpretinnen der volkstümlichen Musik erschienen. Beide ungefähr kurz vor der 50, beide in alpenländischer Tracht. "Thüringen, oh Thüringen, du bist und bleibst mein Heimatland …", sangen sie.
Nächster Kanal. "Heimathass seit der Nazi-Zeit? Reicht der Heimathass in der Familie von Christoph Altrogge bis in die Zeit des Nationalsozialismus zurück? Eine neue, packende Geschichtsreportage von Dr. Guido Knopp."
Von schierer Panik ergriffen schalte ich weiter. Kinderfernsehen. Die "Thüringenstraße". Ein Kinderchor singt aus dem Off die Kennmelodie der Serie: "Der, die das, Thüringen macht Spaß …"
Nächster Kanal. Bayerischer Rundfunk. Der Titelschriftzug für die Sendung "Das Landesfürstlich Thüringische Amtsgericht" wird eingeblendet.
Der Einkaufskanal schloss sich an. Die krawallige, männliche Off-Stimme rief aus: "Jetzt auf Media Shop: 30 brandneue Thüringen-Hasser-Songs von Christoph Altrogge. Ein Feuerwerk der Unterhaltung! Der Kracher auf jeder Party! Für nur 99 Euro 99!"
Da kam ein Lachen aus mir heraus. Ein kurzes, abgehacktes Lachen. Es klang sehr psychopathisch.
Gleichzeitig ging auch in meinem Kopf eine eigenartige Veränderung vor sich. Nichts hatte mehr irgendeine Bedeutung, gar nichts.
Wieder ein Lachkrampf. Er führte dazu, dass ich nach hinten stolperte und auf dem Boden zu sitzen kam. Ich konnte nur noch lachen …"

Die Schlussszene war nicht ausgedacht. Ich hatte in dieser Zeit tatsächlich oft genauso krank und psychopathisch gelacht, wenn mich diese Heimweh-Fotzen in einem ihrer Verhöre wieder mal richtig rangenommen hatten … Denn wie schon gesagt: Wenn du unter der Fuchtel dieser Miststücke noch normal bleibst – dann bist du wirklich nicht mehr normal!

Irgendwann kommt im Leben einmal ein Punkt, da hast du als Kerl einfach nicht mehr die Kraft, Energie und Nerven dafür, beziehungsweise siehst es schlichtweg nicht mehr ein, deine kostbare Zeit auf Erden mit so einem saudummen weibischen Gefühlsschwachsinn zu vergeuden. Du kommst einmal an einem Punkt an, ab dem dieser Tank einfach leer ist. Die Frauen saugen einen emotional aus bis auf den letzten Blutstropfen, bis nur noch eine leere, nicht mehr lebensfähige Hülle zurückbleibt. Und darum wirst du zum Einsiedler, oder Neudeutsch: MGTOW, aus innerster Überzeugung.

5.

Etwas vollkommen Anderes, hatte mit dieser Thematik überhaupt nichts zu tun.
In den Jahren 2011 bis 2013 erschien mir im Freien sehr oft das Sonnenlicht als extrem weiß und grell. Und gleichzeitig kam es mir so vor, als hätte die Sonne während meiner Kindheit in einem satten Gelb geschienen.
Okay, auf dem Mond erscheint die Sonne weiß, weil es dort keine Atmosphäre gibt. Aber hier auf der Erde?
Zunächst bekommt man da schon ein bisschen Bammel, dass eventuell gesundheitlich etwas Ernsteres dahinter stecken könnte. Vor allem wenn man schon einmal einen Schlaganfall gehabt hat.
Ich hatte mir das dann erst einmal mit Erschöpfungszuständen erklärt. Da spielt einem die Wahrnehmung schon mal einen Streich, dachte ich.
Dann aber begann ich doch im Internet nachzugrasen.
Ich stieß auf drei Meldungen auf drei verschiedenen Esoteriker-Websites:

"Hallo,
mir wird es immer deutlicher, dass die Sonne extrem grell geworden ist, ich hab das so in meiner Kindheit nicht in Erinnerung.
Heute stört mich die Sonne, weil es einfach heftig hell bzw. grell ist.
Was meint ihr, Einbildung?"

Und:

"Was die Medien Ihnen nicht erzählen: Warum ist die Sonne plötzlich so grell und so weiß? War sie nicht mal eher 'gelb'?"

"Yo,
findet ihr das Sonnenlicht auch so grell? Es ist vielleicht etwas unsinnig hier zu fragen, weil ihr nicht dasselbe Wetter erlebt habt wie ich, aber vielleicht ja doch.
Also, es gab hier in der letzten Woche das erste Mal echten hellen Sonnenschein. Bisher war der Himmel immer grau betrübt.
Ich bin auch rausgegangen tagsüber, Besorgungen mit dem Fahrrad erledigt usw.
Aber seitdem die Sonne scheint, ist es nicht auszuhalten. Ich war früher ein Sonnenkind. Letzten Sommer gab's noch Urlaub in Italien bei brütender Hitze etc...

Jedenfalls wo die Sonne jetzt raus kam hier, konnte ich das kaum ertragen. Ich würde das Licht als grell und gleißend beschreiben. (…)

Oder ist das normal? Und was sagt ihr dazu?"

Sowie:

"Hatte dennoch das Gefühl, dass es im Moment heller ist als in der Vergangenheit."

6.

Schon öfters ging es mir so, dass ich bei den Verfilmungen historischer Frauengestalten die Filmversion wesentlich attraktiver fand als das Original. Romy Schneider stellte die historische Kaiserin Elisabeth um Längen in den Schatten. Genauso war es mit Johanna Wokalek im Verhältnis zu Gudrun Ensslin. Und während ich die historische Uschi Obermaier zwar nicht unattraktiv fand, sie jedoch schlichtweg nicht mein Typ war, fand ich Natalia Avelon heiß wie einen Vulkan.
Aber angenommen, mein Roman würde verfilmt – wer sollte dann Magda übertreffen? Unmöglich!


* * * *

Im Fernsehen wurden die "Golden Girls" aus den Achtzigern wiederholt. Mir kam eine verrückte Idee. Es gibt zwei Running Gags in der Serie, die ich adaptieren könnte. Der eine: Mit der piepsigen Stimme von Rose Geschichten erzählen, die beginnen mit "Bei uns in Kastanienberg …". Sowie mit der rauen Stimme von Sophia: "Eine Geschichte. Stellt Euch vor: Mitteldeutschland 1983 …"

Die Rose-Analogie besteht dann zur einen Hälfte aus den absurden, teilweise ins Phantastische gehenden Saint-Olaf-Geschichten. Und zur anderen Hälfte aus DDR-Alltagskultur. Und wenn ich dann zu sprechen beginne, fährt mir Dorothy sofort entnervt in die Parade: "Oh bitte, nein, Rose. Ich will nicht schon wieder eine Geschichte hören von einem LPG-Vorsitzenden namens Werner Schmidt, dessen himmelblauer Trabant zum Tag der Republik auf einem Kartoffelacker betrunken Sex mit einem Russenpanzer hatte und deren Kinder zum Studium auf die Lenin-Hochschule in Moskau geschickt wurden!" So wie Dorothy in der Serie immer den Inhalt dieser Geschichten persiflierend zusammenfasste.
Und um dann noch eins drauf zu setzen, bestätigte Rose in der Serie jeweils immer noch den Wahrheitsgehalt der von Dorothy überspitzt wiedergegebenen Version. So werde ich es auch tun: "Aber nein, Dorothy, du erzählst die Geschichte vollkommen falsch. Die Kinder sind nicht zum Studium nach Moskau, sondern nach Wladiwostok geschickt worden!"
Und in Anlehnung an Blanche erzähle ich ständig, am ganzen Körper vor Geilheit bebend, schwülstige erotische Geschichten, wie ich Frauen den bloßen Hintern voll haue. Egal, welches Thema gerade debattiert wird – es endet immer damit, dass ich vor Geilheit bald platzend erzähle, wie ich irgendwann, irgendwo einer Frau nach Strich und Faden den Hintern versohlt habe.
Bloß zu Dorothy musste ich mir noch etwas einfallen lassen.
Jaaa, da weiß ich was. So wie in der Originalserie Dorothys nichtsnutziger Ex-Ehemann Stan immer wieder an der Haustür der Golden Girls klingelte, tut dies in der Parodie meine "spezielle Freundin" aus Retz. "Hallo Christoph, ich bin's Angelika!" Worauf ich ihr dann drehbuchgetreu die Tür vor der Nase zuknalle.
Immer wenn Sophia zu sehr über die Stränge schlug, drohte ihr ihre Tochter Dorothy mit dem Altersheim "Schattige Pinie". Worauf diese stets sehr kleinlaut wurde. Meine Dorothy-Version droht meiner Sophia-Version: "Retzer Heimweh-Weiber!" Das wirkt dann auch.


* * * *

Das Thema Mediensatire hatte mich irgendwie gepackt.

Schon seit Langem war ja im Filmgeschäft die Kombination Nazis plus UFO's ziemlich sexy. In der jüngeren Vergangenheit hatte sich ein ähnliches Crossover-Genre etabliert: Nazis und Zombies.
Das ist noch weiter ausbaufähig, dachte ich. Da lassen sich noch eine Menge Erfolg versprechender Filmformate entwickeln:

Nazi-Sandalenfilme. Durch eine Zeitmaschine geraten Nazis in die klassische Antike und marschieren dort im Stechschritt und mit hölzernen Gesichtern durch Gladiatorenarenen.

Nazi-Vampir-Filme. Ein Titel könnte etwa heißen: "Blut und Boden", oder "Division mit Biss", wobei das Doppel-S in Biss in Form der SS-Runen dargestellt wird.

Eine Nazi-Teenie-Serie. Titel: "83471 Berchtesgaden". Handelt von den ersten Liebeleien blonder teutscher Mädels und Jungen an einer Napola.

Ein Rosamunde-Pilcher-Film, der nach einer geglückten nazideutschen Besetzung Großbritanniens spielt. Eine schöne, junge, englische Adlige ist unglücklich in den deutschen Gauleiter von Cornwall verliebt.

"Good Bye, Adolf!" 1944. Das Ende des Nazi-Reiches beginnt sich bereits abzuzeichnen. Da verwirklicht die Thule-Gesellschaft einen gigantischen Plan: Ein junger SS-Offizier wurde in einer Reichsflugscheibe in Kälteschlaf versetzt. Diese ließ man im Autopilot-Modus die Erde umkreisen. Jahrzehnte später, wenn sich die politischen Verhältnisse stabilisiert hätten, sollte er wieder heruntergeholt werden und als neuer deutscher Führer die Weltherrschaft antreten.
2015. Die Europäische Weltraumagentur (ESA) schießt einen weiteren Kommunikationssatelliten in den Orbit. Es kommt zu einem Zusammenstoß mit dem Nazi-Flugkörper. Das Teil fällt auf die Erde. Im Inneren findet man, fast unverletzt, einen neunzigjährigen Mann mit dem Aussehen eines 25-jährigen.
Rasch machte man ein altes FDGB-Ferienheim mitten im Wald ausfindig, welches seit 1990 nicht mehr genutzt wurde. Dieses richtete man authentisch im Stil des Jahres 1944 her. Auf einigen Hektar erstand so eine Miniausgabe des Dritten Reiches auf.

"Deutschland sucht den Super-Nazi": Vor einer Jury aus Hitler, Goebbels und Freisler muss jeder Kandidat das Horst-Wessel-Lied singen. Wenn die Darbietung nicht so besonders ist, brüllt Freisler los: "Sssssssie sssssind ja vollkommen taaaaalentfrei!!!"
Und als Höhepunkt der Show tritt dann der Darth Vader auf, vor einer riesigen Videowand, die den Todesstern zeigt. Dazu singt er mit einer Stimme wie ein kaputtes Magnettonband: "Ein Stern, der deinen Namen trägt …" Nein, jetzt wird es zu albern.

Dokumentation "Goodbye Großdeutschland! Die Auswanderer": Die Wehrmacht sucht neue berufliche Perspektiven in Osteuropa und Nordafrika.

"Die Volksküche". Eine Kochshow, die wöchentlich live aus Carinhall übertragen und abwechselnd von Emmy Göring, Eva Braun, Magda Goebbels, Margarete Himmler und Ilse Koch moderiert wird.


* * * *

Mir fiel eine Parodie auf den Blödel-Kracher "Ich liebte ein Mädchen" von Ingo Insterburg ein. Ihr Inhalt handelte – wen wunderte es groß – vom Poversohlen:


Ich spankte ein Mädchen in Polen,
das stand voll auf's Versohlen.
Ich spankte ein Mädchen in Litauen,
auch dem gefiel das Po-Verhauen.
Ich spankte ein Mädchen in den Niederlanden,
dem sogleich die Sinne schwanden.
Ich spankte ein Mädchen in Belgien,
das tat darin schwelgien.
Ich spankte ein Mädchen in Liechtenstein,
das nannte mich "ein geiles Schwein".
Ich spankte ein Mädchen in der Schweiz,
das verspürte dabei keinen Reiz.
Ich spankte ein Mädchen in Frankreich,
im Park auf einer Bank gleich.
Ich spankte ein Mädchen in Spanien,
in einer Allee Kastanien.
Ich spankte ein Mädchen in Portugal,
da machte jeder Schlag 'nen Knall.
Ich spankte ein Mädchen in Griechenland,
das hielt keinem meiner Schläge stand.
Ich spankte ein Mädchen auf den Kanaren,
dem war das noch nie widerfahren.
Ich spankte ein Mädchen auf Elba,
das machte sich's daraufhin selba.
Ich spankte ein Mädchen in Kroatien,
an der Küste von Dalmatien.
Ich spankte ein Mädchen in Russland,
das das Schlagen Stuss fand.
Ich spankte ein Mädchen in der Ukraine
mit einer Hundeleine.
Ich spankte ein Mädchen in Deutschland,
dem hat danach der Arsch gebrannt.
Ich spankte ein Mädchen in "Grehjt Brittn"
das hat unter meinen Schlägen gelitten.
Ich spankte ein Mädchen in Dänemark,
im Kopenhagener Stadtpark.
Ich spankte ein Mädchen in Norwegen,
das stöhnte unter meinen Schlägen.
Ich spankte ein Mädchen in Schweden,
das musste ich überreden.
Ich spankte ein Mädchen in Finnland,
dem nach Spanking der Sinn stand.
Doch dann wurde es mir in Europa zu klein,
so zog ich in die ganze Welt hinein.
Ich spankte ein Mädchen in "Ju Es Äj",
das sagte hinterher "That's okay!"
Ich spankte ein Mädchen in Mexiko,
das bekam davon einen roten Po.
Ich spankte ein Mädchen in Chile,
das bekam der Schläge viele.
Ich spankte ein Mädchen in Peru,
das jammerte dabei immerzu.
Ich spankte ein Mädchen in Ecuador,
dem kam das Spanken komisch vor.
Ich spankte ein Mädchen in Belize,
keine war wie diese.
Ich spankte ein Mädchen auf Kuba,
ihr Hintern sah aus wie 'ne Tuba.
Ich spankte ein Mädchen in Korea,
das schrie dabei O-weh, ah.
Ich spankte ein Mädchen auf den Philippinen,
das machte Scherzensmienen.
Ich spankte ein Mädchen in Tokio,
das schrie Zeter und Mordio.
Ich spankte ein Mädchen in Thailand,
das rief gleich nach dem Heiland.
Ich spankte ein Mädchen in der Mongolei,
das machte dabei Lustgeschrei.
Ich spankte ein Mädchen in Afghanistan,
da verfolgten mich gleich die Taliban.
Ich spankte ein Mädchen im Iran,
da hing ich fast am Baukran.
Ich spankte ein Mädchen im Jemen,
das tat sich dafür schämen.
Ich spankte ein Mädchen in der Türkei,
da machte der Imam Geschrei.
Ich spankte ein Mädchen in Algerien,
das hatte gerade Ferien.
Ich spankte ein Mädchen in Marokko,
das hörte auf den Namen Coco.
Ich spankte ein Mädchen in Ägypten,
bei dem die Backen hüppten.
Ich spankte ein Mädchen in Burundi,
das zahlte ich mit 'nem Hundi.
Ich spankte ein Mädchen auf Kap Verde,
das sich nicht drum scherte.
Ich spankte ein Mädchen im Tschad –
ja, das tat ich glatt.


* * * *

Seit Jahren träume ich davon, einmal in der Wiener Staatsoper, kurz bevor der Vorhang hoch geht, von meinem Sitz aufzuspringen und lauthals den alten Fußball-Ruf "Jetzt geht's los! Jetzt geht's los!" grölen. Um dann die entsetzten Blicke des Wiener Bildungsbürgertums zu genießen!

Während der Vorstellung springe ich dann auf und gröle: "Diri, geh ans Telefon!"
Irgendein Solist gibt der besseren Akustik wegen von einer Loge aus ein Solo auf seinem Instrument. Ich springe wieder auf und brülle: "Abseits! Abseits! Abseits! Das war Abseits!"
Wieder etwas später singe ich: "Diri, wir wissen, wo dein Taktstock liegt!"
In der ehemaligen kaiserlichen Loge sitzt der österreichische Bundespräsident. Ich gröle zu ihm hoch: "He, warum holen die dich nicht von der Ersatzbank?"
Am Ende des ersten Teils vom Programm erheben sich die Musiker, um sich vorm Publikum zu verbeugen. Ich singe auf die Melodie von "Go West" von den Pet Shop Boys: "Steht aaaaaaaauf, wenn ihr Schalker seid, steht aaaaaaaauf, wenn ihr Schalker seid …"
In der Pause rufe ich auf Flugblättern dazu auf, die Beethoven-Anhänger zu verdreschen, die in die Anschlussveranstaltung kommen.
Die Pause ist vorbei. Die Musiker betreten nacheinander den Orchesterraum. Ich rufe: "Einer geht noch, einer geht noch rein …"
Jedes Mal, wenn ein Musiker einen falschen Ton von sich gibt, pfeife ich auf meiner Trillerpfeife und zeige dem betreffenden Musiker mein Programmheft.
Zu guter Letzt renne ich als Flitzer durch den Orchestergraben. Damit ist das Maß nun endgültig voll. Am Rande des Orchestergrabens stehen bereits zwei Kerle in weißer Kleidung und mit geöffneter weißer Jacke empfangsbereit …


* * * *

An deutschen Kindergärten wurden immer mehr christliche Feiertage, wie etwa Martinsumzug, Nikolaus oder Weihnachten aus Rücksicht auf muslimische Kinder und deren Eltern ersatzlos gestrichen. Islamische Feiertage, wie etwa das Zuckerfest, wurden aber sehr wohl begangen.

Darauf Bezug nehmend schlug ein deutscher Kabarettist im Fernsehen vor, man solle dafür deutsches Kulturgut in arabische Länder exportieren. Den Kölner Karneval etwa. Damit der kulturelle Austausch nicht so einseitig bleibt.

Dieser Scherz inspirierte mich, ihn weiter auszubauen:

Schunkelnde Männer in weißen Nachthemden, die singen: "Ein Prooosit, ein Prooosit, dem Heil'gen Krieg ..."

Oder: "Mit 66 Bomben, da hört das Leben auf, mit 66 Bomben, hat Moslem Spaß daran …"

Oder: "Wir machen durch bis morgen Früh und singen Allahu akbar, Allahu akbar, Allahu akbar ..."

Oder: "Lustig ist das Salafistenleben, Scharia, Scharia, ho ..."

Oder: "Da simmer dabei! Dat is prima! Viva Medina!"

Oder: "Am Rosenmontag wurd' ich beschnitten ..."

Auf die Melodie eines bekannten Liedes von Hans Albers gesungen: "Im Moscheehof in der Nacht um Halb Zehn, hab' ich rollende Köpfe geseh'n …"

"Eine neue Bombe ist wie ein neues Leben, bum, bum, nanananananana …"

"Aische, isch hol disch vom Sozialamt ab …"

Eine frühe Roberto-Blanco-Nummer-Eins: "Ein bisschen Terror muss sein, da komm ich gleich in Allahs Himmel rein …"

Als Analogie zu einem bekannten Italo-Hit: "Semtex, Semtex, Semtex, Semtex".

Das Samba-Lied:
"Zünde Bomben mit mir, zünde Bomben die ganze Nacht.
Zünde Bomben mit mir, weil das Töten uns glücklich macht.
Allah, Allah, Allahu akbar, morgen ist schon alles vorbei.
Zünde Bomben mit mir, zünde Bomben die ganze Nacht."

Oder um auf Wolfgang "Wolle" Petry zurückzugreifen: "Wir sind Moslems, und schicken
die Kafir (2) zur Hölle …" An dieser Stelle springen unzählige Taliban in weißen Nachthemden von ihren Biertischen auf, recken die Arme in die Höhe und grölen im Chor: "HÖLLE, HÖLLE, HÖLLE, HÖLLE."

Als Nächstes fiel mir eine Ode an einen deutsch-arabischen Intensivtäter namens Mohamed ein, in Gestalt einer Parodie auf das Joana-Lied von Roland Kaiser:
"Mo-haaamed,
Mo-haaamed,
geboren, um Menschen zu töten …"

Und für noch einen Ulk musste Roland Kaiser herhalten:
"Dich zu töten
dich zu schlachten
Dich zu köpfen
dich zu ficken."

"Sie treffen sich freitags bei Sonne und Schnee aaahh ooojehh
in Köln und Berlin in einer Moschee aaahh ooojehh
und blasen zum Sturm auf die Demokratie
Integrieren – das werden wir nie!"
und so weiter, und so weiter …

Nun wurde es klassisch. Die Ereignisse in der Kölner Silvesternacht hatten mich zu einem Gedicht inspiriert, welches man auf die Melodie von "Freude, schöner Götterfunken" singen musste:
"Kommen wilde Asyl-Rotten,
schrecken das Germanenland.
Traut sich keiner abzuschotten.
Mob ist außer Rand und Band.

Deutschland geht den Bach hinunter,
brauchte selber Lohn und Brot.
Regierung schickt selbst 'Tafel'-Kunden
in Verzweiflung und in Not."

Zum Schluss Polonaise über alle Tische, mit Osama bin Laden vorneweg: "Wir sprengen gleich die Löcher in die Kafir und dann geht sie los, unsre Intifada …"

Und gleich noch ein Polonaiselied: "Auf Wiederseh'n, auf Wiederseh'n, die Bomben weeerden jetzt hochgeh'n. Im Paradies wird's wunderschön …"

Und noch eine völlig makabre Szene fiel mir ein. Die traditionelle Schlussszene jeder Folge beim "Traumschiff" – das Kapitänsdinner. In meiner Version trägt ein islamistischer Terrrorist auf einem Silbertablett eine mit brennenden Wunderkerzen bestückte Höllenmaschine in das Restaurant herein. Die Big Band spielt dazu die bekannte Melodie: "Ta-taaa-ta-taa-ta-taa, ta-taaa-ta-taa-ta-taa, ta-taa-ta-taa-ta-tata-ta-ta-ta, ta-taa-ta-ta-ta-ta, …" Danach sieht man vom Meer aus in einem riesigen Feuerball das Schiff explodieren.
Wie ich die dummen Europäer kenne, würden sie sogar in der Situation noch Beifall klatschen.

Und noch eine morbide Phantasie kam mir. Bekanntlich verteilen radikale Salafistenorganisationen immer wieder in den Fußgängerzonen deutscher Großstädte kostenlos den Koran. Ich stellte mir nun vor, ich käme dort im vollen Ornat eines katholischen Geistlichen vorbei. Ich sprenge in Richtung unserer morgenländischen Freunde das Weihwasser, dabei feierlich sprechend: "Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes! – Und nun seid ihr alle Christen!"
Das wäre wahrscheinlich die kürzteste Priesterkarriere in der gesamten Kirchengeschichte …

Anders als mit Galgenhumor war die tagtägliche Terrorgefahr nicht mehr zu ertragen … Hätte an sich gern darauf verzichtet, aus eigener Anschauung nachvollziehen zu können, warum Opa erzählte, dass der Krieg manchmal nur noch mit saublöden Witzen zu überstehen war.

Ich hatte mich richtig in Rage geschrieben, und so fielen mir noch ein paar böse Gedichte und Aphorismen ein:

"Deutschland zahlt das Hochzeitsmahl.
Das ist der Bande ganz egal.
Den Toast, den brüllen alle Esser:
'Ich mach dich Messer!!'
So sieht's bei Multi-Kultis aus:
Die Hochzeit wird zum Leichenschmaus!"

"Früher, zu DDR-Zeiten, wurde die Jugend mit dem Slogan 'Mach mit, mach's nach, mach's besser!' zur sportlichen Ertüchtigung ermuntert.
Bei der heutigen migrantischen Jugend muss es eher heißen: "'Mach mit, mach's nach, mach Messer!'"

"1942 wurden in den USA acht Nazi-Spione hingerichtet, die Terrorakte ausführen sollten.
Heute würden amerikanische Gutmädchen auf dem New Yorker Flughafen JFK ein riesiges Transparent 'Germans welcome' aufspannen und an jeden Passagier, der aus der 'Hindenburg' aussteigt, Teddybären und belegte Brote verteilen."

In den Fernsehnachrichten wurde über die Verhaftung eines mutmaßlichen versuchten Attentäters in einer Flüchtlingsunterkunft im Salzburger Land berichtet.
Dazu fiel mir eine Parodie auf ein bekanntes Salzburg-Lied ein: "Zwischen Salzburg und Bad Ischl, sprengt ein lieber, kleiner Taliban …"

Und zum Schluss etwas nur teilweise Witziges. Führende Vertreter von Medien, Politik und Wirtschaft schwärmten uns seit Sommer 2015 immer wieder gebetsmühlenartig vor, unter den Flüchtlingen, die aus Syrien übers Mittelmeer zu uns kämen, befänden sich Tausende und Abertausende Ärzte und Ingenieure. Und sie würden uns helfen, unseren ach so großen Fachkräftemangel zu beseitigen, hieß es seitens genannter Herrschaften ebenfalls in einer akustischen Endlosschleife.
Ich als das naive, einfältige Schaf, das ich nun einmal bin, dachte zunächst bezüglich der Ingenieure: Sollte man da fairerweise nicht erst einmal auf den europäischen Arbeitsämtern gründlichst nachgrasen, wie viele Ingenieure in der Altersgruppe Fünfzig plus ihre Kenntnisse gern noch irgendwo einbringen würden? Wie gesagt, ich lebe in mancher Hinsicht ein bisschen hinter dem Mond.
Und dann machte mich die immer wieder gebetsmühlenartig wiederholte Behauptung stutzig, ein eher mittelgroßes Land würde an seinen Akademien derart viele Ärzte und Ingenieure produzieren, dass es für den gesamten Rest der Welt reicht. Ich begann daher mithilfe der Wikipedia, einem Instrument also, dass besagten Damen und Herren Medienvertretern, Politikern und Wirtschafsführern an ihren Dienst-Pc's ebenfalls frei zur Verfügung steht, zu recherchieren. Ich setzte die Bevölkerungszahlen von Syrien, Deutschland und Österreich ins Verhältnis zur Anzahl der Universitäten im Land. Dabei kam Folgendes zutage:
Syrien:
Bevölkerungszahl: 21 Millionen vor dem Krieg.
Staatliche Universitäten: Acht.
Deutschland:
Bevölkerungszahl: 82 Millionen.
Staatliche Universitäten: 239.
Österreich:
Bevölkerungszahl: 8,7 Millionen.
Staatliche Universitäten: 22.
Das heißt also nach Adam Ries, dass in Syrien auf 2.625.000 Einwohner eine Universität kommt. In Deutschland beträgt dieser Koeffizient 343.096. In Österreich bewegt man sich mit 395.454 in einer annähernd vergleichbaren Größenordnung.
Man muss weder Informatik noch Bildungswissenschaften studiert haben, um allein schon anhand dieser Zahle zu erkennen, dass an der postulierten These von den biblischen Heerscharen von Ärzten und Ingenieuren irgendetwas nicht stimmen kann …
Und da die syrischen Ingenieure ja alle so toll sind: Aus Syrien kamen in den letzten 20, 30 Jahren noch mal genau welche bahnbrechenden Innovationen auf folgenden Gebieten: Handy, Internet, Medizintechnik, erneuerbare Energien, Fahrzeugtechnik, Robotik, Raumfahrttechnik, … ??? Gebt mir irgendjemand Wissenschaftsmagazine mit entsprechenden Fachartikeln zu lesen!


Aydan Özoğuz, Integrationsbeauftragte des Bundes, SPD, tätigte eine entsetzlich dumme Aussage über die deutsche Kultur:

"Deutschland ist vielfältig und das ist manchen zu kompliziert. Im Wechsel der Jahreszeiten wird deshalb eine Leitkultur eingefordert, die für Ordnung und Orientierung sorgen soll.

Sobald diese Leitkultur aber inhaltlich gefüllt wird, gleitet die Debatte ins Lächerliche und Absurde, die Vorschläge verkommen zum Klischee des Deutschsein. Kein Wunder, denn eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar. Schon historisch haben eher regionale Kulturen, haben Einwanderung und Vielfalt unsere Geschichte geprägt. Globalisierung und Pluralisierung von Lebenswelten führen zu einer weiteren Vervielfältigung von Vielfalt."

Meine Antwort darauf: Frau Özoğuz, setzen Sie sich an Ihren Computer. Öffnen Sie die Suchmaschine Ihres Vertrauens. Geben Sie Folgendes ein: Wikipedia deutschsprachige Schriftsteller. Drücken Sie die Entertaste.

Nachdem Sie erst einmal kräftig gestaunt haben, wiederholen Sie das nun mit: Wikipedia deutsche Maler. Dann mit: Wikipedia deutsche Komponisten. Wikipedia Musik Deutschland. Wikipedia Film in Deutschland. Wikipedia Architektur Deutschland. Wikipedia Welterbekonvention in Deutschland. Wikipedia Museum in Deutschland. Wikipedia Feste und Brauchtum Deutschland. Wikipedia Feiertag Deutschland. Wikipedia Deutsche Küche. Wikipedia Deutsche Trachten. Wikipedia Zeitung Deutschland. Wikipedia Hörfunksender Deutschland. Wikipedia Gemeinden in Deutschland. Wikipedia Deutsche Münze. Wikipedia Briefmarke der Reichspost. Wikipedia Briefmarke der Deutschen Post der DDR. Wikipedia Briefmarke der Deutschen Bundespost. Wikipedia Schienenverkehrsgeschichte Deutschland. Wikipedia Dialektologie des Deutschen. Wikipedia Deutscher Dialekt. Wikipedia Deutsche Märchen und Sagen.

Und das alles, in einen Topf geworfen, ist das, was man landläufig als deutsche Kultur bezeichnet, Frau Özoğuz!

Ach, und da wäre noch was, Frau Özoğuz: Wenn Sie sich schon als Expertin auf dem Gebiet der deutschen Sprache ausgeben – tun Sie uns den Gefallen und feilen Sie noch ein bisschen an Ihrer Stilistik! Ihr Pleonasmus "Vervielfältigung von Vielfalt" ist nicht originell, sondern einfach nur eine Katastrophe! Und zwar in allen deutschen Regionalkulturen!


Ui, ui, ui. Jetzt habe ich nach dem Sachsen-Kartell und den Wiener Emanzen nun auch noch den Islamischen Staat am Hacken. Ich verstehe es wirklich, mich beliebt zu machen.


7.

Noch ein paar Pressesplitter zur Fußball-Weltmeisterschaft 1990, die ich in meinem Archiv erst nach Beendigung des Romanes entdeckte:



5. Teilnehmende Nationalmannschaften

Jeder Spieler aus den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt umgerechnet 300.000 Mark für seine Teilnahme an der WM.


6. Die deutsche Nationalmannschaft

125.000 Mark waren jedem deutschen Nationalspieler bei einem Titelgewinn zugesagt worden.

Der Spitzname Rudi Völlers lautete "Käthe".

Bundeskanzler Helmut Kohl sah die deutsche Nationalelf mindestens unter den ersten Vier, sein damaliger Herausforderer Oskar Lafontaine von der SPD sogar im Finale.

Eine für die damaligen technischen Möglichkeiten sehr moderne Methode der Prognose über den Ausgang der WM wandte man bei der Hamburger Fernsehprogrammzeitschrift "HÖRZU" an. Man fütterte einen Computer mit folgenden Daten aller 24 teilnehmenden Mannschaften:
Ergebnisse aller 382 Länderspiele seit der Weltmeisterschaft 1986, wobei Pflichtspiele höher bewertet wurden als Freundschaftsspiele;
Beständigkeit;
WM-Erfahrung;
Fan-Unterstützung;
Turnierverhalten wie Begeisterung oder Hitzköpfigkeit.
Für all das wurde eine bestimmte Anzahl Punkte festgelegt und daraus ließ man dann die Siegwahrscheinlichkeiten bei der aktuellen Weltmeisterschaft errechnen.
Es entstand folgende Liste:
1. Holland.
2. Italien.
3. Deutschland.
4. England.
5. Jugoslawien.
6. Schweden.
7. Spanien.
8. Brasilien.
9. Belgien.
10. UdSSR.
11. Irland.
12. ČSFR.
13. Schottland.
14. Kamerun.
15. Uruguay.
16. Argentinien.
17. Südkorea.
18. Rumänien.
19. Österreich.
20. Vereinigte Arabische Emirate.
21. Kolumbien.
22. Costa Rica.
23. Ägypten.
24. USA.
Die Maschine hat erstaunlich präzise gearbeitet. Die Voraussage für England auf dem vierten Platz war richtig. Deutschland stufte sie zwei Plätze zu schlecht ein, Italien sogar bloß um einen zu gut. Einzig die schlechte Reihung von Argentinien auf Platz 16 war vollkommen "verpeilt". Dass Holland so weit vorn gelistet wurde, lag aufgrund des Sieges bei der Europameisterschaft 1988 auf der Hand; bei dieser Meisterschaft verabschiedete es sich dann im 4. Achtelfinale mit einem 1:2 gegen die Bundesrepublik.
Veröffentlicht wurde das Ergebnis in der "HÖRZU" Nummer 22 vom 25. Mai 1990.
Diese Methode wandte man übrigens schon bei den Meisterschaften 1982 und 1986 an, wobei der Computer jeweils Deutschland als Finalteilnehmer voraussagte.

7. Deutsch-deutsche Aspekte der Weltmeisterschaft

Am 26. März spielte in einem Benefiz-Turnier im Dresdner Dynamo-Stadion zugunsten des Dresdner Schlosses ein gemischtes Team gegnerischer Nationalspieler der DDR und der BRD von 1974 gegen eine mit prominenten Spielern gespickte Weltauswahl. Über die Medien wurden seinerzeit folgende Namen kolportiert:
Deutsch-deutsches Team: Franz Beckenbauer, Paul Breitner, Uli Hoeneß, Uwe Seeler, Sepp Maier, Karl-Heinz Rummenigge, Jürgen Croy, Hans-Jürgen Dörner, Jürgen Sparwasser, Gerd Kische, Hans-Jürgen Kreische.
Team Welt-Elf: Oleg Blochin, Bobby Charlton, Johan Cruyff, Ronnie Hellström, Kevin Keegan, Hans Krankl, Jean-Marie Pfaff, Zico, Dino Zoff.
Nach nicht einmal zwei Stunden waren sämtliche Karten verkauft.

Sehr optimistisch orakelte der ehemalige FC Bayern München-Nationalspieler Paul Breitner in der Erfurter Programmzeitschrift "SUPER tv" Nr. 20 für den Zeitraum vom 19. bis 25. Mai 1990 über die Zukunft des DDR-Fußballs: "In zwei bis drei Jahren werden die DDR-Vereine so weit sein, dass sie beim bezahlten Fußball mitmischen können. Voraussetzung wäre, dass die Vereine die Mitgliederstrukturen neu aufbauen, also auch Beiträge erheben. Und dass sie mutige Sponsoren finden, die an die internationale Zukunft des DDR-Fußballs glauben. So werden sie in der Bundesliga auch vorne mitspielen können."
In der Praxis konnte sich dann lediglich RB Leipzig langfristig und stabil in der 1. Bundesliga etablieren – woran der im Namen geführte Brausehersteller aus Österreich sicher nicht ganz unschuldig war.

Am Rande der Fußball-Weltmeisterschaft meldete sich in Rom der DDR-Nationaltrainer Eduard Geyer zur Vereinigung beider deutscher Fußballverbände zu Wort. Er kritisierte Pläne, denen zufolge diese Vereinigung erst im Jahr 1992 kommen solle: "Entgegen der bisherigen Zeitplanung halte ich es für angebracht, dass die fußballerische Wiedervereinigung im nächsten Sommer stattfindet. Ich plädiere für eine 18er Bundesliga, der mindestens drei DDR-Vereine angehören. (…) Den Vorschlag von DFB-Präsident Neuberger, dass nur unser Meister automatisch qualifiziert ist, kann ich nicht akzeptieren. Man wird 16 Millionen Menschen (Bevölkerungszahl der DDR, Anm..) nicht gerecht, wenn sie nur eine Mannschaft in der höchsten Spielklasse haben. Es nützt keinem etwas, wenn nur noch in einem Teil Deutschlands guter Fußball geboten wird." Weiters forderte Geyer, dass "unsere Clubs auch finanziell unterstützt werden. Anderenfalls werden wir das Opfer eines Einbahnstraßen-Systems, in dem die besten Spieler durch Angebote aus dem Westen abwandern."
(Quelle: "Erfurter Tagespost", 7./8. Juli 1990)

Ein geflügeltes Wort machte 1990 in Fußballer- und Fußball-Interessiertenkreise über die zahlreichen Ost-West-Transfers von Spielern die Rede: "Unsere Besten spielen im Westen!"
Exotisch mutete in diesen Tagen hingegen dieser Vorgang in die andere Richtung an. Zu den wenigen Spielern, die das taten, gehörte unter anderem Peter Lux von Waldhof Mannheim. Er wechselte ab dem 11. August für die vergleichsweise hohe Ablösesumme von 450.000 D-Mark zu Dynamo Dresden, damals geleitet vom Trainer Reinhard Häfner. Lux über seine Beweggründe: "Es ist eine sportliche Herausforderung, die mich reizt. Ich kann jetzt im Europacup der Meister spielen, mit Waldhof Mannheim wäre ich in die zweite Liga abgestiegen. Nach neun Jahren Bundesliga wollte ich einmal etwas Neues machen. Die Mannschaft hat einen sehr guten Ruf." (Quelle: "Erfurter Tagespost", 4. Juli 1990)
Zum "Schnäppchenpreis" hingegen konnte der FC Berlin zwei Spieler aus dem Westen verpflichten. Für eine Ablösesumme im unteren fünfstelligen Bereich wurde Matthias Schulz von Bayern München verpflichtet. Im Gegenzug zu dem 17-jährigen Ausnahmespieler René Rydlewicz kam von Bayer Leverkusen sogar bargeldlos Dirk Rehbein, ursprünglich aus Berlin-Spandau stammend. Sein Debüt gab Rehbein beim 11:1-Sieg zu Gast bei Traktor Klötze. Rehbein über seinen neuen Verein: "Das Gute ist hier, es gibt keine Stars und viele ehrgeizige Leute." (Quelle: ebenda)
Die Motivation muss wohl wirklich sportlicher Ehrgeiz gewesen sein, denn die Gagen bei dem Berliner Verein lagen zu dem Zeitpunkt je nach Alter, Name und Leistung zwischen 3.000 und 10.000 Mark brutto.

Siegfried Kirschen, der letzte DDR-Schiedsrichter bei einer Weltmeisterschaft, schätzte seine exponierte Situation so ein: "Ich bin wohl eine historische Figur."


12. Das Halbfinale

Vor dem Halbfinale weckten britische Tageszeitungen Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 1966, was sicherlich auch damit zu tun hatte, dass die Engländer zu dem Zeitpunkt gegen Deutschland eine negative Länderspielbilanz hatten.
Der britische Trainer Robby Robson prophezeite ein Endspiel zwischen England und Argentinien. Die zu diesem Zeitpunkt bereits favorisierte Variante Deutschland – Italien sah er kritisch. Bei den englischen Buchmachern hingegen, die im Fußballgeschäft für ihre Treffergenauigkeit bekannt sind, lag Beckenbauers Mannschaft weit vorn.


13. Finale

Bis zum Finale am 8. Juli standen sich die Nationalmannschaften von Argentinien insgesamt elf Mal gegenüber. Fünf Runden davon konnten die Südamerikaner für sich entscheiden.

Eine Zeit lang "auf der Kippe" stand die Teilnahme Rudi Völlers am Endspiel, da er sich im Halbfinale eine Verletzung zugezogen hatte.

Bundeskanzler Helmut Kohl verfolgte das Endspiel von der Tribüne aus gemeinsam mit dem amtierenden DDR-Staatsoberhaupt, Volkskammerpräsidentin Sabine Bergmann-Pohl, und Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Um die Zeit der Weltmeisterschaft herum hatte Franz Beckenbauer lukrative PR-Verträge mit Mercedes, Adidas, Hermes (Arzneimittel), Schüco (Hochbau), Hipp und Obi.

Für Beckenbauer lag damals auch ein Angebot des amerikanischen Fußballverbandes vor, als Berater für die Fußball-WM 1994 tätig zu werden. Die drei Jahre bei Cosmos New York hatten ihn in den USA populär gemacht.

U-21-Trainer Berti Vogts über die Aussicht, in absehbarer Zukunft Franz Beckenbauer als deutscher Nationaltrainer zu beerben: "Nachfolger von Beckenbauer zu werden, das ist etwa so, als wenn man von Gottschalk 'Wetten, dass..?' übernehmen würde."


14. Resümees, Auswertungen, Statistiken

Resümee von DFB-Präsident Hermann Neuberger nach der Weltmeisterschaft: "Die Breite an der Spitze ist dichter geworden." – Muss man nicht wirklich verstehen.

Wohl auch eher unter die Rubrik Spaßvogel-Meldungen fiel ein Spruch von Kommentator Gerd Rubenbauer: "Beckenbauer ist hier Vater geworden – sein Sohn heißt Häßler."


19. Medien

Laut eines Berichtes in der Ausgabe der Programmzeitschrift "Gong" vom 11. Mai 1990 gaben die beiden Kabarettisten Dieter Hildebrandt und Werner Schneyder während der WM-Zeit regelmäßig satirische Glossen zum aktuellen Fußball-Geschehen im Fernsehen ab.
Schneyder prophezeite übrigens ein rein europäisches Endspiel.

Zwei Milliarden Zuschauer verfolgten insgesamt die Spiele.


22. Humor

Die Programmzeitschrift "BILD + FUNK" brachte in ihrer Ausgabe 14 vom 30. März 1990 auf Seite 5 eine Karrikatur, wo ein Osterhase seinem Kollegen einen Korb voller Eier präsentierte, die im Fußball-Design bemalt waren. Dazu erklärte er: "Das sind die Eier für Beckenbauer!"

Die Programmzeitschrift "HÖRZU" brachte in ihrer Ausgabe 22 vom 25. Mai 1990 auf Seite 3 eine Karrikatur anlässlich des Eröffnungsspiels Argentinien – Kamerun. Darauf war die Kameruner Mannschaft zu sehen, welche zu Spielbeginn auf dem Rasen Aufstellung genommen hatte. In ihrer Mitte befand sich ein Elefant. Der Schiedsrichter polterte los: "He! Wer hat Ihnen erlaubt, Ihr Maskottchen mit aufs Spielfeld zu bringen?!!"
Gäbe heute einen ohrenbetäubenden Rassismus-Aufschrei.


23. Fachliteratur zum Thema

Nur wenige Tage nach der WM erschien im Handel ein von Fußballexperte Dieter Kürten herausgegebener, 256-seitiger Bildband mit 300 Aufnahmen und einer umfangreichen Textdokumentation. Erhältlich für damals 39,80 DM.
Wer sich in die Materie etwas weniger intensiv vertiefen wollte, für den hielt die "BUNTE" ein "BUNTE Special"mit 74 Seiten bereit, das schon für 9,80 DM zu haben war.


24. Nach der WM

Nationalspieler Jürgen Kohler und seine Frau Esther heirateten am 12. Juli 1990 in Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz.





(1) In der Realität war natürlich eine Ansicht jener niederösterreichischen Ortschaft zu sehen, aus der die verstorbene Freundin des Autors tatsächlich stammte. Aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen wird diese jedoch geheim gehalten.

(2) Arabisches Wort für Ungläubige, Nichtmoslems

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